Mülligen/Lupfig
Im Kieswerk gehen die Vorräte zu Ende – Holcim Kies und Beton AG will Abbaugebiet erweitern

Die Vorräte im Gebiet «Eichrüteli» reichen in den bewilligten Abbau-Etappen nur noch ungefähr bis Ende 2018. Die Holcim Kies und Beton AG möchte das Abbaugebiet erweitern und die -menge erhöhen.

Michael Hunziker
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So präsentiert sich die Situation mit dem bereits bewilligten Abbaugebiet «Eichrüteli» (gelb) sowie dem kurz- und mittelfristigen Abbaugebiet «Lindenacher Ost» (rot) und dem langfristigen Abbaugebiet «Lindenacher West» (blau). zvg

So präsentiert sich die Situation mit dem bereits bewilligten Abbaugebiet «Eichrüteli» (gelb) sowie dem kurz- und mittelfristigen Abbaugebiet «Lindenacher Ost» (rot) und dem langfristigen Abbaugebiet «Lindenacher West» (blau). zvg

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Durchschnittlich 300 000 Kubikmeter Kies pro Jahr werden derzeit abgebaut im Werk Mülligen der Holcim Kies und Beton AG. Dem Standort komme eine zentrale Bedeutung zu, die Nachfrage sei hoch, die Qualität ausgezeichnet, hält das Unternehmen fest.

Allerdings: Die Vorräte im Gebiet «Eichrüteli» neigen sich zu Ende, reichen in den bewilligten Abbau-Etappen nördlich der A3 nur noch ungefähr bis Ende 2018. Die Holcim Kies und Beton AG plant deshalb, das Abbaugebiet zu erweitern im Gebiet «Lindenacher Ost». Um die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, müssen die Nutzungsplanungen in den Gemeinden Mülligen und Lupfig angepasst werden. Bis 17. Oktober liegen die umfangreichen Unterlagen öffentlich auf. Gleichzeitig wird das Mitwirkungsverfahren durchgeführt.

Konkret geht es um die Umzonung von 27,3 Hektaren Landwirtschaftsland in eine Materialabbauzone. Es besteht die Absicht, ab 2018 den Transporttunnel freizulegen, der das Abbaugebiet «Lindenacher Ost» mit dem Werk Mülligen verbindet. Im gleichen Jahr, ist vorgesehen, wird die Transportbandanlage erstellt, heisst es im Planungsbericht, der vom Büro SKK Landschaftsarchitekten aus Wettingen verfasst wurde. Ab 2019 soll das Kiesmaterial aus dem Gebiet «Lindenacher Ost» verarbeitet werden können.

Es braucht neue Erschliessung

Beantragt wird neu eine Abbaumenge von 365 000 Kubikmetern, was rund 840 000 Tonnen entspricht. Begründet wird die Erhöhung um 22 Prozent durch den anhaltend hohen Absatz, der gemäss Prognosen anhalten wird. Der Abbau soll in drei Etappen im Uhrzeigersinn erfolgen. Gesamthaft abgebaut werden können übrigens 5,4 Mio. Kubikmeter Kies. Der Vorrat reicht also für rund 15 Jahre. «Da jährlich etwa gleich viel Volumen an Auffüllmaterial zur Verfügung steht, gehen die Auffüllung und der Kiesabbau im Gleichschritt voran», wird im Planungsbericht ausgeführt. «An diesem Vorgang soll auch zukünftig festgehalten werden.» Nach dem Abbau und der Rekultivierung wird das Gebiet wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.

Verkehrsführung wird unterstützt

Der Regionalplanungsverband Brugg Regio hat im Juni 2016 Stellung genommen zur
Erweiterung des Kiesabbaugebiets «Eichrüteli» um das Teilgebiet
«Lindenacher Ost». Hingewiesen wird auf die nahe liegende kantonale Radroute. Dieser sei besondere Bedeutung zuzumessen – genau wie auch der geplanten Verkehrsführung mit dem neuen Anschluss an die Birrfeldstrasse sowie der neuen
Erschliessungsstrasse südlich der Autobahn. Grundsätzlich aber wird die Lösung unterstützt.
Die Holcim ihrerseits hält fest, dass die geplante Verkehrsführung zwar eine beträchtliche Investition darstelle, diese aber im Interesse der Anwohner getätigt werde. (mhu)

Für die Erschliessung wurden mehrere Varianten geprüft. Als politisch und wirtschaftlich tragbar stellte sich eine neue Erschliessungsachse heraus. Ziel ist es, dass die Chauffeure beim Anfahren des Werkareals die Route aus Westen via Birrfeld wählen. Mit den geplanten Massnahmen – wie einem Linksabbiegeverbot – kann der Verkehr laut Planungsbericht auf der Birrfeldstrasse und durch das Dorf Mülligen «in wirkungsvollem Mass und im Rahmen des betrieblich und technisch Möglichen» reduziert werden.

Anders gesagt: Chauffeure, die das Werkareal künftig fälschlicherweise via Autobahnausfahrt «Baden West» und Birmenstorf erreichen wollen, müssen wegen des Linksabbiegeverbots bis zum Kreisel in Lupfig fahren und dort wenden – damit also einen Umweg in Kauf nehmen. Pro Werktag gerechnet wird gemäss Unterlagen mit rund 465 Lastwagenfahrten.

Angeschlossen an das übergeordnete Strassennetz wird die neue Erschliessungsachse über einen sogenannten Verursacher-Knoten an der Birrfeldstrasse. Besonders zu berücksichtigen ist gemäss Planungsbericht bei der Erschliessungslösung die Verkehrssicherheit im Bereich der autobahnüberquerenden Brücke. Auf dieser wird der Verkehr einspurig geführt und mit einer Lichtsignalanlage geregelt.

Auch Polo kann gespielt werden

Die Erschliessung des Werkareals hat in der Vergangenheit zu intensiven Diskussionen geführt (die AZ berichtete). Gefordert wurde im Rahmen der Erweiterung «Lindenacher Ost» eine neue Lösung. Ansonsten hätte das Projekt «keine Aussicht auf Bewilligung durch den Souverän», heisst es im Planungsbericht. Auf dem Strassenabschnitt im Bereich der Trotte, wo 80 km/h signalisiert sind, möchte die Gemeinde Mülligen die geltende Höchstgeschwindigkeit reduzieren, um das Gefahrenpotenzial durch die vielen Abbiegemanöver zu entschärfen.

Zusätzlich zum Materialabbau werden mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung auch die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen für den Polo-Betrieb im Birrfeld. Die Legacy Polo AG betreibt heute drei Spielfelder beim Flugplatz.