Hausen

In der Not orientierte er sich um: Gelernter Bäcker und Koch eröffnet Weinhandlung

«Weinbutler» Erich Lüthi will Schweizer Weine fördern.

«Weinbutler» Erich Lüthi will Schweizer Weine fördern.

Der Husemer Erich Lüthi, 31, eröffnete mitten im Lockdown seinen Weinshop. Er setzt auf regionale Weine direkt vom Winzer.

Erich Lüthi aus Hausen hat seine Passion zum Beruf gemacht. Der gelernte Bäcker-Konditor und Koch hat am 1. Mai sein Weingeschäft in der Garage der ehemaligen Käserei in Hausen eröffnet. «Weinbutler’s Garage», so der treffende Name.

Die Eröffnung mitten im Lockdown kam nicht von ungefähr. Seit September 2019 belieferte Lüthi vor allem die Gastronomie mit den edlen Tropfen. Mit dem Auto fuhr er als selbstständiger Lieferant von Restaurant zu Restaurant. Mit dem Lockdown kam die Gastronomie zum Erliegen und damit Lüthis Existenzgrundlage. «Von einem Tag auf den anderen hatte ich praktisch kein Einkommen mehr», sagt er. Aus der Not machte er eine Tugend und entschied sich, ein Ladenlokal zu eröffnen, um so auch private Kunden bedienen zu können.

Der Name Lüthi ist in Hausen nicht unbekannt. Seine Eltern betreiben die Lüthi Metz­gerei an der Holzgasse 1. Gleich gegenüber, an der Holzgasse 2, hat der Sprössling nun sein Weingeschäft. Erich Lüthi wohnt zwar mittlerweile in der Stadt Luzern, seinen Laden in Hausen zu eröffnen, war aber für ihn logisch. «In Hausen habe ich den Lüthi-Bonus», sagt er. Zudem liessen sich so Synergien mit dem Betrieb der Eltern nutzen. Kunden, die in der Metzgerei ein Stück Fleisch kaufen, können auf der anderen Strassenseite gleich den passenden Wein dazu besorgen.

Schweizer Weine müssen sich nicht verstecken

«Wein ist ein mystisches Getränk», sagt der 31-Jährige. Mit Lebensmitteln aufgewachsen, hat Lüthi seine Leidenschaft für den Wein in Kursen an der Hotelfachschule in Luzern entdeckt. Gefördert wurde diese von Spitzenkoch Beat Caduff, in dessen Restaurant Wine Loft Lüthi als Sommelier tätig war.

Rund 50 Weine hat Lüthi im Sortiment, darunter viele Raritäten aus Kleinst-Serien und Nischenprodukte, die sonst nur beim Winzer zu kaufen sind. Wichtig ist es Lüthi, regionale Weine zu fördern. Zwar hat er auch Weine aus Italien, Spanien, Deutschland und Österreich im Angebot, ans Herz legt er seinen Kunden aber den Schweizer Wein. Dieser sei in den letzten Jahren markant besser geworden und stehe den «Ausländern» in nichts mehr nach. Regelmässig besucht Lüthi Weingüter und Keltereien im ganzen Land. Die Zusammenarbeit mit den Winzern und deren Wertschätzung ist Lüthi wichtig: «Sie machen die meiste Arbeit.» Er selbst sieht sich denn auch als Brücke zwischen dem Winzer und dem Konsumenten.

Nebst dem Verkauf von Weinen bietet Lüthi auch Weinberatungen und geführte Degu­stationen an. Geselligkeit und Spass stehen dabei im Zentrum. Wein sei ein Genussmittel, das nur in Gesellschaft getrunken werden sollte. «Den Gewöhnungseffekt des Alkohols darf man nicht unterschätzen», sagt er. Seinen eigenen Weinkonsum hält Lüthi in Grenzen, unter der Woche trinkt er nicht.

Letztes Jahr absolvierte der begeisterte Hobbysportler den Ironman und verzichtete ein halbes Jahr komplett auf Alkohol. Einen Lieblingswein hat Lüthi übrigens nicht. «Das hängt sehr von Anlass und Menu ab.» In bester Erinnerung geblieben ist ihm jedoch der Château Mouton Rothschild aus dem Jahrgang 1987, den er einmal probieren durfte. «Einen wirklich guten Wein spucke auch ich beim Degustieren nicht aus. Das wäre ja wirklich schade drum.»

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