Brugg

Im ersten Skilager 1945: Den Mitschüler vergruben sie im Schnee

Das waren die Anfänge – im ersten Skilager 1945 war die Rettungsübung ein Höhepunkt.

Die Schülerinnen und Schüler zählen die letzten Tage bis zu den Sportferien. Wiederum werden einige gemeinsam mit Gleichaltrigen eine Lagerwoche im Schnee verbringen. Anlass genug, einmal auf die Anfänge der Brugger Skilager zurückzublicken.

Bereits 1928 regte der Stadtrat an, den Skisport in der Schule zu fördern. Dazu wurden einige Paar Schulski erworben und fortan bei Gelegenheit im Kadettenunterricht eingesetzt. 1943 entschied die Kadettenkommission, die Skiausbildung zu fördern und dazu Leiter des Skiclubs des SAC zuzuziehen. Da der Kadettenunterricht als Sport- und Freizeitgefäss nur die Knaben an der Oberstufe erfasste, erweiterte das Rektorat die Ausbildung auf die Schülerinnen.

Bald zeigte sich, dass eine wirkungsvolle Ausbildung nur im Rahmen einer Lagerwoche in den Bergen möglich wäre. Eine Überlegung war, die Ferienkolonie vom Sommer in den Winter zu verlegen, wodurch die tuberkulosegefährdeten Schüler einen zusätzlichen Gewinn daraus zögen. Statt einer Verschiebung entschied die Schulpflege, 1945 eine spezielle Sportferienwoche einzuplanen und dafür die Neujahrsferien zu kürzen. Für die Knaben sollte im Rahmen des Kadettenunterrichts ein Skilager angeboten werden und für die Mädchen ein gleiches durch die Schule. Die Stadt beteiligte sich an den Kosten.

Bei Mädchen schien die Sonne

Das Lager der Mädchen fand bei strahlendem Sonnenschein in Neu St. Johann im Toggenburg statt. Der tägliche Aufenthalt im Freien brachte den Mädchen Farbe ins Gesicht, wie die Lagerleitung erfreut an die Redaktion des Brugger Tagblattes meldete. Zweimal brachte die Zeitung eine kurze Meldung aus dem Lager, was vor allem für die Angehörigen zu Hause eine wichtige Informationsquelle war.

Vom 11. bis zum 17. Februar 1945 verbrachten 68 Kadetten mit einem sechsköpfigen Leiterteam eine Woche auf dem Oberberg bei Schwyz. Bei idealen Schneeverhältnissen erfreuten sie sich eines abwechslungsreichen Programms: Skikurse, Hindernisläufe, Abfahrtsrennen und eine Bergungsübung gehörten dazu. Letztere scheint ein Höhepunkt gewesen zu sein. Sofern man dem Lagerbericht glauben darf, wurde ein Kadett im Schnee vergraben. Eine Klasse erhielt den Auftrag, mit Sondierstangen die «Lawinenunglücksstelle» abzusuchen – ohne zu wissen, dass ein Mitschüler unter dem Schnee lag. Nach einer halben Stunde stiessen sie auf den Verschütteten, befreiten ihn und transportierten ihn auf einem Rettungsschlitten in die Skihütte.

Sechs Kadetten rutschten ab

Am letzten Tag ereignete sich bei einer ganztägigen Tour ein Unfall. An einer vereisten Stelle rutschten innerhalb weniger Sekunden sechs Kadetten ab und prallten unten gegen eine aufgetürmte Schneewechte. Ein Schüler konnte wegen einer Gehirnerschütterung erst einige Tage später nach Brugg zurückkehren. Die anderen fünf erlitten Fussverstauchungen und leichte Prellungen und traten mit ihren Kameraden zusammen die Heimreise an.

Während des Lagers wurde ein Film gedreht, den anschliessend Eltern und Behörden zu sehen bekamen und der heute im Stadtarchiv aufbewahrt wird. Aufgrund der guten Erfahrungen gab es auch in den folgenden Jahren Skilager, die sich grosser Beliebtheit erfreuten. Bald einmal musste man aufgrund der grossen Teilnehmerzahlen mehrere Lager durchführen. In den besten Zeiten war die Hälfte der Brugger Oberstufenschüler im Skilager, heute in der Regel noch eine Abteilung.

* Titus J. Meier ist Historiker und lebt in Brugg.

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