Riniken
Im Dorf formiert sich Widerstand gegen die Sondierbohrungen der Nagra

Die IG Attraktives Riniken will genauer über die Sondierbohrungen informieren und Einsprecher unterstützen.

Janine Müller
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Die Mitglieder des Kernteams der IG Attraktives Riniken (von links): Andreas Brack, Tamara Gygax, Malu Strauss, Astrid Baldinger, Ralf Seidel und Konrad Vögele. zvg

Die Mitglieder des Kernteams der IG Attraktives Riniken (von links): Andreas Brack, Tamara Gygax, Malu Strauss, Astrid Baldinger, Ralf Seidel und Konrad Vögele. zvg

Susanne Seiler;zvg;

In Riniken formiert sich Widerstand gegen die geplanten Sondierbohrungen der Nagra. Die Interessengemeinschaft Attraktives Riniken hat sich gegründet. «Wer sich nicht wehrt und nur die Faust im Sack macht, der hat von Anfang an verloren», sagt Astrid Baldinger vom Kernteam der IG. «Wir wollen uns für ein attraktives Riniken einsetzen.»

Rückblick: Der Bözberg ist aus Sicht der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ein geeigneter Ort, um ein Endlager für hoch- und mittelradioaktive Abfälle zu bauen. Aus diesem Grund muss die Nagra acht Sondierbohrungen durchführen. In fünf Gemeinden – darunter Riniken – lagen die Gesuche auf. Das war zwischen Ende Februar und Ende März dieses Jahres.

96 Personen aus Riniken haben in dieser Zeit Einsprache gegen die Bohrungen eingereicht. «Das ist für eine Gemeinde wie Riniken eine doch grosse Zahl», sagt Astrid Baldinger. «Zumal man sich der Komplexität des Themas bewusst sein muss.» In dieser «hochkomplizierten Angelegenheit» sei es für niemanden selbstverständlich, eine Einsprache zu formulieren. Die eingegangenen Einsprachen würden zudem zeigen, wie gross die Ablehnung gegenüber dem Nagra-Bohrturm-Projekt in Riniken sei.

Die Einsprecher zusammenbringen

Anfang Mai trafen sich die Personen, die heute im Kernteam der IG Attraktives Riniken sind. Ihnen war es ein Anliegen, die Einsprecher zusammenzubringen. Nach einer ersten Besprechung beschlossen sie, sich in Form dieser IG einzusetzen. «Im Vorfeld machte die Gemeinde klar, dass sie mit den Einsprechenden zurzeit nicht zusammenarbeiten möchte», hält die IG Attraktives Riniken fest.

Anfang August trat die IG erstmals an die Öffentlichkeit. Sie kündigte eine Informationsveranstaltung im Schützenhaus Krähtal am kommenden Samstag an. Nach eigenen Angaben der IG sei das Interesse gross und man habe verschiedene positive Rückmeldungen erhalten. Zum Beispiel: «Es ist gut, dass ihr etwas unternehmt.»

In der Mitteilung schreibt die IG Attraktives Riniken: «Trotz Infoveranstaltung der Nagra im November 2016 zeigte sich, dass die wenigsten Riniker ausreichend über das Projekt der Nagra informiert waren.» Die IG habe nun die 99-seitige Eingabe der Nagra genau studiert und zu unterschiedlichsten Themen tiefer recherchiert. «Die wichtigsten Fakten, die aus Sicht der Bevölkerung einen grossen Nachteil für die Lebensqualität bedeuten, haben wir herausgeschält», ist die IG überzeugt. «Als Hauptproblem erweist sich, dass die Nagra bei wesentlichen Punkten vage bleibt.»

Es mache den Eindruck, als halte sie sich alle Optionen offen. «So ist von einem Bohrturm von 15 bis 30 Meter Höhe die Rede», führt die IG aus. Zudem seien in Bezug auf Lärm das Bohrgerät und die Antriebssysteme noch nicht festgelegt. «Es muss davon ausgegangen werden, dass die Nagra-Bohrung zwischen den beiden Dorfteilen während 24 Stunden und an 7 Tagen in der Woche eine enorme Lärmbeschallung und Belastung für Riniken bedeuten», befürchtet das Kernteam der IG.

Wertvolles Naherholungsgebiet

Als problematisch erachtet die IG zudem den Bohr-Standort. Das Gelände der Bohrstelle liegt direkt neben dem kantonalen Naturschutzgebiet Chrendel. «Dieses Gebiet wird von der Gemeinde und dem Kanton aufwendig gepflegt, ist Lebensraum für schützenswerte Pflanzen und Tiere sowie ein wertvolles Naherholungsgebiet», hält die IG fest.

An der Infoveranstaltung will die Gruppierung die Materie möglichst verständlich darstellen – aus Sicht der betroffenen Einwohner. Den Einsprechern will die IG unter die Arme greifen. «Wir bieten an, das Verfahren gegen die Nagra in ihrem Interesse weiterzuverfolgen, rechtzeitig zu informieren und – wenn gewünscht – im Falle einer Gerichtsverhandlung die Kräfte zu bündeln.»

Mit ihrem Kampf gegen die Sondierbohrungen steht die IG Attraktives Riniken nicht alleine da. Die IG Bözberg ohne Bohrturm ist regional aktiv und setzt sich gegen die Bohrungen in allen fünf potenziellen Standortgemeinden (Zeihen, Effingen, Bözberg, Remigen und Riniken) ein. "Bei uns engagieren sich denn auch Betroffene aus allen fünf Gemeinden - nicht nur aus Bözberg", sagt Sacha Schenker, Koordinator IG Bözbzerg ohne Bohrturm. "Wir verstehen die kürzlich gegründete IG Attraktives Riniken als Ergänzung und stehen mit ihr in Kontakt."

Infoveranstaltung IG Attraktives Riniken, Samstag, 26. August, 10 Uhr, Schützenhaus Krähtal, Riniken.

Bohrungen auch in Nördlich Lägern

Nicht nur am Bözberg, sondern auch im Gebiet Nördlich Lägern sind Sondierbohrungen für ein mögliches Atomendlager vorgesehen. Morgen Donnerstag reicht die Nagra die Gesuche beim Bundesamt für Energie ein und gibt die genauen Standorte bekannt. Die Gesuche werden danach öffentlich aufgelegt, schliesslich entscheidet das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation darüber. Die Sondierbohrungen im Gebiet Nördlich Lägern werden ab 2019 durchgeführt. Innerhalb des möglichen Standortgebiets für ein Atomendlager liegen neben mehreren Zürcher Dörfern auch die Aargauer Gemeinden Fisibach, Siglistorf und Schneisingen. (fh)