Windisch
Im Rekrutierungszentrum ist es ruhig wie in einem Kloster

Bei der Rekrutierung am Mittwoch, 15. August 2012, fällt auf, dass die Stellungspflichtigen sich sehr anständig und ruhig verhalten.

Adrian Hunziker
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Rekrutierung in Windisch
5 Bilder
Einer von mehreren Tests am Computer
Auch ein Lungentest wird durchgeführt
Besprechung vor dem Sport-Test
Die Stellungspflichtigen geben sich beim Sport-Test sichtlich Mühe

Rekrutierung in Windisch

Christoph Voellmy

Pro Jahr kommen rund 9500 junge Männer und Frauen – sogenannte Stellungspflichtige – nach Windisch ins Rekrutierungszentrum. Das entspricht rund einem Viertel der Schweizer Stellungspflichtigen. Sie kommen aus acht verschiedenen Deutschschweizer Kantonen. Gestern Mittwoch traten 122 Männer aus den Kantonen Aargau und Luzern zur zweitägigen Rekrutierung an.

Wenn man diese Zahlen liest, könnte man meinen, es herrsche Chaos an solch einem Rekrutierungstag. Doch weit gefehlt. Die jungen Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren verhalten sich äusserst zurückhaltend und höflich. Bei der Begrüssung des Kommandanten Oberst Roland König könnte man eine Stecknadel fallen hören. «Es ist fast immer so ruhig. Hier ist nichts gespielt. Es kommt selten mal vor, dass jemand sich aufspielt und Terror macht», sagt König. Er muss es wissen, denn er hat das Amt des Kommandanten seit 51⁄2 Jahren inne. Aber auch König ist immer wieder erstaunt, dass alles so gesittet abläuft.

Wortkarg, aber höflich

Auch beim Rundgang, bei dem die Journalisten sehen, welche Posten die Stellungspflichtigen durchgehen müssen, immer wieder dasselbe Bild: Die jungen Männer sind zwar meist wortkarg und wissen wohl noch nicht genau, was alles auf sie zukommt. Doch wenn der Fotograf fragt, ob er ein Bild machen darf, sagt keiner Nein und antwortet dabei höflich. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie gerade vom Arzt medizinisch durchgecheckt werden oder einen Computertest absolvieren.

«Das Wichtigste für mich ist, dass alles glaubwürdig rüberkommt. Die Jungen sollen diesen Eindruck mitnehmen, wenn sie unser Zentrum wieder verlassen», so König. Mithilfe einer eindrücklichen organisatorischen Leistung und professionell geschulten Angestellten (Ärzten, Psychologen, Sportexperten, WK-Soldaten) bleibt auf jeden Fall ein positiver Eindruck zurück.

Tauglichkeit bei 70 Prozent

Was die Stellungspflichtigen betrifft, die sich vor dem Militärdienst drücken wollen, sieht König keine negative Entwicklung: «Die Tauglichkeit hat sich nicht gross geändert. In Windisch sind rund 70 Prozent tauglich.» Und diejenigen, die schummeln wollen, werden mit den verschiedenen Methoden der Befragung schnell überführt. «Die 3 bis 5 Prozent, die vom Dienst weg wollen, gab es früher schon und gibt es heute noch.» König ist aber erstaunt, dass der Grossteil der jungen Männer dem Militär gegenüber positiv eingestellt ist.