Lupfig/Birr
In diesem Aargauer Pflegeheim kostet das Sonntagsmenü plötzlich 34 Prozent mehr

Das Pflegeheim Eigenamt erhöht den Preis für das Sonntagsmenü deutlich. SVP-Grossrätin Doris Iten hinterfragt auch andere Aspekte der Preispolitik im Restaurants des Heims.

Claudia Meier
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Das Kafi Eigenamt mit Wintergarten befindet sich im Erdgeschoss des Pflegeheims und ist für alle zugänglich. (Archiv)

Das Kafi Eigenamt mit Wintergarten befindet sich im Erdgeschoss des Pflegeheims und ist für alle zugänglich. (Archiv)

Sandra Ardizzone

Am nächsten Sonntag gibts im Pflegeheim Eigenamt in Lupfig Schweinsrahmschnitzel, Butternudeln, Kürbisgemüse und Schwarzwälderschnitte sowie Suppe und Salat vom Buffet zum Mittagessen. Erstmals kostet das Sonntagsmenü Fr. 23.50 und nicht mehr Fr. 17.50 wie die Mittagsmenüs an den anderen Wochentagen. Die Treuebons haben nur an Wochentagen Gültigkeit und können am Sonntag nicht angerechnet werden.

Dieser «massive Preisaufschlag» per 1. Oktober stört SVP-Grossrätin Doris Iten aus Birr. «Das entspricht einer Teuerung von satten 34 Prozent», hält Iten fest. Und dieser Preisaufschlag rechtfertige sich nicht durch eine Leistungsverbesserung, wie sie von der Geschäftsleitung erfahren habe. Die stellvertretende Geschäftsführerin Béatrice Böhringer sagt dazu: «Aus wirtschaftlichen Gründen wäre die Preisanpassung des Sonntagsmenüs von Fr. 17.50 auf Fr. 23.50 bereits vor zwei Jahren begründet gewesen.» Die Massnahme setze sich aus folgenden Faktoren zusammen: Die Küche kaufe saisongerecht ein. Die allermeisten Produkte werden frisch zubereitet. Dafür werde vor allem das lokale Gewerbe berücksichtigt.

 «Wird beim Haus Eigenamt im Hinblick auf die geplante Umwandlung in eine Aktiengesellschaft bereits eine Gewinnmaximierung angestrebt?» Doris Iten, SVP-Grossrätin Birr.

«Wird beim Haus Eigenamt im Hinblick auf die geplante Umwandlung in eine Aktiengesellschaft bereits eine Gewinnmaximierung angestrebt?» Doris Iten, SVP-Grossrätin Birr.

Michael Hunziker

Grösserer Aufwand am Sonntag

«Da wir trotz den steigenden Preisen im Einkauf nicht auch noch unsere Bewohner durch eine Quersubventionierung belasten möchten, haben wir unsere Kalkulation überprüft und angepasst», so Böhringer. Es würden an den Werktagen nicht «billigere» Lebensmittel verwendet, an den Wochenenden jedoch werden die Menüs besonders zubereitet und die Tische aufwendiger eingedeckt.

Im Vergleich zu anderen Institutionen liege das Haus Eigenamt auch mit dem neu angesetzten Preis im Mittelfeld. Das 4-Gang-Menü besteht aus Suppe, Salat (à discrétion), Hauptgang und Dessert. Im Pflegezentrum Süssbach in Brugg, das wie das Haus Eigenamt von Hanspeter Müller geführt wird, kostet das Mittagsmenü komplett (mit Suppe, Salat, Brot, jedoch ohne Dessert) Fr. 16.50 und die halbe Portion Fr. 13.50.

Keine halben Portionen mehr

SVP-Politikerin Doris Iten findet ausserdem, dass die Senioren in Lupfig bereits vor einiger Zeit mit einer Sparrunde abgestraft worden seien, weil es nicht mehr möglich ist, eine kleine Portion zu bestellen. Béatrice Böhringer bestätigt: «Früher gab es halbe Portionen. Der Unterschied jedoch von halben und ganzen Portionen war zu klein.» Auch stimme es, dass die Menüs in Lupfig momentan nur inklusive Dessert angeboten werden.

Zum Preisvergleich mit dem Süssbach hält Böhringer fest: «Der Süssbach hat nach seinem Umbau ein völlig anderes Konzept für die Restauration entwickelt und ist mit dem Haus Eigenamt nicht vergleichbar.» Der Süssbach habe per 1. Januar 2018 seine Preise erhöht.

Doris Iten stellt sich nun die Frage, ob beim Haus Eigenamt im Hinblick auf die geplante Umwandlung in eine Aktiengesellschaft bereits eine Gewinnmaximierung angestrebt wird. «Die Senioren haben einen grossen Teil zu unserem Wohlstand beigetragen und einen wohlverdienten Lebensabend verdient», betont die Politikerin. Böhringer relativiert diesen Vorwurf: «Mit Mehreinnahmen von zirka 3000 Franken pro Jahr sind wir weit davon entfernt, eine Gewinnmaximierung zu erzielen.» Selbstverständlich habe sich die Geschäftsleitung auch über die Benchmark in Kenntnis gesetzt und festgestellt, dass sie mit der neuen Preisgestaltung (Preis/Leistung) durchaus im Mittel liegt.

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