Brugg

In diesem Coiffeur-Salon gibts derzeit zum Haarschnitt Glühwein und Lebkuchen dazu

Das Ponyab-Team will die Altstadt beleben (v. l.): Béatrice und Sabrina Hatt, Katarina Peric und Tamara Poletti-Frey.

Das Ponyab-Team will die Altstadt beleben (v. l.): Béatrice und Sabrina Hatt, Katarina Peric und Tamara Poletti-Frey.

Gesundheitliche Probleme haben dieses Frauenteam veranlasst, mit einer neuen Idee in der Brugger Altstadt selbstständig zu werden. Der Coiffeur-Salon Ponyab soll zum Treffpunkt im Herzen der Altstadt werden.

«Die Altstadt hat eine Coiffeur-Strasse», titelte diese Zeitung Anfang Mai dieses Jahres. In der 270 Meter langen Brugger Begegnungszone zwischen Vorstadt und «Rotem Haus» haben sich sieben Friseure angesiedelt. Zählt man das kurz darauf in der «Alten Post» eröffnete Barber House Leone mit, sind es sogar acht auf knapp 300 Metern. Aus dem Coiffeur Art Visagist an der Hauptstrasse 47 ist vor wenigen Wochen nach einem Umbau der Salon Zäme entstanden.

Mit einem neuen Konzept hat der Salon Ponyab im ehemaligen Restaurant Pfauen in den letzten sechs Monaten das Zentrum der Altstadt belebt. Die Kombination von Coiffeur und Café kommt bei neugierigen Passanten und Velofahrern gut an. Mit einer Tasse Cappuccino am Tisch vor dem Haus sitzend, lässt sich bei schönem Wetter das Treiben auf der Hauptgasse wunderbar beobachten.

Tamara Poletti-Frey und Katarina Peric hätten Durchreisenden zwar auch schon Mittagsessen servieren können. Das würde aber den Rahmen des kleinen Cafés, das auch im Innern des Salons gemütlich eingerichtet ist, sprengen. Denn die beiden Frauen sind in erster Linie gelernte Coiffeusen und lieben ihren Beruf – inzwischen wieder – über alles.

Der menschliche Aspekt spielt eine zentrale Rolle

Die Lernende Sabrina Hatt und ihre Mutter Béatrice Hatt vervollständigen das Ponyab-Team. Angefangen hatte alles in einem anderen Unternehmen. Die 18-jährige Sabrina hatte dort im Sommer 2018 ihre Lehre als Coiffeuse begonnen. Tamara Poletti war ihre Ausbildnerin und Katarina Peric eine Teamkollegin.

Umstrukturierungen und schlechte Stimmung im Geschäft führten bei allen drei Frauen zu gesundheitlichen Problemen. Für die 55-jährige Béatrice Hatt aus Birr war bald klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie fragte Tamara Poletti, ob sie sich nicht selbstständig machen möchte und Tochter Sabrina weiterhin ausbilden würde. Mit dieser Frage rannte Béatrice Hatt bei Poletti – nach kurzem Zögern – offene Türen ein.

Denn schon oft hatte sich die 35-Jährige aufgrund entsprechender Nachfragen von Bekannten und Kunden den Schritt in die Selbstständigkeit überlegt, diesen dann aber doch nicht gewagt. Stattdessen machte sich Poletti daran, sich zur Arztsekretärin weiterzubilden. «Nach der Anfrage von Béatrice dachte ich zuerst, dass das Ganze irgendwo einen Haken haben muss», erinnert sich Tamara Poletti und lacht.

Sie traf Abklärungen und merkte, dass bei diesem Projekt im Gegensatz zu einem grösseren Betrieb, in dem das Geld im Vordergrund steht, auch der menschliche Aspekt eine zentrale Rolle spielt. Nach der ersten Kontaktaufnahme im letzten Dezember ging es schnell vorwärts.

Entscheid für den pfiffigen Namensvorschlag fiel bewusst

Ein passendes Lokal wurde gesucht, ein Konzept für das neue Coiffeur-Geschäft erarbeitet sowie die nötigen Bewilligungen – auch für den Ausschank von Bier oder Cüpli – organisiert. Um das Geschäft an sechs Tagen pro Wochen zu betreiben, konnte die 24-jährige Berufskollegin Katarina Peric für das Vorhaben gewonnen werden.

Mit «Ponyab» entschied sich das Team bewusst für einen pfiffigen Namensvorschlag von Geschäftsführerin Tamara Poletti, der neutral und nicht an eine Person gebunden ist. Zuerst seien einzelne Nachbarn dem Ponyab-Team mit Vorurteilen begegnet, erzählt Poletti. Im persönlichen Gespräch seien die Vorbehalte aber schnell beseitigt worden.

Inzwischen sind Freundschaften entstanden, die Gewerbetreibenden berücksichtigen sich gegenseitig. Während sich Béatrice Hatt vor allem um das Administrative und die Arbeit im Hintergrund kümmert, sind die anderen drei Frauen in regelmässigem Kundenkontakt.

Es braucht die Bereitschaft, Neues auszuprobieren

Dass im Herzen der Brugger Altstadt in Sachen Beschriftung und Reklamewesen spezielle Regeln gelten, musste das Ponyab-Team schon bald erfahren. «Die Stadt macht es einem hier nicht einfach», stellt Béatrice Hatt fest. Da heisse es immer, man wolle die Altstadt beleben, und dann werden einem von der Stadt Steine in den Weg gelegt. Hatt wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit, bei der alle am gleichen Strick ziehen und bereit sind, Neues anzupacken und auszuprobieren.

Dem Projekt Ponyab will Béatrice Hatt drei Jahre Zeit geben, um es auf ein solides Fundament zu stellen. Immer wieder kommen Leute vorbei, die im ehemaligen Restaurant Pfauen gearbeitet hatten und sehen möchten, wie modern sich die Räumlichkeiten nach der umfassenden Renovation präsentieren.

Treffpunkt in der Brugger Altstadt

Dem Team ist es wichtig, der Kundschaft nicht nur die Haare zu schneiden und zu pflegen, sondern das Geschäft zu einem Altstadt-Treffpunkt für alle zu machen. Als eine Art Pendant zum Getränkeangebot beim Campus-Eisfeld schenkt das Ponyab-Team aktuell von Mittwoch bis Freitag jeweils abends Glühwein aus und serviert Lebkuchen dazu. Die entsprechende Bewilligung von der Polizei ist vorhanden.

Das Team ist glücklich, dass es mit dem Aufbau des eigenen Geschäfts das Schicksal selber in die Hand genommen hat. Geschäftsführerin Tamara Poletti, die in Windisch aufgewachsen ist, betont: «Es ist eine tolle Erfahrung, dass jemand an unsere Fähigkeiten glaubt. Wir müssen keine Fliessbandarbeit mehr leisten, sondern können uns Zeit für unsere Kundschaft nehmen.»

Auch Katarina Peric ist zufrieden mit dem neuen Arbeitsplatz: «Vor einem Jahr ging es mir sehr schlecht. Ich litt an einer Sehnenscheidenentzündung, hatte starke Schmerzen und wollte mich umschulen lassen.» Seit der Eröffnung von Ponyab leidet keine der drei Coiffeusen mehr an gesundheitlichen Beschwerden. «Hier zeigt sich: Wenn die Arbeit Spass macht, wird man nicht krank», stellt Béatrice Hatt mit Blick auf ihre Tochter Sabrina dankbar fest. Coiffeuse ist der Traumberuf der 18-Jährigen. Nach der Lehre möchte sie sich zur Visagistin weiterbilden.

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