Oberflachs
Ihre Werke sind immer anders – und am Räbfescht kann man sie bei einem Glas Wein betrachten

«Wein trifft Kunst»: Die gebürtige Amerikanerin und seit 20 Jahren Wahl-Oberflachserin Peggy Portmann stellt ihre Bilder am Räbfescht aus und plant ein Grossprojekt

Deborah Bläuer
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Die Wände in Peggy Portmanns Wohnzimmer sind mit ihren Bildern dekoriert.Fotos: Severin Bigler

Die Wände in Peggy Portmanns Wohnzimmer sind mit ihren Bildern dekoriert.Fotos: Severin Bigler

SEVERIN BIGLER

Es ist nicht zu übersehen, in diesem Haus in Oberflachs wohnt eine Künstlerin. Als ich zur Türe hereinkomme, fällt mir als erstes die unglaubliche Vielfalt an Skulpturen, Zeichnungen und Bildern in allen Grössen und Farben auf. Der weisse Boden und die weissen Wände wirken nicht steril, sondern bringen die Kunstwerke voll zur Geltung.

Weiss gekleidet ist auch die gepflegte, blonde Dame die mich begrüsst. «Sind die alle von Ihnen?», will ich staunend wissen und deute auf einige Bilder. Als Antwort führt mich Peggy Portmann ins Wohnzimmer und zeigt mir die Bilderwand. «Die hier sind auch alle von mir», sagt sie mit sympathischem amerikanischem Akzent. Ich staune und kann kaum glauben, dass eine Künstlerin allein so viele verschiedene Bilder erschaffen kann.

Räbfescht in Oberflachs: «Wein trifft Kunst»

Wein als Genuss für den Gaumen und Kunst als Genuss für die Seele ergänzen sich und haben viele Gemeinsamkeiten: Für die Herstellung sind Freude, Wissen, Erfahrung und Leidenschaft wichtig. Am Räbfescht in Oberflachs können Geniesser beides erleben. Unter dem Motto «Wein trifft Kunst» werden Weindegustation und Kunsterleben kombiniert. Das Räbfescht findet am Samstag, 19. August, und Sonntag, 20. August statt. Über 50 Weine von lokalen Winzern können probiert werden. Künstler stellen ihre Arbeiten zum Thema «40x40 und» aus und arbeiten mit den Besuchern an gemeinsamen Werken.
Als besondere Attraktion findet ab Sonntagmittag das Weinfassrollen statt. Dabei kämpfen mehrere Mannschaften um die schnellste Zeit, wobei jeder Läufer das Fass über eine Strecke von 25 Meter rollen muss. (BLA)

Von Aquarellmalereien über Tuschzeichnungen bis hin zu Radierungen ist alles dabei. Einige Bilder sind in zarten Pastelltönen gehalten, manche in leuchtenden Rottönen, vereinzelte sind schwarz-weiss und andere wiederum knallbunt. Auch bei den Sujets ist fast alles vertreten: Menschen, Tiere, Landschaften, Häuser, Blumen, Herzen, abstrakte Motive. Ich bin versucht zu vergleichen, einzuordnen. Gibt es ein Thema, das sich durch alle Bilder zieht? Eine Figur, die überall zu finden ist? Irgendeine Gemeinsamkeit? Wie soll man den Stil der Künstlerin beschreiben, wenn jedes Bild doch wieder ganz anders ist?

Auszug aus dem Skizzenbuch.

Auszug aus dem Skizzenbuch.

AZ

Sie stellte schon mit 18 Jahren aus

Ganz anders muss es für Peggy Portmann gewesen sein, als sie von Amerika in die Schweiz, nach Böttstein zog. Geboren in Washington D.C., besuchte sie eine Kunstschule, obwohl ihr Vater es lieber gesehen hätte, wenn sie Ingenieurin geworden wäre. Aber das Malen, das sei einfach das, was sie am besten könne, erzählt sie. Schon mit 18 stellte sie ihre Werke zum ersten Mal aus und gewann einen Preis.

Bald darauf lernte sie einen Schweizer kennen und folgte ihm in den Aargau. Als Ehefrau und Mutter von zwei Kindern erfüllte sie das Hausfrauendasein allerdings nicht genug. So widmete sie sich weiterhin intensiv der Kunst und hatte zahlreiche Ausstellungen. Sie war an der Gründung des Kunstvereins unteres Aaretal beteiligt und waltete 13 Jahre lang als dessen Präsidentin. Gerne organisierte sie auch Malreisen nach Frankreich und in die USA. Viele Jahre gab sie Privatunterricht in Malen und Zeichnen und bis heute führt sie regelmässig Kurse durch. «Ich glaube, ich konnte in vielen die Freude am Malen wecken», erzählt sie und strahlt. Auch ihren drei Enkelkindern gibt sie ihre Begeisterung für die Kunst gerne weiter und malt mit diesen öfters in ihrem Atelier. Stolz zeigt sie uns eine Zeichnung ihrer Enkeltochter. «Als Grossmutter finde ich natürlich, dass meine Enkel hochtalentiert sind», fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Die Leidenschaft für Kunst ist der Amerikanerin deutlich anzumerken, obwohl sie nach dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren lange Zeit nicht mehr zum Pinsel griff. Mittlerweile ist sie aber wieder dabei und hat ein echtes Grossprojekt in Angriff genommen. Von jedem Kanton will sie mindestens einen Brauch in den Bereichen Sport, Religion und Politik malen und einen Text dazu schreiben. «Viele Leute, mich selbst eingeschlossen, kennen die Brauchtümer der anderen Kantone gar nicht», erklärt sie. Das will sie ändern. Es gibt noch viel zu tun und Peggy Portmann ist mit Elan dabei. Begeistert erzählt sie vom Bärzeli-Brauch in Hallwil und wie sie den Kuhkämpfen im Wallis beiwohnte.

Mit «40x40 und» Neues bieten

Neben der Malerei ist ihre zweite Leidenschaft das Reisen. Kürzlich war sie mit ihrem Lebenspartner in Alaska. Dennoch kommt sie immer wieder gerne nach Oberflachs zurück, wo sie seit nunmehr 20 Jahren wohnt. Ab und zu geniesst sie auch ein gutes Glas Wein und so ist es nicht verwunderlich, dass Peggy Portmann am diesjährigen Räbfescht in Oberflachs, an dem Wein und Kunst kombiniert werden, mitwirkt. Schon zum dritten Mal ist sie im OK-Team dabei. «Ich bin nicht gut darin, mich selbst zu organisieren», schmunzelt sie, «dafür umso besser darin, Anlässe und andere Leute zu organisieren.»

Sie schwärmt vom bevorstehenden Fest und erklärt was hinter dem Thema «40x40 und» steckt: «40x40» steht für das Leinwandformat 40x40 cm. Dieses wird in der Kunst nur selten verwendet und so müssen die Künstler für die Ausstellung etwas Neues hervorbringen. Mit dem «und» lässt man ihnen freie Hand beim Erarbeiten des Kunstwerks. Sie selbst hat für die Ausstellung Bilder zum Thema Vögel gemalt. Vor kurzem war sie in der Vogelwarte Sempach und von ihrem Atelier aus beobachtet sie die vorbeifliegenden Vögel. Die Tiere faszinieren sie.

Vögel und Wein, wie passt das zusammen? Peggy Portmann kennt die Lösung. Wie sie zu ihrem Lebenspartner auf einer Reise sagte, als dieser ständig Vergleiche zwischen Florida und der Schweiz anstellte: «Es ist einfach anders. Das kann man nicht vergleichen.» So ist es auch mit jedem ihrer Bilder und das sei auch den Besuchern des Räbfeschts geraten: Nicht vergleichen, sondern einfach anschauen und geniessen.