Nic Niedermanns funkige Gitarrenstakkatos fahren dem Publikum vom ersten Ton an direkt in die Glieder. Tastenmann Philippe Kuhn lässt seine Akkorde in die Nachtluft fliegen. Rotosphere gehören zu den profiliertesten Bands der Region und bewegen sich meisterhaft auf verschiedenen musikalischen Terrains.

Für Robbie Caruso die idealen Voraussetzungen, seine Konzertreihe Mittwochsmusig in der Strandbar Villnachern zu eröffnen. Als Supplement gesellen sich Sandra Rippstein und die Nigerianerin Justina Lee Brown zur Formation. Beide sind mit wuchtigen Stimmen von unglaublicher Tragweite gesegnet. Rippstein röhrt kraftvoll und rauchig «Back to Black» und macht Amy Winehouse mit ihrer Version alle Ehre.

Mittwochsmusig in der Strandbar: «Proud Mary» in der Version von Justina Lee Brown,  Sandra Rippstein und Rotosphere

Mittwochsmusig in der Strandbar: «Proud Mary» in der Version von Justina Lee Brown, Sandra Rippstein und Rotosphere

Lee Brown singt Songs aus ihrer afrikanischen Heimat und Eigenkompositionen, die sie zusammen mit Niedermann für eine neue CD geschrieben hat. Glasklar und anschmiegsam leuchtet ihre Stimme bei Balladen wie «Fligh High». Das Publikum geniesst einträchtig die schönen Konzertmomente und gibt sich ganz der Musik hin. Auch wenn es im Hintergrund brodelt.

Es ist die letzte Saison

Wie zuvor auf Facebook und in der AZ zu lesen war, wird die Mittwochsmusig nach acht Jahren abgesetzt. Fernando Cassano, Pächter der Strandbar in der Badi Villnachern, wird seinen Vertrag nicht verlängern. «Die 100 Franken, die die Gemeindebehörden uns diese Saison pro Konzert abknöpfen wollten, sind nicht der alleinige Grund für das endgültige Aus. Sie haben nach einem jahrelangen Hickhack einfach das Fass zum Überlaufen gebracht», sagt Caruso im Vorgespräch. Cassano hat die Nase voll und sieht kein Zurück.

Das Publikum findet es enorm schade, ja geradezu undenkbar, dass es nächstes Jahr keine Mittwochsmusig mehr gibt. Hans Blattner aus Lupfig meint: «Ich sehe, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Wenn schon mal etwas in der Region läuft und allen Menschen Freude bereitet, sollte die Gemeinde das honorieren und nicht noch Geld dafür verlangen.» Stammgast Raffaele Petrone aus Habsburg ist derselben Meinung: «Kleine Begegnungsorte wie die Strandbar Villnachern sind ungeheuer wichtig. Leute von überall kommen wegen der tollen Kulturevents hierher. Die Initianten haben Unterstützung verdient. Man sollte ihnen danken und nicht Steine in den Weg legen.»

Musikgrössen aus In- und Ausland

Auf der Bühne gibt sich Roberto Caruso wortkarg und will die Gemüter nicht erhitzen. «Wir machen jetzt Musik. Denn das ist es, was wir wollen», sagt er ins Publikum. Dann hat er aber doch noch einen kleinen Seitenhieb parat: «Denken Sie daran, bei uns ist heute nicht der König Gast, sondern der Gast König.»

Dass im kleinen Villnachern jedes Jahr die Grossen der nationalen und internationalen Musikszene zusammenkommen, ist dem grossen Beziehungsnetz von Robbie Caruso zu verdanken. Am 12. Juli gibt sich die Amerikanerin Lisa Doby die Ehre und bringt mit ihrem Trio Soul-, Blues- und Funknummern zu Gehör. Der 25. Juli gehört dann Stonee and Friends. Gründer Martin Wettstein wird auch als «Godfather of Funk aus dem Freiamt» bezeichnet. Special Guest ist die stimmgewaltige Billie Brown aus den USA. The Voice-of-Germany-Finalist Marc Amacher hat vor kurzen sein neues Album «8 Days» in der Mühle Hunziken getauft und bringt seine neuen Songs am 31. Juli nach Villnachern.

Für Fullhouse wird Marc Sway sorgen, der sich als Bühnenfigur «Johnny Marroni» am 15. August von einer ungewohnten Seite zeigt. Für den 22. August hat sich Big Daddy Wilson angesagt, der auch in seinem Heimatland Amerika zu den absoluten Blueslegenden zählt. Am 29. August stehen Heinrich Mueller & Band auf der Bühne der Badi Villnachern, zu der auch Gitarrero Caruso gehört. Das endgültig letzte Konzert von Mittwochsmusig geht am 5. September über die Bühne. Die Kenianerin Claudia Masika ist bekannt für ihren perkussionlastigen Afro-Sound und sorgt noch einmal für richtig viel Lebensfreude in der Badi Villnachern.