Brugg
Ihre 40 Porzellanfiguren zur Basler Fasnacht stehen in einem Brugger Schaufenster

Seit Jahrzehnten lebt die Baslerin Marianne Küng in Brugg. Die Basler Fasnacht liebt sie so sehr, dass sie Porzellanfiguren kreiert hat – derzeit im Schaufenster von Leder Küng an der Hauptstrasse zu bewundern.

Elisabeth Feller (Text) undMichael Hunziker (Foto)
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Marianne Küng lebt seit langem in Brugg. Die Baslerin hat Basler Fasnachtsfiguren selbst geschaffen.

Marianne Küng lebt seit langem in Brugg. Die Baslerin hat Basler Fasnachtsfiguren selbst geschaffen.

Sie sind an vorderster Front – die Porzellanfiguren, die vergnügt an der Spaziergängerin vorbeidefilieren. Diese würde am liebsten die Nase platt drücken am Schaufenster von Leder Küng in der Brugger Altstadt. Kaufen, ist der erste Impuls, aber da steht unübersehbar das Wort «unverkäuflich».

Der Kopf gibt einem das nicht zu, also ist der Eintritt ins Geschäft dringend. Dort steht Marianne Küng. «Kommen Sie. Es ist am besten, wenn wir nach oben gehen.»

Oben ist das Reich von Marianne Küng, die mit ihrer Familie seit den Fünfzigerjahren im Haus «zum Kleeblatt» lebt. Wer in der geräumigen Wohnung ankommt, wird dort eine Zeitreise erleben.

Sie kennt alles aus dem Effeff

Allein schon der Grundriss verrät, wie anders vor Jahrhunderten gebaut wurde – wie erst sprechen die Puppen und Bücher, die Fasnachtsbilder des Brugger Malers Sepp Marty, der grosse Basler Waggis sowie die Porzellanfiguren zu den Gästen.

«Das sind ja Freunde jener Figuren, die im Schaufenster ausgestellt sind», schiesst es der Besucherin durch den Kopf. Stimmt. Es sind lauter Basler Fasnachtsfiguren, die Marianne Küng seit den Siebzigern geschaffen hat. Wer diese sieht, ist baff.

Ist Marianne Küng eine professionelle Porzellanfigurenmacherin? «Aber nein», lacht sie. Doch der Reihe nach. In Basel wuchs sie auf und wurde dort, wie ihre Geschwister, vom Fasnachtsvirus angesteckt.

Trommeln oder pfeifen in einer Clique, das hätte sie am liebsten gemacht, «aber das kam damals für ein Mädchen nicht infrage». Das tat ihrer Liebe zur Basler Fasnacht jedoch keinen Abbruch; sie sog alles auf, was damit zusammenhing und wurde so zur Koryphäe, die alles aus dem Effeff kennt.

Dass sie ihren Mann in einer Clique kennen lernte, verwundert nicht bei einer passionierten Basler Fasnächtlerin wie Marianne Küng. Verwundern tut dies: Dass sie selbst 40 Fasnachtsfiguren aus Porzellan fertigte. Und das, ohne je einen Kurs besucht zu haben. «Ich hatte ja alles im Kopf», sagt sie lachend: «Ich habe mir das einfach so angeeignet.»

Sie hat Bücher verschlungen und Ton gekauft; hat experimentiert, modelliert und bemalt. Anfänglich war das Brennen der Figuren ein Problem. Dann stiess sie auf eine Adresse in Obfelden; später brannte sie die Figuren zu Hause. Marianne Küng deutet auf einen Waggis, der faul auf einem Bänkchen liegt.

Im Vergleich zum grossen Bruder sind die Haare des kleineren Waggis nicht stachelig, sondern lustig gekringelt. «Diese habe ich mit der Knoblauchpresse gemacht», sagt sie und gibt einen Schnellkurs im Hinblick auf die Namen: Etwa dr Waggis, «die bekannteste Basler Fasnachtsfigur», dr Altfrangg, d’Grytte, dr Dummpeter, dr Blätzlibajass, dr Stänzler, s’Junteressli, dr Harlekin, die Alt Dante, d’Elsässere oder dr Grälleligranz.

Dem Aargauer Greenhorn schwindelt. Erneut ist der fast unbezähmbare Wunsch da, eine Figur zu erwerben. Marianne Küng ist diesbezüglich strikt. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel. So wollte eine Mutter ihren Sohn beschenken, weil dieser Prüfungen bestanden hatte. Marianne Küng hatte ein Herz – und schuf eine Figur. Wer keine besitzt, muss nicht traurig sein. Trösten dürften ihn die umwerfenden Porzellanfiguren im Schaufenster an der Hauptstrasse.

Mehr zur Basler Fasnacht finden Sie hier.