Ein ganz grosser Tag in der jungen Karriere der Mode-Designerin Laura Farinacci: Heute Donnerstag darf sie ihre Kollektion im Teatro Vetra in Mailand präsentieren – am internationalen Modewettbewerb «Remix».

«Ich bin sehr aufgeregt und etwas nervös, aber ich freue mich wahnsinnig fest auf diesen Auftritt und die Jurierung», stellt die 26-jährige Aargauerin fest.

Beim prestigeträchtigen Anlass für Nachwuchsdesigner wird der Fokus auf Pelze gelegt. Laura Farinacci zeigt drei elegante Outfits. Inspirieren lassen habe sie sich bei ihrer kleinen Kollektion von ihrer italienischen Grossmutter, sagt die aufstrebende Berufsfrau. Es handle sich um ein sehr persönliches Thema, aus dem sich wunderbar viel schöpfen lasse.

Besonders Wert legt sie auf die Bereiche Tragbarkeit und Zeitlosigkeit. «Gerade beim Pelz sollten die Kleidungsstücke langlebig sein», sagt Laura Farinacci. Oder anders ausgedrückt: «Es sollten Lieblingskleidungsstücke sein, die man ein Leben lang trägt.» Weil sie sehr teure Materialien verwende – neben Fuchspelz und Nerz auch Leder und Seide – sei ihr eine qualitativ hochwertige Verarbeitung wichtig.

Gewinnen ist nicht Hauptsache

Den Wettbewerb in Mailand bezeichnet sie als eine einmalige, riesige Chance – nur schon durch die Aufmerksamkeit, die sie dadurch erhalte. Gespannt ist sie auf den Austausch mit allen weiteren Involvierten. «Es werden unter anderem Leute von der ‹Vogue Italia› dort sein, viele Designer und Modeschaffende. Dadurch erweitert sich mein Netzwerk, ich werde viele neue Kontakte knüpfen und interessante Menschen kennenlernen.»

Natürlich wäre es schön, unter die letzten drei zu kommen, antwortet sie auf die Frage nach ihren Erwartungen. «Aber das steht nicht im Vordergrund.» Alleine durch die Tatsache, dass sie unter den zwölf Finalisten sei, habe sie schon gewonnen. Sie werde ganz einfach die spannenden Tage in Mailand geniessen.

Die grösste Herausforderung stelle sich sowieso bei den Vorbereitungen. Es gelte, alles beisammen zu haben, neue Portfolios drucken zu lassen, die Kleider fertigzustellen, sämtliche Accessoires zu entwickeln . . . «Danach läuft es fast von alleine», weiss Laura Farinacci. «Ich muss zwar hoch konzentriert sein und viel Energie aufbringen, aber an solchen Anlässen hilft das Adrenalin und dann geht es schon gut.» Sollte die Schweizerin am Schluss zu den Gewinnern zählen, erwartet sie übrigens ein Fotoshooting für die italienische «Vogue» und ein Workshop, der von international führenden Pelz- und Modedesignern geführt und gesponsert wird.

Gegen 300 Bewerber durchgesetzt

Zur Teilnahme am Wettbewerb kam sie über den Pelzfachverband Schweiz. Nach einer Vorauswahl setzte sich Laura Farinacci gegen 300 Bewerber aus anderen Ländern durch.

Ihre Leidenschaft für das Material entdeckte sie während ihrer Praktika bei den renommierten Modehäusern Chloé und Marc Jacobs in Paris, wo sie nach Abschluss ihres Modedesign-Studiums an der Fachhochschule für Kunst in Basel tätig war. Aufgewachsen ist die Halbitalienerin in Lupfig. In Wettingen besuchte sie die Fachmittelschule, wo sie ihr Gestaltungslehrer auf den Studiengang für Modedesign aufmerksam machte. Heute wohnt Laura Farinacci im Zürcher Kreis 6 und hat eine Stelle beim Schweizer Label Akris angenommen.

Die Reaktionen auf ihre Pelzkollektionen seien in der Regel sehr erfreulich, hält sie fest. «Es wird geschätzt, dass sich junge Designer an solche Materialien wagen, die ein grosses Wissen an Handwerk verlangen.» Die Felle beziehe sie immer über Kürschner Dieter Dunkel aus Basel. Auch bei der Umsetzung der Pelzteile arbeite sie eng mit ihm zusammen. «Ich lerne sehr viel von ihm», sagt Laura Farinacci. Natürlich kenne sie bei jedem einzelnen Fell die Herkunft. Der Fuchspelz stammt von Schweizer Rotfüchsen und der Nerz von recycelten Pelzmänteln.

Egal, wie der Abstecher nach Mailand ausfällt: Sie werde auf jeden Fall weiter an ihren Kollektionen und Accessoires arbeiten, versichert die Mode-Designerin.