Königsfelden
In der Klosterkirche Königsfelden kratzt ein Turm am Himmel

Tanz&Kunst Königsfelden ist eine neue Tanzplattform in der Klosterkirche Königsfelden. Am 17. Mai ist Premiere der ersten Produktion «babel.torre via». Die Badener Künstlerin Ruth Maria Obrist hat dafür einen 14 Meter hohen Turm geschaffen.

Elisabeth Feller
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Ruth Maria Obrist mit einer Latte für den Turm. Das Holz ist mit Kupferfarbe bemalt. Alex Spichale

Ruth Maria Obrist mit einer Latte für den Turm. Das Holz ist mit Kupferfarbe bemalt. Alex Spichale

Alex Spichale

Sie trägt einen flauschigen Pulli und bequeme Schuhe, die auf eine Joggerin schliessen lassen. Könnte ja sein, denn Ruth Maria Obrist legt derzeit täglich einige Meter zurück – allerdings nicht im Freien.

Die Künstlerin hat ihr Atelier im Badener Merker Areal vielmehr mit der Klosterkirche Königsfelden getauscht: Dort begleitet sie die Aufbauarbeiten zu dem, was sie in ihrem Atelier ausgetüftelt hat – den «Turm zu Babel».

«babel.torre viva» heisst die erste Tanzproduktion von Tanz&Kunst Königsfelden, welche die künstlerische Leiterin Brigitta Luisa Merki mit einem Kollegen choreografiert und Obrist szenisch betreut. Während für Merki die Klosterkirche als Arbeitsort längst vertraut ist, ist er für Ruth Maria Obrist neu.

«Es ist das erste Mal, dass ich mit Vertretern verschiedener künstlerischer Disziplinen zusammenarbeite», sagt Obrist und Merki doppelt nach: «Ich möchte zeitgenössische Künstler in meine Arbeit einbeziehen.»

Ruth Maria Obrist freute sich, als Merki sie bat, einen Turm – Torre – im Kirchenschiff, beim Portal, zu bauen. «Einen spiralförmigen Turm zu Babel konnten wir aus Platzgründen nicht bauen», sagt Obrist, «einen hohen mit rechteckigem Grundriss aber schon.»

Die Künstlerin macht eine Pause, fährt dann fort: «Ich hatte schon immer eine Vorliebe für die Vertikale.» Und das insbesondere, weil ein Turm gleichsam am Himmel zu kratzen scheint.

Nicht nur das: «Wer hochblickt, sieht den Himmel und bekommt damit eine Vorstellung der Unendlichkeit.» Obrist erinnert daran auch mit ihrer 12 Meter grossen, goldgelben Efeu-Stele für das Gemeinschaftsgrab in Windisch, das im Sommer fertig sein wird. Das Grabzeichen symbolisiert die Verbindung zwischen Erde und Himmel – der Königsfelder Torre erst recht. Er ist 14 Meter hoch, was im Vergleich zum 828 Meter hohen Wolkenkratzer in Dubai allerdings winzig anmutet.

In der Klosterkirche wirkt der 4.40 Meter breite und 2 Meter tiefe Turm, dessen Verkleidungsmaterial drei Tonnen wiegt, jedoch riesig. Er ist in einem Sockel verankert und weist vier Etagen auf, die von Tänzern und Chormitgliedern bespielt werden. Die Fassaden des Turms sind aus unterschiedlich grossen Holzlatten gebaut, die oben einen unregelmässigen Abschluss finden.

Das ist Programm: Durch die Lücken sieht der Zuschauer auf der Tribüne das berühmte Kirchenfenster über dem Kirchenportal. Bemalt sind die Latten mit Kupferfarbe. «Kupfer ist das älteste Gebrauchsmaterial», sagt Ruth Maria Obrist und erwähnt lächelnd eine Besonderheit: «Je nach Lichteinfall werden die nur mit einer einzigen Farbe bemalten Platten eine Vielfalt von Farbtönen bekommen». Man darf also gespannt sein, welch spannende Kontrast sie zu dem vorgesehenen, noch nicht gelegten, schwarzen Boden bilden.

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