Im umfunktionierten Aufenthaltsraum hat sich die Basler Künstlerin Sonja Feldmeier eingerichtet. Seit nunmehr fünf Wochen gestaltet sie im Rahmen des Projekts «Artists in Residence» mit den Schülern Landschaften aus Ton. Sie begrüsst die Viertbezlerinnen und Viertbezler, die sich sogleich um die grosse Tonlandschaft in der Mitte des Raums scharen. Sonja Feldmeier informiert, wer woran weiterarbeiten kann; dann legen die Schüler los.

Schinznach-Dorf: Im Kunstunterricht bauen Bezirksschüler eine syrische Landschaft nach

Die Schüler am Werk.

Sie formen Hügel neu aus, schneiden Tonstücke ab, um diese zu einer Wand zu formen oder graben Ton bis auf die Styroporunterlage weg. Sie gestalten so ihre Landschaft. Wobei: Diese ist nicht frei erfunden. Als Vorgabe dient das Tarnmuster der syrischen Sicherheitsarmee. «Jedes Land hat sein eigenes Muster, um Kämpfende zu tarnen. Die Anzüge dienen auch der Zugehörigkeit», erklärt die Künstlerin. Die Schüler halten sich an die Musterlinien auf dem Tarnanzug und können daraus ihre Landschaft erstellen. Sonja Feldmeiers Arbeit «Meter hinter dem Meeresspiegel» erfährt durch die Kinder eine neue Perspektive. «Es ist eine eingespielte Arbeit. Wir gehen der Frage nach: Was passiert, wenn andere an diesen Vorgaben arbeiten?», sagt Sonja Feldmeier.

800 Kilogramm Ton dabei

800 Kilogramm Ton, die gemeinsam verarbeitet werden, hat die Künstlerin mitgebracht. Ist die Landschaft fertig, wird sie in einer schwarzen Flüssigkeit versenkt. Hier wird Sepia, die Tarnung des Tintenfischs, verwendet. Die Kamera, die an der Zimmerdecke befestigt ist, fotografiert die Landschaft, Zentimeter um Zentimeter. Eine neue Landschaft, neue Höhenlinien entstehen.

«Artists in Residence» findet zum vierten Mal statt und ist ein Projekt der Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons Aargau. Laut Projektkoordinatorin Jeannine Hangartner findet diese Art der Kulturvermittlung erstmals an einer Bezirksschule statt. Sechs Klassen können sich während jeweils zwei Lektionen pro Woche mit dem Thema «Syrien» gestalterisch befassen.

Fotograf zu Besuch

«Es ist cool, eine gute Abwechslung zum Schulalltag», so einige Schüler. «Ich habe noch nie mit Ton gearbeitet, das ist eine gute Erfahrung», sagt eine Schülerin. Ein Schüler findet es toll, selber etwas zu erbauen und sieht im Kunstobjekt ein Bild der Abgrenzung einzelner Länder. «Das Ganze hat viel mit Krieg zu tun», sagt er. Einen aktuellen Bezug erhalten die Schüler durch Fotograf «Sir Robin»: Der ehemalige Schinznacher Schüler hat diesen Sommer in einem syrischen Flüchtlingslager fotografiert und wird den Kindern die Bilder zeigen.

Vorgängig hatten die Schüler die Künstlerin Sonja Feldmeier in ihrem Atelier in Basel besucht. Das Thema «Syrien» legte sie mit den Lehrpersonen fest. Diese lassen die Thematik in ihren Unterricht einfliessen. So wurden während der Hauswirtschaftslektionen syrische Gerichte gekocht. Die Kinder mussten zudem ihre eigenen Fragen recherchieren. Fragen wie: «Was sind die Ursachen des Bürgerkrieges in Syrien, was betrifft mich?», kamen auf. Aber auch die ganze Flüchtlingsthematik wurde mit den Schülern besprochen.

Präsentation am Donnerstag, 17. Dezember, 19 Uhr.