Villnachern

Im «Bären» geht eine Ära zu Ende – Familie aus Kroatien übernimmt die Dorfbeiz

Margrit Minet-Schaffner und ihr Bruder Hans Rudolf Schaffner nehmen in diesen Tagen Abschied vom «Bären»

Margrit Minet-Schaffner und ihr Bruder Hans Rudolf Schaffner nehmen in diesen Tagen Abschied vom «Bären»

Wirtin Margrit Minet-Schaffner und ihr Bruder haben in Villnachern die traditionsreiche Gaststätte verkauft.

Plötzlich geht alles ganz schnell. Erst am Freitagmorgen hat die Familie Nushi den Kaufvertrag für den Gasthof Bären in Villnachern unterschrieben. Und schon Ende September verlassen Wirtin Margrit Minet-Schaffner (73) und ihr Bruder Hans Rudolf Schaffner (72) die heimelige Gaststätte an der Hauptstrasse. Ein Ort, wo Handwerker und Landwirte zum Znüni oder Mittagessen zusammenkommen und wo sich die Dorfvereine regelmässig treffen. Die Ustrinkete ist am Samstag, 30. September.

Nach zwei Wochen Betriebsferien wird die Familie Nushi aus Kroatien das Restaurant, im Sinne der Verkäufer, am 14. Oktober wiedereröffnen und als Dorfbeiz weiterbetreiben. Das ist für Margrit Minet und Hans Rudolf Schaffner das Wichtigste. «Für den Verkauf gaben wir uns bewusst zweieinhalb Jahre Zeit», sagt Schaffner. Denn die Liegenschaft mit zusätzlichem Bauland einfach nur an einen Investor – und solche hätte es gegeben – zu verkaufen, war für Schaffner und Minet keine Option. Die Familie war seit über einem halben Jahrhundert Eigentümerin des Gasthofs Bären in Villnachern. 1963 übernahmen die Eltern von Schaffner und Minet das Restaurant. Die Mutter wurde von allen liebevoll «Bären-Müetti» genannt.

Seit Cocos Tod steht Bruder zur Seite

Später stieg Margrit Minet mit ihrem Ehemann Fritz, besser bekannt unter dem Namen Coco, als Quereinsteigerin und neue Wirtin im «Bären» ein. Das Paar lebte zuvor während vielen Jahren in Agarone im Tessin. Zusammen haben sie in Villnachern eine grosse Stammkundschaft aufgebaut. Noch heute sitzt Margrit Minet regelmässig und gerne mit ihren Gästen am Tisch und spielt auch mal bei einem Jass mit. Seit dem Tod von Coco im Jahr 2013 ist Margrits Bruder Hans Rudolf im «Bären» die rechte Hand der Wirtin. Er kümmert sich um sämtliche Arbeiten im Hintergrund.

Für die Geschwister ist die Zeit nicht stillgestanden. Die Arbeitstage sind mit einer Präsenzzeit von bis zu 16 Stunden in der Gaststube intensiv. «Ein Privatleben hat man als Wirtin nicht», sagt Margrit Minet. Mangels Nachfolge aus der eigenen Verwandtschaft und auch altershalber haben sich die Geschwister schliesslich zum Verkauf der «Bären»-Liegenschaft entschieden.

Ein Teil des Personals bleibt

Ein Schritt also, der vor allem Margrit Minet nicht leicht fällt, weil sie eine leidenschaftliche Gastgeberin und mit dem Betrieb sehr verbunden ist. Während insgesamt 21 Jahren war sie die gute Seele im Restaurant, hatte für ihre Gäste stets ein offenes Ohr und war mit 80 Prozent von ihnen per Du. «Der Zeitpunkt zum Aufhören ist richtig. Ich bin froh, dass die neuen Besitzer einen Teil des Personals übernehmen», sagt die Wirtin.

Im «Bären»-Team arbeiten neun Angestellte im Teilzeitpensum. Darunter sind einige mehrjährige Angestellte. Margrit Minet und Hans Rudolf Schaffner haben auch einen guten Draht zum Gemeinderat, der oft im «Bären» einkehrt. Die Behörde wusste, dass die Eigentümer am Weiterbetrieb des Restaurants festhalten. Nun hoffen die Verkäufer, dass man den neuen Gastgebern ebenfalls mit Wohlwollen begegnet.

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