Brugg
Ihr kommen stets die Männer abhanden

Bea Schnell sagt, warum sie den regionalen Single-Treff koordiniert und welchen Entscheid sie in Hongkong fällte.

Claudia Meier
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Bea Schnell mag es gemütlich und bringt gerne Menschen zusammen. Alex Spichale

Bea Schnell mag es gemütlich und bringt gerne Menschen zusammen. Alex Spichale

Alex Sppichale

Bea Schnell ist eine spannende Erzählerin. Das zeigt sich bereits beim ersten Telefongespräch. Frisch von der Leber und mit einer Prise Humor sagt sie, was sie antreibt und was ihr wichtig ist. Bea Schnell ist auch eine gute Zuhörerin und Beobachterin. Sie weiss, was es braucht, damit sich die Menschen um sie herum wohl-fühlen. Fast so wie die Jungfrau zum Kind, kam die 69-Jährige zur Organisation der Single-Gruppe «gemeinsam Kochen». Das war vor gut zwei Jahren.

Seither ist sie im Zusammenstellen von Vierer-Kochgruppen so erfolgreich, dass ihr laufend die Männer ausgehen und sie dringend neue Singles sucht. «Ich wohne erst seit zweieinhalb Jahren in Brugg und wollte möglichst unkompliziert neue Leute kennen lernen», sagt sie bei einer Tasse Kaffee am Esstisch in ihrer Wohnung. Im Moment führt sie 19 Singles auf der Kochliste und 31 auf der Eventliste. Schnell schwärmt von den vielen «lässigen Leuten», denen sie dank dieser Gruppe schon begegnet ist. Auch wenn die meisten zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, schätze sie den über 80-Jährigen, dem die Teilnehmer beigebracht haben, wie man Gschwellti mit Käse zubereitet. «Es geht hier nicht um eine Koch-Show und niemand soll sich gezwungen fühlen, ein exklusives Menü hinzaubern zu müssen», so die Organisatorin. Es gehe vor allem um die Gesellschaft und den Spassfaktor. Je länger sich die Teilnehmer kennen, desto lockerer werde die Stimmung.

Den Kaiser auf Flügen begleitet

Schnell ist kein Vereinsmensch. Sie liebt die Freiheit und macht in der Regel, was ihr gerade passt. Diese Einstellung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Aufgewachsen ist sie in Reinach AG. «Dort fühlte ich mich recht eingeengt.» Als der Lehrer in der Schule die Weltkarte runterzog, war für Bea Schnell klar, dass es noch viel zu entdecken gibt: «Da ist die Schweiz und dort ist der Kilimandscharo.» Nach Haushaltlehrjahr, Welschlandaufenthalt und KV-Lehre hielt sie nichts mehr in der Schweiz. Die junge Frau ging nach England, Spanien und Frankreich, um die Sprachen zu lernen. Sie jobbte in einer Buchhandlung, als Reiseleiterin auf Mallorca, als Privatsekretärin und als Übersetzerin. Doch damit nicht genug. Bea Schnell wollte mehr von der Welt sehen.

Zufällig stiess sie in der Zeitung «Le Figaro» auf ein Stelleninserat der TWA, zu der auch die Ethiopian Airlines gehörte. Nach sieben Interviews drückte man ihr ein 1.-Klasse-Ticket in die Hände und Schnell liess sich in Addis Abeba während dreier Monaten zur Stewardess ausbilden.

Zwei Jahre stand sie für die afrikanische Airline im Einsatz, begleitete den Kaiser zu Staatsbesuchen, wurde in Saudi-Arabien für Hajj-Flüge (Pilgerflüge nach Mekka) eingeteilt und war hautnah bei der sehr abenteuerlichen Evakuierung indischer Staatsbürger aus Uganda dabei. Später arbeitete Schnell während sechs Jahren für die Lufthansa und unternahm ausgedehnte Reisen durch Südamerika und Asien. Eines Morgens wachte sie in Hongkong auf, betrachtete den Koffer am Ende des Betts und fragte sich, was das Ganze soll. Zurück in Europa, kündigte sie die Stelle.

Das «S-Bahn-Wandern» erfunden

Kulturell fühlte sie sich ausgehungert. Als sie dann in Frankfurt während dreier Jahre gleichzeitig drei Schulen absolvierte, machte Bea Schnell ihrem Nachnamen alle Ehre. Morgens liess sie sich zur Europa-Sekretärin ausbilden, am Nachmittag zur Übersetzerin in Wirtschaft/Politik, und am Abend holte sie das Abitur nach. Das anschliessende Philosophie-Studium brach sie bereits im 2. Semester ab. «Ich bin doch eher der Macher-Typ», sagt sie und schmunzelt.

Ende 1985 kam Bea Schnell in die Schweiz zurück. In Zürich fand sie eine Stelle als Geschäftsführerin einer Stellenvermittlung an der Bahnhofstrasse und war insgesamt während 30 Jahren als Personalberaterin und Coach tätig. Nach der Pensionierung verliess sie Zürich und liess sich in Brugg nieder, wo es etwas beschaulicher zu- und hergeht, aber der Anschluss an die «grosse weite Welt» weiterhin gewährleistet ist. Zusammen mit einer Freundin habe sie das «S-Bahn-Wandern» erfunden. Nachdem sie alle 47 Zürcher S-Bahn-Linien abgewandert haben, sind sie aktuell im Wynental unterwegs. Kürzlich kamen sie in Reinach an, wo sich für Bea Schnell der Kreis wieder geschlossen hat.

Und wo ist es am schönsten auf dieser Welt? Die Aargauerin muss nicht lange überlegen: «Mein Herz schlägt für Äthiopien. Das Land ist einmalig schön, die Menschen sind so freundlich und die Kulturdenkmäler einfach unbeschreiblich.»

Mittlerweile engagiert sich Schnell als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. «Ich liebe es, Menschen zusammenzubringen», sagt sie. Die 69-Jährige wünscht sich auch für «gemeinsam Kochen» viele neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen. «Wo sonst gibt es die Gelegenheit, in fröhlicher und entspannter Atmosphäre neue Menschen kennen zu lernen und vielleicht doch noch der grossen Liebe zu begegnen?»

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