Sind die Schweizer Skirennfahrer schlecht, dann nimmt auch die Zahl an Skilager-Teilnehmern ab. Das hat kürzlich alt Bundesrat Adolf Ogi an den Weltcuprennen in Adelboden behauptet. Eine Umfrage im Bezirk Brugg unter den grösseren Schulen (Brugg, Windisch, Birr und Kreisschule Schenkenbergertal), die ein Schneesportlager durchführen, zeigt tatsächlich: Immer weniger Kinder gehen ins Skilager. 2002 beispielsweise zählte die Oberstufe Veltheim 68 Teilnehmer. Für das Lager im Jahr 2015 haben sich noch 42 Teilnehmer angemeldet. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Oberstufe um eine Klasse reduziert wurde.

Dazu kommt, dass viele Schulen ihre Lager zusammengelegt haben. Flurina Lienhard, die für das Brugger Lager zuständig ist, berichtet davon, dass früher parallel mehrere Schneesportlager angeboten wurden. Heute ist es noch eines. Das könnte auch mit dem Angebot von Schinznach und Veltheim passieren. Da Schinznach und Veltheim nun eine Kreisschule bilden, ist es möglich, dass die Lager zusammengelegt werden.

Bezug zum Schnee geht verloren

Die Gründe dafür, warum immer weniger Kinder mit der Schule in den Schnee wollen, sind vielfältig. Einerseits sind da die Kinder mit Migrationshintergrund, die wenig Bezug zum Schneesport haben, da dies vom Elternhaus auch nicht gefördert wird. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund liegt denn auch in den meisten Lagern bei rund zehn Prozent. Fränzi Drack, Lagerleiterin Schinznach, sagt: «Es kommt stark auf die Eltern an. Darauf, ob sie ihren Kindern den Schneesport weitervermitteln und regelmässig pflegen.»

Drack meint aber auch, dass der Schneemangel im Unterland eine Rolle spiele. Ohne Schnee verliere man den Bezug zum Wintersport und verspüre auch keine Lust, auf die Piste zu gehen. Simone Fehlmann, Lagerleiterin Veltheim, sieht auch Probleme in der Leiter-Rekrutierung: «Die grösste Schwierigkeit besteht darin, Lehrpersonen zu finden, die die Organisation eines Skilagers übernehmen wollen. Diese Organisation ist sehr zeitintensiv und aufwendig.»

Zudem übernehme man als Lagerleitung eine grosse Verantwortung den Kindern, den Eltern und der Schule gegenüber. Gemäss Fehlmann möchten viele Lehrpersonen dies nicht mehr stemmen. Die Folge ist, dass nur noch wenige Lehrpersonen der Schule ins Lager mitreisen. Die meisten Leiter sind Externe; Leute aus dem Freundeskreis der Lagerleitung.

Ein Lager mehr in Birr

Einzig die Schule Birr macht in der Negativtendenz eine Ausnahme. Die Schule Birr bietet insgesamt vier Lager an. Zwei für die Mittelstufe und neu – aufgrund der grossen Nachfrage – zwei für die Oberstufe. «Fakt ist, dass wir nicht alle Anmeldungen berücksichtigen konnten», sagt Elke Ritmeisters, Stufenleitung Oberstufe. Der Erfolg könnte darin liegen, dass die Schule den Schneesporttag, der gerade gestern auf der Lenzerheide stattfand, für die Oberstufenschüler obligatorisch machte. «Jeder Schüler soll die Chance haben, eine Schneesportart kennenzulernen», findet Ritmeisters.

«Unsere Lehrpersonen setzen sich sehr engagiert für Ski- und Schneelager ein, worauf wir sehr stolz sind», führt sie weiter aus. «Ohne motivierte Lehrpersonen könnten solche Lager nicht mehr stattfinden.» Es gäbe sogar pensionierte Lehrer, die immer noch mitgehen und auf der Piste oder in der Küche mithelfen. Adolf Ogi dürfte diese Tendenz in Birr freuen.

Allen Lagerleitern ist gemein, dass sie auf die gute Stimmung in den jeweiligen Skilagern schwören. Diese fördere die sozialen Kontakte, schweisse die Gruppe zusammen und sorge für ein gutes Gemeinschaftgefühl – über die Lagerwoche hinaus.

Für gute Gefühle sorgten auch die Schweizer Skirennfahrer am Weltcupwochenende in Wengen. Ob sich jetzt das eine oder andere Kind doch noch fürs Skilager anmeldet?

Den Kommentar zum Thema aussterbende Skilager lesen Sie hier.