Windisch

In der Musik der Romantik ist Bewegung drin – wie beim Fondue

Der reformierte und der katholische Kirchenchor proben gemeinsam verschiedene Werke der französischen Romantik für das Adventskonzert. Der Feinschliff ist dabei wichtiger als die Knochenarbeit.

Singende Stimmen dringen aus dem Saal des Kirchgemeindehauses Windisch. Eigentlich ist es nur ein einziges Wort, das der Chor immer wieder singt: Halleluja. Die verschiedenen Chorstimmen suchen ihre Melodie, vereinen sich mehr und mehr zu einem einzigen Klang.

«Halleluja» – es ist dieses eine Wort, das am Beginn des vertonten Psalms 150 von César Franck steht. Der Psalm ist ein Lobgesang; im Saal ist die andächtige Stimmung zu spüren, gleichzeitig werden fleissig Rhythmen geprobt und die korrekte Melodie eingeübt.

Der reformierte und der katholische Kirchenchor proben gemeinsam intensiv für ein Chorprojekt im Dezember. «Bitte verlasst euch nicht auf euren Nachbarn. Wir müssen alle ganz präzise sein und wissen, wo wir sind», sagt Christof Metz, Chorleiter des reformierten Kirchenchors.

Und noch einmal wird die erste Passage repetiert. Die Knochenarbeit am Anfang, die richtigen Töne und Rhythmen zu treffen, sei noch nicht das Entscheidende. «Der zweite Schritt ist viel wichtiger – dass wir die Sache mit Leben erfüllen, mit Ausdruck», sagt der Chorleiter. Der Text des Psalms sage schon viel darüber, wie das Werk gesungen werden sollte. «Ich versuche, Assoziationen herzustellen und die Leute daran zu erinnern, worum es geht», sagt Metz.

«Und steht auf»

Welche Bedeutung haben die religiösen Inhalte für den Chor? «Es würde etwas fehlen, wenn hier im Kirchenchor kein Bezug zum Christentum da wäre», sagt Metz.

Inwiefern die Werke für die Chorsänger eine spirituelle Bedeutung haben, ist individuell: Für manche ist es eine Form des Gebetes, andere schätzen die Kirchenmusik rein aus musikalischen Gründen. Nebst dem Psalm 150 werden weitere Werke der französischen Romantik aufgeführt, so das Oratorio de Noël sowie die Romance für Harfe und Violine von Camille Saint-Saëns.

«Nochmals, der Sopran alleine. Und steht auf», sagt Metz. «Chanter, chanter toujours», singen die Sopranistinnen, zuerst zögernd, beim zweiten Mal kräftiger, dann selbstbewusst. «Dieser hohe Ton, der muss in Bewegung sein, wie beim Fondue rühren», erklärt Metz. Es lässt sich beobachten, wie eine gedruckte Note sich mehr und mehr in einen Chorklang verwandelt, der im Dezember das Kirchenschiff wird ausfüllen können.

Adventskonzert der ref. und kath. Kirchenchöre Windisch; Sonntag, 8. Dezember, 17 Uhr, reformierte Kirche Windisch.

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