Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Windisch ist veraltet und stösst an ihre Kapazitätsgrenzen. Jetzt wird sie für 23,9 Mio. Franken ausgebaut, damit sie den neusten Anforderungen genügt.

Am Donnerstagnachmittag hat bei strahlendem Sonnenschein der Spatenstich stattgefunden. Anwesend waren Vertreter von Verbandsgemeinden und beteiligten Firmen. Heinz Wipfli, der Präsident des Abwasserverbands, freute sich über den Beginn der Bauarbeiten. Die Planungsphase habe alles in allem rund fünf Jahre gedauert. Es habe viel Kraft gebraucht, die nötigen Bewilligungen zu erhalten, so Wipfli. Der Grund: Das Vorhaben wird in einem ökologisch sensiblen Umfeld realisiert – das Wasserschlossdekret musste angepasst werden.

Biofiltration ist das Herzstück

Gebaut wurde die ARA Mitte der Sechzigerjahre für 30 000 Einwohner. Mittlerweile entspricht die Belastung rund 50 000 Einwohnern. Beschlossen wurde überdies der Anschluss der ARA Unterau durch die Gemeinden Untersiggenthal und Turgi. Anders gesagt: Die Reinigungsleistung genügt nicht mehr.

Laut Fritz Wüthrich vom Ingenieurbüro Kuster und Hager, St. Gallen, kann die ARA in Zukunft das Abwasser von rund 80 000 Einwohnern behandeln. Bei trockenem Wetter wird mit maximal 315 Litern pro Sekunde gerechnet, bei Regen mit 631 Litern pro Sekunde.

Herzstück der neuen Anlage, die auf dem angrenzenden Areal erstellt wird, sei die Biofiltration, fuhr Wüthrich fort. Es handle sich um eines der modernsten und leistungsfähigsten Verfahren in der Abwasserreinigung. Die Mikroorganismen und Bakterien, die für den Abbau der Stoffe im Abwasser sorgen, seien nicht wie beim heutigen System freischwebend in den Becken, sondern auf einem Trägermaterial in verschiedenen Filterzellen fixiert.

Als grosse Vorteile bezeichnete Wüthrich die kompakte Bauweise, die hohe Betriebssicherheit sowie den hohen Wirkungsgrad. Zum Neubau gehören überdies diverse Zellen und Becken, Anlagen und Installationen sowie ein Traforaum. Ebenfalls stehen verschiedene Sanierungsmassnahmen im Bereich der Schlammbehandlung und Gasverwertung an.

Im Abwasser steckt Potenzial

Bereits erneuert wurden Prozesssteuerung sowie Leitsystem bei der Schlammbehandlung und ersetzt wurden die Faulschlammentwässerung und die Frischschlammeindickung. Optimiert wurden nicht zuletzt die Muldenstation und die Gaszuleitung. Im Abwasser stecke ein enormes Potenzial an Energie, stellte Wüthrich weiter fest. Vorgesehen ist deshalb eine Abwärmenutzung aus dem Abwasser. Das Klärgas wird zu Biogas aufbereitet.

In einem ersten Schritt erfolgt der Voraushub, ab September der Rohbau der Biofiltration. Die Installationen sollen im Oktober 2015 fertig erstellt sein. Im Winter 2015/16 schliesslich ist die Inbetriebnahme geplant. In der Folge können die alten Becken ausser Betrieb genommen werden.