Bezirksgericht Brugg

Im Tunnel war plötzlich der Tank leer – das wird teuer

Der Beschuldigte muss eine Busse von 500 Franken plus Verfahrenskosten und Anklagegebühr bezahlen, entschied das Gericht. (Symbolbild)

Der Beschuldigte muss eine Busse von 500 Franken plus Verfahrenskosten und Anklagegebühr bezahlen, entschied das Gericht. (Symbolbild)

Ein 36-Jähriger war mit seinem Auto im Habsburgtunnel stehen geblieben und musste nun vor dem Bezirksgericht Brugg erscheinen.

Tu den Tiger in den Tank, lautete einst der Werbeslogan eines grossen Mineralölunternehmens. Nichts in den Tank getan hatte Dieter (Name geändert) – worauf sein Motor statt zu brüllen zu röcheln begann und schliesslich ganz verstummte.

Passiert ist es im Habsburgtunnel Ende November des vergangenen Jahres. Der Assistenzarzt war nach Feierabend unterwegs auf der Autobahn von Basel nach Zürich. Weil ihm das Benzin ausging, blieb sein Auto stehen – mangels Pannenstreifen zu allem Übel auf der Normalspur. Kürzlich musste der gebürtige Deutsche vor dem Bezirksgericht Brugg erscheinen. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln, lautete der Vorwurf.

Schon in Rheinfelden leuchtete die Warnlampe

Der freundliche, jugendlich aussehende 36-Jährige sass im modischen, hellgrauen Anzug und in weissen Turnschuhen kerzengerade auf seinem Stuhl, folgte aufmerksam den Ausführungen von Gerichtspräsidentin Susanne Humbel, beantwortete die Fragen offen und klar. Er wirkte aufgestellt, räumte aber ein, dass ihn dieses Erlebnis geschockt habe. «Ich wollte das nicht.» Auch der Verteidiger versicherte – und dies sei keine Floskel –, dass seinem Mandanten der Vorfall sehr zu schaffen mache.

Gemäss Anklageschrift war für den Beschuldigten vorhersehbar, dass er infolge Treibstoffmangels stehen bleiben könnte. Dass die Warnlampe der Benzinanzeige leuchtete, habe er bereits spätestens auf der Höhe der Ausfahrt Rheinfelden gesehen. Dennoch habe er seine Fahrt auf der Autobahn und in den Tunnel fortgesetzt. Der Stillstand um etwa 19.45 Uhr wäre vermeidbar gewesen, so die Anklageschrift. Der Beschuldigte habe pflichtwidrig unvorsichtig die Gefahr einer Auffahrkollision geschaffen, weil nachfolgende Verkehrsteilnehmer «dem stehenden Hindernis nicht mehr rechtzeitig hätten ausweichen können».

Dieter erinnerte sich gut. Via Sprachsteuerung habe er versucht, sich auf dem Navigationsgerät den Weg zur nächsten Tankstelle anzeigen zu lassen – und dabei die Ausfahrt Frick verpasst, schilderte er Einzelrichterin Humbel die Situation. Er sei aber überzeugt gewesen, dass er es ohne Probleme zur nächsten Tankstelle schaffe, dass er mehr als genug Zeit habe, fügte er an. Die Nadel der Tankanzeige sei klar noch nicht auf null gewesen.

Im Habsburgtunnel allerdings, erzählte er weiter, begann der Motor zu stottern. Er habe diesen neu starten wollen. Ohne Erfolg. Danach liess Dieter den Wagen ausrollen, stieg aus und verständigte über die nahe Notrufsäule die Polizei, die sein Auto schliesslich abschleppte. Das Verkehrsaufkommen sei gering gewesen, blickte Dieter zurück, es habe sich kein Stau gebildet. In seinem letzten Wort entschuldigte er sich für seine Fehleinschätzung, bedankte sich bei der Polizei für die Hilfe.

«Das wird ihm sicher nicht mehr passieren»

Sein Mandant habe seinen Fehler eingesehen, stellte der Verteidiger fest. «Das wird ihm sicher nicht mehr passieren.» Eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln, ein rücksichtsloses, gleichgültiges Verhalten könne ihm aber nicht vorge­worfen werden, hob der Verteidiger hervor.

Zu diesem Schluss gelangte nach kurzer Beratung auch das Gericht. Es sprach den Beschuldigten frei vom Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrs­regeln, schuldig stattdessen des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs. Gehandelt habe der Beschuldigte nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig. Teuer zu stehen kommt ihn der leere Tank aber alleweil. Fällig wird nicht nur eine Busse von 500 Franken. Zusätzlich muss er die Verfahrenskosten sowie die Anklagegebühr über­nehmen.

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