«Nein, einen solchen Fall hatten wir im Kanton Aargau noch nie», sagt Daniela Diener, Sprecherin des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales (DGS), zum im Frühling dieses Jahres untergetauchten Hausarzt B. Von einem Tag auf den anderen fehlte vom deutschen Arzt, der seit Januar 2015 an der Promenade 22 in Brugg eine eigene Praxis betrieb, jede Spur.

Brugger Arzt auf und davon

Brugger Arzt auf und davon

Ein Hausarzt schliesst seine Praxis und taucht unter - ganz zum Ärger seiner Patienten. Wie Recherchen von Tele M1 zeigen, läuft gegen den Arzt eine Strafanzeige. Der Kanton will ihm seine Bewilligung entziehen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das DGS ordnete nach dem Verschwinden des Arztes an, dass die Krankengeschichten-Akten sichergestellt werden. Patienten können diese beim KG-Archiv Schweiz in Kehrsatz beziehen oder an ihren neuen Hausarzt schicken lassen.

Nun geht der Kanton noch einen Schritt weiter: Im Amtsblatt hat das DGS die Verfügungszustellung «Entzug der Berufsausübungsbewilligung» publiziert. «Die mit Datum vom 8. Juli 2014 an B. erteilte Berufsausübungsbewilligung zur fachlich selbstständigen Tätigkeit als Arzt im Kanton Aargau wird entzogen», heisst es da.

Zu den Gründen sagt Diener: «Die Voraussetzungen für eine Berufsausübungsbewilligung sind nicht mehr erfüllt, insbesondere aufgrund der nicht vorhandenen Vertrauenswürdigkeit.» Auch die Kosten für die Archivierung der Krankengeschichten nach Praxisaufgabe gingen zu Lasten von B. und einer allfälligen Beschwerde werde die aufschiebende Wirkung entzogen, ist im Amtsblatt weiter zu lesen. Wie hoch die Kosten zur Archivierung der Krankengeschichten sind, sagt Diener, mit Verweis auf das Amtsgeheimnis, nicht.

Arzt könnte im Spital arbeiten

Der 52-jährige Arzt kann nun innert 30 Tage nach dem Zustelldatum, das dem Publikationsdatum des Amtsblatts am 12. August 2016 entspricht, Beschwerde einreichen. Was bedeutet es genau, wenn der Entzug rechtskräftig wird?

Der Arzt könne jederzeit einen neuen Antrag für eine Berufsausübungsbewilligung stellen, ohne eine Frist abwarten zu müssen, erklärt Diener. «Wegen nicht vorhandener Vertrauenswürdigkeit würde ein solcher Antrag aber im vorliegenden Fall vom Kanton nicht bewilligt», stellt sie klar.

Theoretisch könnte Arzt B. in einem Spital im Aargau wieder angestellt werden, denn dort ist der Kanton nicht Bewilligungsinstanz. «Eine Anstellung in einer Arztpraxis hingegen ist ohne Berufsausübungsbewilligung des Kantons nicht möglich», so Diener weiter.

Untersuchung wegen Betrug

Seit Anfang Mai dieses Jahres hat der Kanton über verschiedene Kanäle vergeblich versucht, mit B. Kontakt aufzunehmen. Nach der Publikation über das Untertauchen des Hausarztes hat die Staatsanwaltschaft im Juni gegen den Beschuldigten ein Verfahren wegen Betrug eröffnet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Auf Nachfrage der az kann Sprecherin Elisabeth Strebel keine weiteren Aussagen dazu machen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Untersucht werde nach wie vor wegen Betrug.

Zur Erinnerung: Ein Patient hatte die Praxistätigkeit des rumänischstämmigen Arztes schon im Mai 2015 infrage gestellt. Der 42-jährige Brugger wurde misstrauisch, als sich B. auf Visitenkarten als «Dr. medic. Univ. Frankfurt/Main» und mit «M. D. Harvard Univ. (USA)» betitelte und auf zwei Hinweistafeln beim Praxisgebäude die Klebebuchstaben «Dr.» nachträglich eingefügt wurden.

Eine Nachfrage ergab, dass B. gar keinen medizinischen Doktorgrad erlangt hatte. Kaum hatte der Patient den Kantonsarzt über diese Irreführung informiert, wurde vom DGS die Entfernung der Klebebuchstaben von den Hinweistafeln angeordnet. Sein Medizinstudium hatte der Arzt laut DGS an einer deutschen Universität absolviert.