Brugg

Im Technopark Aargau heben zwei Aviatikprofis ab

Ein Stück Berufsnostalgie: Managing Partner Reto Gasser in den Büroräumen im Technopark Aargau mit Flugzeugmodellen früherer Arbeitgeber. Lukas Scherrer

Ein Stück Berufsnostalgie: Managing Partner Reto Gasser in den Büroräumen im Technopark Aargau mit Flugzeugmodellen früherer Arbeitgeber. Lukas Scherrer

Ein Jungunternehmen im Technopark Aargau hat sich einen Bundesauftrag geangelt.Dies wäre ohne enge Teamarbeit kaum möglich gewesen.

Sie kennen sich seit über 20 Jahren. Bei der ehemaligen Crossair haben sie eng zusammengearbeitet, später gemeinsam der Helvetic Airways in die Lüfte geholfen. Die Aviatik begleitet Thomas Frischknecht und Reto Gasser ihr halbes Leben. Mit ihrem Unternehmen, der «2assistU» GmbH im Technopark Aargau in Brugg, haben sich die beiden in die Selbstständigkeit gewagt.

2011 hat Frischknecht das Startup gegründet, letzten Juni stieg Gasser als Managing Partner mit ein. «Die Firma wurde schnell erfolgreich», erklärt Gasser. «Um sie weiter voranzutreiben, benötigte er aber einen Partner. Ich sagte mir: ‹Jetzt oder nie› und habe den Schritt gewagt.»

Manche Krise miterlebt

In ihren Büroräumen beschäftigen die beiden fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bieten Managementlösungen für Ausbildungen in den Bereichen Sicherheit und Qualität sowie im Notfall- und Krisenmanagement an. «Durch unsere beruflichen Erfahrungen haben wir so manche Krise miterlebt», erklärt Gasser und spricht damit neben Flugunglücken auch das «Grounding» der ehemaligen SAir Group (Swissair/Crossair) an. Er ist überzeugt, dank den gemachten Erfahrungen auch Unternehmen ausserhalb der Aviatik in Notfall- und Krisensituationen beraten zu können. «In diesen Bereichen sind zwar oft Ansätze da, es besteht für viele Firmen aber Nachholbedarf.»

Der jüngste Erfolg der «2assistU» GmbH hat allerdings wieder mit Flugverkehr zu tun. Das Startup-Unternehmen wurde vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) als unabhängige Prüfstelle für «Bekannte Versender» anerkannt. Worunter sich Laien kaum etwas vorstellen können, erklärt Gasser fachmännisch: «In der Schweiz produzierte Waren, die das Land per Luftfracht verlassen, werden vor der Ausfuhr am Flughafen auf gefährliche und verbotene Gegenstände untersucht.» Weil diese Sicherheitsmassnahmen für Unternehmen mit grossem Exportvolumen aber sehr teuer sind, haben diese die Möglichkeit, sich als «Bekannte Versender» zertifizieren zu lassen. Damit werden sie Teil der sogenannten sicheren Luftfrachtkette, wodurch die kostspielige Überprüfung der Waren am Flughafen entfällt. Die Exportgüter können direkt ins Flugzeug verladen werden.

«Dazu müssen aber die Sicherheitsverantwortlichen der jeweiligen Unternehmen ausgebildet und ein Managementsystem im Bereich Sicherheit ausgearbeitet werden.» Auch Transport- und Verpackungsfirmen, die mit den Waren in Kontakt kommen, brauchen ein entsprechendes Zertifikat.

Und hier kommt die «2assistU» GmbH ins Spiel: Im Auftrag des Bazl erarbeitet die Firma Unterrichtsmaterial und unterhält eine E-Learning-Plattform. Gasser ist überzeugt: «Viele Lerninhalte, wie Listen mit gefährlichen Gegenständen, müssen wir nicht im Kurs behandeln. Diese können die Kursteilnehmer bequem von zu Hause aus büffeln.» Die Schwerpunktthemen werden aber in den Kursräumen des Technoparks Aargau durchgeführt – von professionellen, externen Instruktoren.

Um sich vor der Zertifizierung der Produktionsbetriebe ein Bild zu machen, führt die «2assistU» GmbH auch regelmässige Inspektionen vor Ort durch.

Lieber klein, aber fein

Dass das Brugger Startup-Unternehmen sich so gut etabliert hat, macht Gasser auch an der guten Geschäftsbeziehung zu Thomas Frischknecht fest. «Wir ziehen am gleichen Strang und versuchen den gleichen Ideen nachzugehen. Wir verstehen uns blind», so der 49-Jährige.

Dennoch sei der Aufbau des Unternehmens enorm viel Arbeit gewesen. «Thomas Frischknecht startete mit nur einer Praktikantin, es gab weder eine Informatikabteilung noch eine Buchhaltung.» Heute fühlen sich die Jungunternehmer im Technopark Aargau sehr wohl. «Brugg hat als Unternehmensstandort grosse Vorteile», erklärt der Managing Partner und fügt an: «Die Stadt ist von vielen Landesteilen aus innert kurzer Zeit erreichbar.» Neu biete das Startup-Unternehmen auch einen Kurs für Teilnehmer aus Genf an, der dank den guten Zugverbindungen nach Brugg bereits nach 9 Uhr starten könne. Pläne, das Unternehmen gross zu machen, hat das siebenköpfige Team indes nicht, wie Gasser lachend betont: «Wir bleiben lieber klein, aber fein.»

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