Windisch/Brugg
Im Männertreff sprechen männliche Migranten über ihr Leben in der Schweiz

Es gibt Möglichkeiten für immigrierte Frauen, sich zu treffen und auszutauschen. Doch Männer? Die haben mit dem Treffpunkt Integration in Brugg seit dem 18.August eine Adresse. Der Verein veranstaltet neu nämlich auch einen Männertreff.

Erina Allmendinger
Merken
Drucken
Teilen
Gabriel Santhiyapillai und Urs Vogel, Leiter des Männertreffs.

Gabriel Santhiyapillai und Urs Vogel, Leiter des Männertreffs.

Erina Allmendinger

«Vor zwei Jahren beschwerte sich bei mir ein Mann, dass der Treffpunkt Integration vor allem Frauen unterstütze und es kein zufriedenstellendes Angebot für Männer gäbe», erzählt Iris Bäriswyl, Leiterin des römisch katholischen Sozialdienstes von Brugg. Der Treffpunkt Integration unterstützt mit Kursen wie der «Gesprächsgruppe für Frauen» oder dem «Eltern-Kind-Treff» Menschen aus verschiedenen Kulturen. Die Worte des Mannes gingen nicht spurlos an Bäriswyl vorbei.

Mit dem Vorschlag, auch einen Männertreff zu organisieren, wandte sie sich an Kathrin Potratz, Leiterin des Treffpunkt Integration. «Wir sahen ein, dass der Mann recht hatte – es gibt tatsächlich viel mehr Möglichkeiten für Frauen», sagt Potratz. «Unser Konzept passt auf eine A4-Seite. Der Männertreff soll sich sozusagen selbst entwickeln».

Sie kontaktierte zwei Kollegen, Urs Vogel und Gabriel Santhiyapillai, die sich sofort bereit erklärten, die Runde zu leiten.

Sie wissen, von was sie sprechen

«Meine Familie hat ungarische Flüchtlinge aufgenommen, als ich noch ein Kind war. So habe ich schon früh mit fremden Kulturen zu tun gehabt und dies hat sich weiterhin wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben gezogen», erzählt Urs Vogel, Gesprächsleiter des Männertreffs. Auch Gabriel Santhiyapillai weiss, von was er spricht, wenn er seine Erfahrungen in die Männerrunde einbringt: Als er in die Schweiz kam, war er selber Flüchtling. «Ich bin nur mit einer ganz kleinen Tasche hier angekommen», sagt er.

Die zwei Männer bringen beide viel Lebens- und Berufserfahrung mit. Als Betreuende, respektive Pflegende, haben sie jeden Tag mit fremden Sprachen und Kulturen zu tun und beschäftigen sich mit Menschen. «Das Ziel des Treffs ist, Männerthemen zu besprechen und zugleich Deutsch zu lernen», sagt Bäriswyl.

Die Männer können sich darüber informieren, wo sie Hilfe und Informationen erhalten, zum Beispiel wenn sie Probleme in der Arbeitswelt haben. Ausserdem werden Themen wie «Welche sind die Probleme in meinem Heimatland» oder «Wie verhalte ich mich in der Schweiz» besprochen. «Manche Migranten wissen zum Beispiel gar nicht, dass man Kinder in der Schweiz nicht schlagen darf», sagt Santhiyapillai. Die Themen werden von den Migranten selbst festgelegt.

Erkennen, wo der Schuh drückt

«Es ist wichtig, sich zu integrieren, sonst hat man überall Probleme: Bei der Arbeit, mit dem Gesetz und den Mitmenschen», sagt Vogel. Kärtchen mit verschiedenen Symbolen, die für Themen wie Beziehung, Kinder oder Gesetze stehen, leiten die Männer durch das Gespräch und vereinfachen das Ansprechen bestimmter Themen. «Wir merken sofort, wenn jemanden der Schuh drückt», sagt Vogel.

Die verschiedenen Sprachen sind kein Problem. «Zusammen sprechen wir Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, etwas Spanisch und Tamil. Das reicht eigentlich immer, um sich zu verständigen», sagt Vogel. Die Herkunftsländer der bisherigen Teilnehmer lesen sich wie ein Atlas – Sie kamen aus Sri Lanka, Eritrea, Irak, Japan und Äthiopien.