Brugg
Im Brutkasten wird ein Stau ausgebrütet

Die Firma Metron fördert Kunst: Ihre Mitarbeitenden suchen nach einem Wort. Haben sie es gefunden, überlassen sie es Künstlern zur Bearbeitung. Sonja Kretz setzt sich mit «Stau» auseinander.

Elisabeth Feller
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Im Brutkasten auf Gleis 1 schichtet die Künstlerin Sonja Kretz den Stoff so, dass er gestaut wirkt. Geschichtet, vielmehr gestaut, wirken auch die Geschosse des Campus. Ist vielleicht auch dieser ein Kunstwerk?

Im Brutkasten auf Gleis 1 schichtet die Künstlerin Sonja Kretz den Stoff so, dass er gestaut wirkt. Geschichtet, vielmehr gestaut, wirken auch die Geschosse des Campus. Ist vielleicht auch dieser ein Kunstwerk?

Elisabeth Feller

Wer mit dem Zug Brugg anpeilt, kommt beim Bahnhof am geschwungenen Gebäude der Firma Metron nicht vorbei. Es ist ein Brugger Markenzeichen. Und ein solches ist auch die spezielle Art von Kunstförderung, die von diesem Unternehmen betrieben wird. Die Metron-Mitarbeitenden treffen sich halbjährlich, um nach einem Wort zu suchen, das auf irgendeine Weise mit der Firma hat.

Ist eines gefunden, wird es Kunstschaffenden zur künstlerischen Bearbeitung überlassen. Die Ergebnisse werden stets im so genannten Brutkasten, einer Glasvitrine auf Perron 1 des Brugger Bahnhofs, ausgestellt. Sonja Kretz wurde jüngst das Wort «Stau» zugespielt, weshalb ihre Installation im Brutkasten auch genau so betitelt ist.

Was staut sich denn in der Vitrine?

Wer vor dem Brutkasten steht, merkt: Es sind Stoffe, die gefaltet, überlappt und übereinander geschichtet sind. Von weitem hat die Betrachterin die Masse der geschichteten Stoffe noch als ausschliesslich Grau wahrgenommen. Falsch. Steht man vor der Vitrine, nimmt man lachsfarbene, beige, schwarze und weisse Streifen wahr. «Stau ist Bewegung, die zur Ruhe kommt», sagt die Künstlerin zu ihrem Werk.

Man möchte ihr zustimmen, doch gleich hinzufügen: Vielleicht sind im Brutkasten Papiere zur Ruhe gekommen, nachdem sie sich einen Ausflug aus einem verstaubten Archiv gegönnt haben. Der Blick löst sich von Kretz’ «Stau» und schweift zum gegenüberliegenden Campus. Ach. Seine Etagen wirken ja ebenfalls übereinander geschichtet. Sogar gestaut. Will Sonja Kretz mit ihrer Installation «Stau» in einen Dialog mit dem noch nicht vollendeten, mächtigen Bau treten? Wer will es wissen. Hauptsache, die Fantasie der Betrachterin rotiert.

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