Bözen

IG-Präsident überzeugt von Gemeindefusion: «Braucht viel Überzeugungsarbeit»

Manfred Trösch wohnt seit vier Jahren in Bözen. Emanuel Freudiger

Manfred Trösch wohnt seit vier Jahren in Bözen. Emanuel Freudiger

Neuzuzüger Manfred Trösch ist Präsident der jungen Interessengruppe Oberes Fricktal. Im Interview führt er aus, warum er sich an vorderster Front für eine Gemeindefusion im Oberen Fricktal einsetzt.

Seit vier Jahren lebt Manfred Trösch mit seinem 23-jährigen Sohn und seiner Lebenspartnerin Katarina Brass in Bözen. Von der Terrasse seiner modernen Wohnung überblickt er nicht nur das halbe Dorf, sondern auch die Verbindungsstrasse nach Elfingen. Vor einem Jahr ist Trösch in den «Vor-Ruhestand» getreten. Seither steht er der neu gegründeten Interessengruppe Oberes Fricktal (IG OF) als Präsident vor (siehe separater Text).

Was treibt den gebürtigen Habsburger an, sich an vorderster Front für die Fusion der Gemeinden Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen (BEEH) einzusetzen? Trösch sitzt am grossen Esstisch und beginnt zu erzählen: «In der Männerriege wurde ich in Diskussionen über die Zukunft unserer Gemeinde verwickelt. Dabei stellte ich fest, dass eine gewisse Unsicherheit besteht.» Nun will er es genau wissen.

Geschäftsführer in Wettingen

Der gelernte Elektroniker mit einem Doppelstudium in Informations- und Betriebstechnik arbeitete während mehrerer Jahre nebenberuflich in der Erwachsenenbildung.

1980 gründete er eine Elektronikfirma in Wettingen. Aus dem Einmannbetrieb entstand innert 30 Jahren ein stattliches Unternehmen mit 170 Angestellten. Die Firma befasst sich noch heute unter anderem mit der Entwicklung und Herstellung von elektronischen Geräten wie Kaffeemaschinen für die Gastronomie oder Knochenbohrmaschinen für die Chirurgie.

Während 20 Jahren lebte Trösch in der Gemeinde Unterbözberg, die heute Teil der Fusionsgemeinde Bözberg ist. Dort sind auch seine beiden Kinder, Virginia und Severen, aufgewachsen. Später zog es ihn für kurze Zeit nach Spreitenbach.

Der begeisterte Mountainbike-Fahrer lernte auf seinen Touren das sonnige Fricktal schätzen. Die Verbundenheit zur Region und die Aussicht auf weniger Nebel waren für Trösch gute Gründe, im Jahr 2010 in Bözen sesshaft zu werden.

Mit dem Verkauf seiner Firma gelang dem ehemaligen Geschäftsführer ein Befreiungsschlag. «Ich wollte nicht mehr jeden Tag von 7 bis 22 Uhr arbeiten, die Verantwortung für 170 Angestellte tragen und mich auf ein einziges Geschäftsfeld konzentrieren», sagt Trösch ganz entspannt. Damit sein Erfahrungsschatz und sein Netzwerk nicht brachliegen, gründete er anschliessend eine Beratungsfirma für den Aufbau neuer Kundenbeziehungen in der gleichen Branche.

Effizienz im Gemeinderat – Interessen bündeln

Welches ist also die optimale Grösse einer Firma oder einer Gemeinde? Diese Frage beschäftigt Trösch seit Jahren: «Diese Gedanken habe ich mir in Bözen von Anfang an gemacht.» Bei einer Fusion der BEEH-Gemeinden stiege die Einwohnerzahl auf 2500. Dann bräuchte es statt 20 nur noch 5 Mitglieder für den Gemeinderat. «Der Gemeinderat könnte effizienter werden und die Interessen der einzelnen Gemeinden besser bündeln. Vom Kanton könnte man – gemäss heutigem Stand – mit einem finanziellen Beitrag in der Höhe von knapp 20 Mio. Franken rechnen», sagt der 61-Jährige zu seinen Überlegungen.

Gegenüber anderen Fusionsprojekten erachtet er die Ausgangslage im Oberen Fricktal als vielversprechend: «Es gibt kein grosses kulturelles oder finanzielles Gefälle. Die Interessen lassen sich relativ einfach auf einen gemeinsamen Nenner bringen.» Man könne sich natürlich immer fragen, ob auch Zeihen oder Frick mitmachen soll, so Trösch. Wichtiger sei aber, die Nachbargemeinden auf dem Laufenden und die Türen offen zu halten. «Wir müssen nun einfach mal anfangen.» Das Thema beschäftige die Bevölkerung schon seit 2006. Die IG OF zählt mittlerweile 350 Mitglieder.

Die IG OF hat sich kürzlich mit Vertretern der neuen Gemeinderatsgremien zu einem Austausch getroffen. Von 20 Behördenmitgliedern sind 11 neu im Amt. Auch die vier Ammänner sind neu. «Unsere Anliegen haben für die Amtsträger verständlicherweise nicht die grösste Priorität. Da braucht es noch viel Überzeugungsarbeit», betont Trösch und hofft, dass der Souverän der BEEH-Gemeinden noch in diesem Jahr über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen abstimmen kann.

«Das darf nicht mehr passieren»

Im Oktober 2013 fand der erste öffentliche Infoanlass statt (die az berichtete). «Aus Sicht der Bürger wurde dort die Diskussionsrunde abgewürgt. Das darf nicht mehr passieren. Wir müssen dem Moderator das nächste Mal Unterstützung bieten», räumt Trösch ein. Mitte Jahr soll es eine zweite Veranstaltung geben. Läuft alles rund, könnte die Fusion laut dem IG-Präsidenten in der nächsten Amtsperiode Realität werden.

«Ich rechne mit 3 bis 5 Jahren Vorbereitungszeit. Da darf man sich keine Illusionen machen. Das Projekt Ligado und die Umsetzung der Verwaltungszusammenarbeit ist aus unserer Sicht nicht die endgültige Lösung, sondern der Weg zur Fusion», sagt Trösch und lässt den Blick wieder von Bözen Richtung Elfingen schweifen.

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