Als «Grande Dame» der Schweizer Musik kündigt Thomas Hofmann die Sängerin Sina an. Wegen ihrer Musik habe er angefangen, sich im Salzhaus-Team zu engagieren. Für die Walliserin, die ihre Wahlheimat Aargau als «zweitschönsten Kanton der Schweiz» bezeichnet, ist der Auftritt im Brugger Kulturtempel etwas ganz Besonderes. «Viele meiner Verwandten, Freunde und Kolleginnen aus dem Aquafit-Kurs sind heute da», sagt sie und winkt in die dicht gedrängte Zuschauermenge. Und die hat sie - wie immer – vom ersten Ton an in der Tasche. Ihre Stimme würde man ja auch unter Tausenden herauskennen: voll, warm, weich wie Samt und doch eine Spur rau. Begleitet von ihrer vierköpfigen Band besingt sie Alltagsgeschichten, in denen sich jeder der Zuschauer wiederfinden kann.

Reifer und balladesker kommen ihre Lieder auf dem neuen Album «Tiger und Reh» daher. Bevor «Himmel ob miär» ertönt, spricht die Künstlerin das Schicksal von den zurzeit 53 Millionen Flüchtlingen an, die aus ihrem Zuhause gerissen wurden. Sina berührt, und das Publikum lässt sich berühren. Ihre Singleauskoppelung «Wartu uf ds Glick» handelt von Menschen, die beim Hoffen auf den Traumjob oder die grosse Liebe ihr ganzes Leben verstreichen lassen. «Ich habe nie gewartet, dass mir etwas in den Schoss fällt, sondern war immer aktiv», erzählt sie im Interview vor dem Konzert.

Seinem Glück selber auf die Sprünge helfen, auch kleine Chancen erkennen und etwas daraus machen, das ist ihr Lebensmotto. Die wilde Löwenmähne – bisher ihr Markenzeichen – hat sie auf halblang gestutzt. «Unbeschriiblich wiiblich», wie sie in einem ihrer früheren Hits rockte, ist sie immer noch.

Nie stehengeblieben

Besonders an Sina ist, dass sie es in ihrer über 20-jährigen Bühnenkarriere schaffte, persönlich zu reifen und ihren musikalischen Stil weiterzuentwickeln, dabei aber trotzdem immer authentisch und unverwechselbar blieb. Dafür lieben sie ihre Fans. Mit ihrem 11. Werk «Tiger und Reh» schoss sie direkt auf Platz 3 der Albumcharts. Was erachtet die 48-Jährige als Vorteil des Älterwerdens? «Die Fähigkeit, mehr auf die innere Stimme als das Echo von Aussen zu hören», erläutert sie und freut sich schon auf ihren runden Geburtstag: «Zum Fünfzigsten werde ich ein grosses Fest machen.»

Das Fest haben aber vorerst die Konzertbesucherinnen und -besucher im Salzhaus. Alle singen mit bei «Hinnär diär» und dem wunderschönen Liebeslied «I schwöru». Jemand wirft ein Ricola-Päckchen auf die Bühne, als sie «Bonbons» anstimmt. Und bei den Zugaben darf natürlich «Där Sohn vom Pfarrer» von ihrem allerersten Tonträger nicht fehlen. Das Salzhaus-Publikum jubelt und ist restlos glücklich.