In jedem Haushalt steht einer, in jedem Büro sowieso: ein Locher. Beim Kauf ist der Preis vielleicht entscheidend, eventuell die Farbe.

Aber wer hat sich schon einmal Gedanken über die Qualität der Löcher gemacht oder darüber, ob Ersatzteile erhältlich sind?

Jenny Schönenberger, Zweitbezlerin aus Scherz, sowie die Fünftklässler Maz Wegmüller aus Habsburg, Lars Rohr aus Scherz und Jonathan Schibli aus Windisch, beschäftigten sich über mehrere Wochen intensiv mit dem Thema Bürolocher.

Die vier Schüler der Hochbegabungsförderungsklasse «Talenteria» der Schule Windisch und Umgebung nahmen am Wettbewerb «Schweizer Jugend testet» der Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens teil. Und sie haben es – als jüngstes Team notabene – ganz weit gebracht.

Grosszügige Hersteller

Aus gutem Grund. Selber sprechen sie zwar bescheiden von einem preiswerten Test, den sie mit ihrem «begrenzten Wissen» durchführen konnten.

Beim Blick in das 21 Seiten starke Dossier zeigt sich aber, dass die Schüler das Projekt mit Ehrgeiz, Ernsthaftigkeit und durch und durch mit wissenschaftlichem Spürsinn an die Hand genommen haben, von der ersten Kontaktaufnahme mit den Herstellerfirmen bis zum Dankesbrief an die Sponsoren.

Dabei mussten sie ein enges Zeitbudget von zwei Wochenlektionen einhalten. Apropos Budget: Gekostet hat das Ganze nur gerade 70 Franken.

Warum das Thema Bürolocher? Bei ihren Abklärungen hätten sie festgestellt, dass für viele Alltagsgegenstände schon Versuche und Vergleiche vorhanden seien, erklärt Jonathan.

«Wir haben ein einfaches Produkt gesucht, das gebraucht wird, das leicht zu beschaffen und gut zu prüfen ist.»

Etwas, das noch niemand gemacht habe. «Es war auch Zufall, dass wir auf dieses Thema gestossen sind», sagt Jenny. «Nach heissen Diskussionen haben wir abgestimmt und alle in der Gruppe erklärten sich einverstanden.»

In der Folge wurden Hersteller und Papeterien angeschrieben. Das Echo sei äusserst erfreulich gewesen, sind sich die Schüler einig. Zehn Locher hätten sie erhalten – verschiedene Marken und Modelle, ohne einen Franken in die Hände nehmen zu müssen. «Überraschenderweise zeigten sich alle durchwegs grosszügig», sagt Lars.

Die Schüler führten im Anschluss eine Umfrage bei 60 Personen im Alter von 8 bis 70 Jahren durch. «Wir wollten herausfinden, welches die Bedürfnisse der Benutzer sind», sagt Lars. Mit den Ergebnissen dieser Umfrage wurden die Testkriterien und deren Gewichtung festgelegt, ob Kraftaufwand, Rutschfestigkeit oder Behältervolumen.

Aus einem Meter auf den Boden

Dann wurden die zehn Bürolocher auf Herz und Nieren geprüft. Um genaue Ergebnisse zu erhalten, setzten die Schüler auch elektronische Messgeräte ein. Lars erwähnt ausserdem – mit einem spitzbübischen Schmunzeln – den Robustheitstest, bei dem die Locher 25 Mal von einem Meter Höhe auf den Betonboden fallen gelassen wurden.

Die Schüler räumen ein, dass das Projekt aufwendiger war, als am Anfang gedacht. «Gegen Ende hatten wir enormen Zeitdruck.» Sie hätten sich deshalb am einen oder anderen freien Mittwochnachmittag getroffen. Trotz Hektik: «Es hat uns sehr viel Spass gemacht.»

Die Resultate wurden zusammengetragen, ausgewertet, kommentiert und schliesslich sauber am Computer erfasst. In diesem Bereich waren die Schüler froh um die Unterstützung ihrer Lehrerin Nicole Wehrli-Kern.

Diese betont, dass sie in erster Linie Beobachterin und Begleiterin gewesen sei. «Die Schüler haben die Herausforderung alleine gemeistert. Sie haben gut harmoniert, viel Zeit investiert und Initiative, Geduld und Durchhaltevermögen gezeigt.»

Sie sprudeln vor Ideen

Von der Arbeit der «Talenteria»-Schüler war die «Kassensturz»-Redaktion offenbar angetan. Ein vier Personen starkes Kamerateam besuchte die Kinder einen ganzen Morgen lang im Klassenzimmer in Windisch und drehte einen kurzen Spot.

Die Filmaufnahmen seien ein ganz grosser Höhepunkt gewesen, sagen die Schüler. «Es lief professionell ab. Gewisse Szenen wurden 10 bis 15 wiederholt.»

Ausgestrahlt werden die Beiträge am 11. oder 18. Juni. Dann sind die Fernsehzuschauer gefragt. Sie können ihre Stimme abgeben und entscheiden, wer einen Preis erhält.

Die Schüler aus Windisch sind grundsätzlich froh um die Erfahrungen, die sie gemacht haben und glücklich darüber, dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Sie sind sich bewusst, dass die Chancen klein sind, einen Geldbetrag zu gewinnen. Trotzdem: «Es wäre schon schön, wenn wir nicht auf dieses Dessert verzichten müssten», gibt Jenny unumwunden zu.

Und wenn es klappte, was würde sie mit dem Geld machen? «Keine Ahnung», sagt sie im ersten Moment und zuckt mit den Schultern.

Um gleich darauf eine Idee nach der anderen zu nennen. Auf weitere Pläne der aufgestellten Vierergruppe darf man also gespannt sein.