In bunten Buchstaben steht «Brockenstube Nupsi» auf der grossen Fensterfront. Mitten im Quartier hat gestern an der Reutenenstrasse in Windisch das neue Secondhand-Ladenlokal eröffnet. Kleider, Spielwaren, Kerzen, Geschirr – alles ausser Möbel bietet die kleine Brockenstube an. «Dafür fehlt uns schlicht der Platz», erklärt Renate Niederberger in breitem Österreichisch. Zusammen mit ihrem Mann Patrick Niederberger, 48, führt die 47-Jährige das neue Geschäft.

Die Idee dazu ist dem Ehepaar beim Reisen gekommen: Fast fünf Jahre lang waren die beiden jeweils im Sommer in Lappland, wo Patrick Niederberger geschäftlich zu tun hatte, und im Winter auf der ganzen Welt unterwegs. Besonders die nordischen Länder hatten es ihnen dabei angetan. «Dort gibt es in vielen ländlichen Ortschaften eine Art Brockenstube mit Café», sagt Renate Niederberger und fügt an: «Also dachten wir uns, das könnten wir auch machen.»

Auf ein Abenteuer einlassen

Vor zwei Jahren kehrte das Ehepaar nach Windisch und in den Arbeitsalltag zurück: sie bei den SBB, er beim Reiseunternehmen «Kontiki». Im letzten Herbst fiel dann aber die Entscheidung: Renate und Patrick Niederberger wollten es probieren und ihr eigenes Secondhand-Geschäft eröffnen. «Wir haben keine Kinder und können es uns leisten, uns auf dieses Abenteuer einzulassen», sagt Patrick Niederberger und blickt seine Frau an. Sie nickt zustimmend und fügt an: «Wir wollen mit dem Brocki auch etwas an die Gemeinde zurückgeben.» Renate Niederberger hat dafür ihren Job gekündigt und widmet sich Vollzeit dem Brocki. Patrick Niederberger wird weiterhin Teilzeit arbeiten und an seinen freien Tagen hinter der Theke der kleinen Brockenstube stehen. Dass das Geschäft in Windisch zu stehen kommt, war ursprünglich nicht so geplant. Eigentlich wollten Niederbergers ihr Brocki in Brugg eröffnen, doch die Mieten seien zu hoch gewesen. So hat die Brockenstube ihren Platz in Windisch gefunden, unweit vom Zuhause des Ehepaars.

Stöbern und Kaffee trinken

«Aus dem Quartier haben wir sehr positive Rückmeldungen erhalten, die Leute freuen sich über den Laden», sagt Renate Niederberger. Das bestätigt auch die erste Kundin vor Ort: «Ich liebe Brockenhäuser und finde es mutig, dass die beiden es probieren.»

Bereits während der Aufbauphase haben immer wieder Nachbarn im Ladenlokal vorbeigeschaut. Denn das Brockenhaus Nupsi ist auch ein kleines Café. Rund acht Sitzplätze laden zum Verweilen ein und an der Theke werden Kioskartikel und Getränke verkauft. Wer seinen eigenen Becher mitbringt, erhält zudem einen kleinen «Umwelt-Rabatt».

«Wir wollen dem Quartier einen kleinen Treffpunkt bieten», sagt Renate Niederberger. Zusätzlich seien die Kioskartikel eine Möglichkeit, etwas mehr Geld einzunehmen. Denn in der Brockenstube kosten viele Artikel nur ein bis zwei Franken. Dabei ist nicht alles Secondhand, einige Waren sind Restposten oder Liquidationswaren, welche die Niederberger über einen Zwischenhändler beziehen können. So finden sich im «Nupsi», was übrigens aus dem Österreichischen stammt und so viel wie klein und herzig bedeutet, neben alten Spielen und Porzellangeschirr auch neue Socken und jede Menge Werkzeugbedarf.