In Reih und Glied stehen sie da, die Oldtimer und Rennwagen im Brugger Schachen. Stilgerecht mit der hochgeklappten Haube seines Heckmotors präsentiert sich der Fiat Abarth neben einem Triumph Dolomite – der mit seinem Vierventiler-Motor seinerzeit als Exot galt – oder einem Buckel-Volvo, bei dem sich moderne Technik auf glückliche Weise mit einer altertümlichen Karosse verbindet. Ein Renault R 12, hier nicht als brave Familienkutsche, sondern in der getunten Gordini-Version, steht neben einem VW-Käfer, dessen biederes Aussehen darüber hinwegtäuschen dürfte, dass hier sozusagen ein Wolf im Schafspelz unterwegs ist.

Unter dem Vordach einer Militärhalle stehen hochkarätige historische Sportwagen berühmter Marken. Ein Blickfang ist der Gaggenau-Rolls, ein Rennwagen im Stil der dreissiger Jahre mit einem 12-Zylinder-Rolls-Royce-Flugzeugmotor auf einem historischen Chassis aus dem Daimler-Benz-Werk Gaggenau. Daneben warten Formel-Rennwagen auf ihren Auftritt.

Ein Vorgeschmack auf den Convoy

Aufstellung genommen haben auch einige US-Militärfahrzeuge. Vom skurrilen Airborne-Scooter über den legendären GMC Dreiachser und den Dodge Command Carrier – wie sie in der Schweizer Armee die Zeit überlebt hatten – bis zum Halbketten-Fahrzeug. Sie bilden sozusagen die Vorhut für den «Convoy to Remember», der im August in Birmenstorf stattfinden wird.

In einer offenen Halle haben die Motorräder Schutz vor dem Regen gefunden. Zwischen den Maschinen berühmter, längst verschwundener britischer Marken, wie Norton, BSA oder Rudge, stehen Töffs aus Schweizer Produktion ¨senfgelbe Motosaccoche, Universal und Condor. Und zwischen den Solomaschinen und den Seitenwagen-Gespannen hat ein Morgan-Threewheeler Platz gefunden.

GP im Brugger Schachen

GP im Brugger Schachen

Der vierte Oldtimer-GP im Brugger Schachen hat am Samstag für einen Publikumsaufmarsch gesorgt. Die 180 Teilnehmer haben den Schaulustigen mit ihren liebevoll gepflegten Raritäten einen spannenden Querschnitt durch beinahe 100 Jahre Automobil- und Motorrad-Geschichte geboten. 

Schnell und laut auf der Strecke

Der Oldtimer-GP im Brugger Schachen jedenfalls bietet einen spannenden Querschnitt durch beinahe 100 Jahre Automobil- und Motorrad-Geschichte. «Wir mussten rund 30 Absagen erteilen», erklärt Andy Küng, der OK-Präsident des Oldtimer-GP Brugg. «Die Sicherheit geht vor.»

Punkt neun Uhr macht sich das erste der acht Felder – die nach Leistung der Fahrzeuge zusammengestellt sind – auf den knapp einen Kilometer langen Rundkurs. Zwar hat die Strecke eine gewisse Ähnlichkeit mit dem berühmten Oval von Indianapolis. Allerdings geht es im Brugger Schachen nicht um ein Rennen. Überholen ist nicht vorgesehen. Jedem Feld fährt ein Führungsfahrzeug voraus.

Natürlich aber zeigen die Fahrer, was in den Fahrzeugen steckt, wenn sie an der vollbesetzten Tribüne vorbeidonnern, bis der Mann mit der Schachbrettflagge – Grand-Prix-mässig – die letzte Runde anzeigt. Das gilt vor allem für die Rennwagen und die Motorräder sowie die Seitenwagengespanne. Aber wie sagt doch der Fahrer einer Norton vor der Runde: «Das Limit setzt derjenige, der auf der Maschine sitzt.» Der Motorenlärm ist entsprechend. Für die einen mag es «Sound» sein. Für andere ist es einfach ohrenbetäubender Krach. Aber mit dem Eintrittsbändeli sind ja schliesslich Ohrpfropfen verteilt worden.

Früheres Alltagsauto als Rarität

Direkt geruhsam geht es beim Corso der Autos der FABAM – der Freunde alten Blechs aller Marken – zu. Angeführt vom Citroën 5 HP aus dem Jahre 1922 des OK-Präsidenten, paradieren so unterschiedliche Autos wie ein gewaltiger Ford Lincoln, ein zierliches BMW 700 Coupé oder ein VW-Samba-Bus – inzwischen ein Kultauto – oder ein Vauxhall Victor – einst Alltagsauto, heute Rarität.

Kurz vor der Mittagspause – während der US-Army Half-Truck vorbeirasselt – zeigt sich OK-Präsident Andy Küng zufrieden mit dem Verlauf und meint: «Ständig heisst es, in Brugg laufe ja nie etwas – jetzt läuft etwas.»