Ob im Pflegeheim oder zu Hause: Wer regelmässig mit an Demenz erkrankten Menschen zu tun hat, weiss, wie herausfordernd der Umgang mit diesen ist. Wir sind in der neuen Demenzstation im Brugger Pflegezentrum Süssbach. Hier unterhalten wir uns mit Josefa Filippidis. Die 59-Jährige arbeitet seit mehreren Jahren in einem Pflegeheim im Seetal. Für den Süssbach hat sie einige farbenfrohe Aktivierungsdecken hergestellt, die beim Rundgang am Tag der offenen Tür im Februar auch den Besuchern aufgefallen sein dürften.

«Demenzkranke Menschen können mit diesen Decken arbeiten, bekannte Bewegungsabläufe üben und das Gehirn aktivieren. Dadurch können Erinnerungen an früher geweckt werden», erklärt die gelernte Damenschneiderin. Je früher man solche Aktivierungsformen einsetze, desto besser sei das für die Patienten. Die quadratischen Stoffdecken sind wattiert und robust verarbeitet. Aufgenäht sind beispielsweise Felle oder Frottee-Stoff sowie verschiedene Taschen aus unterschiedlichen Materialien, die mit Knöpfen, Reiss- oder Klettverschluss geöffnet werden können. Aus den Taschen lassen sich kleine Gegenstände wie eine Kette holen. Zudem sind etwa Federn oder ein Miniaturtraktor mit einem langen, starken Faden auf der Decke befestigt. Manchmal behandeln Demenzkranke die Decke auch einfach nur wie ein Stück Wäsche, streichen die Oberfläche glatt und falten sie zusammen.

Material aus den Brockenhäusern

Eine fixe Anleitung zum Anfertigen einer solchen Decke gibt es nicht. Und nicht jedes Exemplar bewährt sich im Alltag bei jedem Patienten gleich gut. Der Leiter der Demenzabteilung im Seetal wusste, wie gut Filippidis nähen kann, und motivierte sie vor zirka zwei Jahren, individuelle Aktivierungsdecken für Bewohner zu produzieren. Die gebürtige Spanierin machte sich ans Werk. Die ersten Exemplare bestanden aus alten Duvets oder Tischdecken. Filippidis klapperte verschiedene Brockenstuben nach strapazierfähigen Stoffen und geeignetem Zubehör ab. Sie arbeitete stundenlang mit Bewohnern und beobachtete, ob und wie diese die Decken annehmen.

Je nach beruflichem und familiärem Hintergrund oder früheren Hobbys der Patienten können die Decken personalisiert werden. Dazu eignen sich beispielsweise Stoffe von Arbeitskleidern, Werkzeuge, Fotos, Postkarten oder kleine Feriensouvenirs. «Wichtig ist, dass die Gegenstände gut befestigt sind und keine Verletzungsgefahr besteht», sagt Filippidis.

Sie ist überzeugt, dass solche Aktivierungsmöglichkeiten auch Angehörige, die sich zu Hause um Demenzkranke kümmern, etwas entlasten können. «Durch die Beschäftigung mit der Decke werden alte Erlebnisse und Erfahrungen abgerufen, was die Patienten oft etwas beruhigt», fügt sie an. Filippidis spricht von einem einfachen und zweckmässigen Hilfsmittel, das man selber herstellen und bequem transportieren kann.