«Scherz ist ein gut funktionierendes Dorf und soll es auch bleiben», hält die neu gegründete «IG pro Scherz» fest. «Nach 777 Jahren ist noch lange nicht Schluss.» Mit Plakaten und einem Flugblatt, das von knapp 40 Personen unterzeichnet und am Freitag an die Haushaltungen verteilt worden ist, wehrt sie sich gegen einen Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Lupfig, dagegen, dass ihr geliebtes Dorf verschwindet.

Gegründet wurde die IG letzte Woche von acht Personen. «Wir wollen die Bevölkerung aufrütteln, eine sachliche Diskussion lancieren und unsere Stärken hervorheben», sagt Alfred Vogt, einer der Gründer. Die Plakat-Aktion habe jedenfalls viele positive Reaktionen ausgelöst. «Einige Leute meldeten sich spontan bei uns und wollten mitmachen.»

An der Informationsveranstaltung am Donnerstag – die mit über 100 Personen gut besucht war – machte die IG noch einmal auf ihre Anliegen aufmerksam. Da und dort seien zwar Ängste vorhanden, die Meinungen scheinen aber vielerorts gemacht, stellt Vogt fest und räumt ein: «Wir hätten ein etwas grösseres Echo erwartet.»

Lupfig hätte das Sagen

Für die «IG pro Scherz» ist klar: «Wir wollen weiterhin eigenständig sein.» Denn auch wenn bei wichtigen Abstimmungen künftig alle Stimmberechtigten mobilisiert werden könnten, seien die Scherzer nach einem Zusammenschluss immer in der Minderzahl. «Somit würde nach einer Fusion Lupfig über den Ortsteil Scherz bestimmen.»

Die neue Gemeinde heisse Lupfig und trage das Wappen von Lupfig, fährt die IG fort. «Das gleicht schon eher einer Übernahme als einem Zusammenschluss.» Anders ausgedrückt: Bei einer Fusion verschwinde die Gemeinde Scherz und die Scherzer hätten plötzlich einen neuen Heimatort. «Aber Heimat lässt sich nicht einfach umschreiben, denn die trägt man im Herzen.» Kurz: «Wir sind aus Scherz und wollen Scherzerinnen und Scherzer bleiben.»

Auch die Kinder sollen die eigene Schule besuchen können, betont die IG. Im Zusammenschlussvertrag werde zwar von zwei Schulstandorten geschrieben. Welche Kinder in welche Schule gehen, sei aber nicht festgelegt. «So kann es bald geschehen, dass Klassen gefüllt werden, denn das Sparpotenzial ist bei der Bildung am grössten.» Will heissen: Scherzer Kinder könnten einer Klasse in Lupfig zugeteilt werden oder auch umgekehrt. «Dadurch ist unsere eigene klassengemischte Schule in Gefahr.»

Vermutungen und Wünsche

Apropos Spardruck: Dieser bleibe hoch, egal mit oder ohne Fusion, führt die IG weiter aus. Bleibe Scherz eigenständig, könne die Gemeinde immerhin selber bestimmen, wo gespart werden soll. Der Steuerfuss von 122 Prozent sei tatsächlich hoch. Allerdings sei er – ohne grossen Anteil an Aktiensteuern – auch weniger Unsicherheiten unterworfen. Ausserdem soll man sich nicht von dem in Aussicht gestellten tieferen Steuerfuss blenden lassen. «Das ist nur ein Aspekt bei einer Fusion.» Neben einem Steuerfuss von 95 Prozent seien an den bisherigen Informationsveranstaltungen zudem verschiedene Versprechungen gemacht worden, fügt die IG an. Ihrer Ansicht nach handelt es sich um reine Vermutungen, Annahmen und Wünsche. «Gesichert ist fast nichts.»

Nicht zuletzt schätzt die IG die persönliche Verwaltung in der Nähe. Es bestehe ein Kontakt zu Angestellten und Behördenvertretern. «Man trifft sich auf der Strasse, beim Einkaufen, an Anlässen.» Auch der Dorfladen soll erhalten bleiben. Lupfig allerdings werde kaum den Willen haben, den Volg-Laden in Scherz zu unterstützen – vor allem dann, wenn ernsthaft gespart werden müsse, ist die IG überzeugt.

«Wir haben nichts gegen Lupfig, wir pflegen ein kollegiales Verhältnis und arbeiten in diversen Bereichen mit der Nachbargemeinde zusammen», fasst Gründungsmitglied Alfred Vogt zusammen. «Weder ist aber die Notwendigkeit noch der Zeitpunkt gegeben für einen Zusammenschluss», hebt er hervor. Vogt hofft, dass viele Stimmberechtigte den Weg an die Gemeindeversammlung am nächsten Freitag finden. Über den Ausgang der Abstimmung wagt er keine Prognose. «Der Entscheid ist völlig offen.» In welche Richtung die Zukunft der Gemeinde immer führe: «Wir haben alles probiert und müssen uns später keine Vorwürfe machen.»

Cards: Fusion Lupfig und Scherz