Lupfig

Ihre Light-Painting-Bilder regen zum Nachdenken an

Roland Brei gestaltet Light-Painting-Bilder, eine Art der Fotografie, die in der Schweiz noch nicht allzu bekannt ist.

Auf den ersten Blick glaubt man kaum, dass die Momentaufnahmen mit den Lichtfiguren echt sind. Roland Brei jedoch sieht das anders. Er ist leidenschaftlicher Freizeitfotograf und weiss genau, wie man ein gutes Light-Painting-Foto machen kann, er hat es sich nämlich selber in seiner Werkstatt beigebracht. In der Aargauer Zeitung wurden schon mehrfach Aufnahmen von ihm in der Rubrik «Schnappschuss» publiziert. Roland Brei ist von Beruf Servicetechniker und passionierter Freizeitfotograf. Seine erste Spiegelreflexkamera bekam er in den 80er-Jahren von seinem damaligen Nachbarn, der ein eigenes Fotostudio besass.

Mit Flugzeug-Virus angesteckt

Am Anfang konnte er noch nicht viel mit dem Fotografieren anfangen, als dann aber das Zeitalter der Digitalaufnahmen anfing, packte es den 40-jährigen Handwerker: «Meine ersten Schnappschüsse habe ich von Flugzeugen gemacht. Als in Kloten das erste Mal eine A380 landete, habe ich mir extra zwei Tage freigenommen, um den Flieger abzulichten.» Der Fotograf bereiste diverse Flughäfen in Europa, um verschiedene Flieger vor die Linse zu holen.

Für ihn ist das Fotografieren von Flugzeugen wie zu einem Hobby geworden, besonders lackierte Flugzeuge verfolgt er über mehrere Jahre, um sie dann im richtigen Augenblick fotografieren zu können. Die nötigen Informationen dazu sammelt er in Internetforen im Austausch mit anderen Flugzeug-Fotografen oder über die Medien. Seinen Sohn Kevin hat er ebenfalls mit dem Flugzeug-Virus angesteckt.

Schwierigkeit des Light Painting

Letztes Jahr, an einem Novemberabend standen Kevin und Roland Brei im Landebereich der Piste 28 am Zürcher Flughafen. Da sich im Augenblick kein Flugzeug im Anflug befand, kam Roland auf die Idee, mit einer Lichtquelle Zahlen und Buchstaben in den Nachthimmel zu zeichnen. So entstand das Titelbild für einen Flugzeugkalender. Auf dem Bild ist die Zahl 2014 zu sehen und die Lichtspuren eines ankommenden Flugzeugs.

Durch diese Idee entdeckten die beiden das Light Painting für sich. Während Kevin an der Kamera den Abzug hält, zeichnet der Vater vor der Kameralinse mit einer Lichtquelle die Figuren. Teilweise wird auch die Umgebung miteinbezogen. Roland Brei erklärt: «Beim Light Painting ist die grösste Schwierigkeit, mit der Lichtquelle exakte Figuren zu zeichnen, damit es schöne Bilder gibt. Die Leuchtkraft der Lichtquelle und die Geschwindigkeit der Bewegungen muss genau einstudiert werden, ansonsten wird die Aufnahme zu hell oder zu dunkel. Die Kamera nimmt während der Langzeitbelichtung alle Lichtsignale auf.» Nachdem die beiden die ersten Light-Painting-Fotos geschossen hatten, waren sie begeistert vom Ergebnis.

In ihrer Werkstatt zu Hause in Lupfig begann das grosse Ausprobieren. Dabei kommt ihm sein handwerkliches Geschick gerade recht. Er verbindet Lichtquellen mit Alltagsgegenständen. So kombiniert er beispielsweise LED-Lämpchen mit einem Velorad, dass er vor der Kamera kreisen lässt. Für die Lichtquellen benutzt er nebst LED-Lämpchen auch Taschenlampen, Wunderkerzen oder entflammt Stahlwolle, um möglichst spektakuläre Bilder zu kreieren.

Neues Leben einhauchen

Irgendwann reicht die Werkstatt nicht mehr aus. Sie begeben sich nach draussen und suchen nach schönen, geeigneten Plätzen. Am liebsten fotografieren sie auf alten Industrie-Arealen, um den ungenutzten Gebäuden nochmals neues Leben einzuhauchen. Roland Brei betont: «Ich würde gerne mehr Bilder auf alten Industriegebieten machen. Obwohl ich vom Bau komme und die Gefahren kenne, werden die Gesuche aber meistens abgewiesen. Ich finde dies sehr bedauernswert.» Roland Brei gibt aber nicht nach, er möchte in Zukunft noch einige Light- Painting-Bilder gestalten, sein Ziel ist es, dass er einmal eine Galerie mit seinen Bilder schmücken kann, um möglichst vielen Leuten seine Kunst zu präsentieren.

Seine Homepage laufe bisher sehr gut, seit der Gründung 2010 habe er von Jahr zu Jahr mehr Besucher und die Feedbacks seien durchaus positiv, so der begeisterte Vater. Auch mit seinem 13-jährigen Sohn Kevin möchte er weiterhin fotografieren: «Ich teile mit meinem Sohn ein Hobby, das können nicht alle Eltern von sich behaupten. Es macht uns beiden viel Spass, bis spät in die Nacht zu fotografieren. Vielleicht helfe ich ihm damit ja auch ein bisschen bei der Berufswahl.»

Roland Brei wünscht sich für die Zukunft, dass das Light Painting in der Schweiz bekannter wird, er erhofft sich dadurch auf mehr Akzeptanz zu stossen, wenn er wieder einmal auf ein abbruchreifes Areal möchte.

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