Lupfig
IG gibt Widerstand auf: Gemeinderat bewilligt Überbauung mit 29 Wohnungen

Vehement hat sich der Verein IG Weiermatt in Lupfig gegen das Bauvorhaben der Wohnbaugenossenschaft Lägern gewehrt – und gibt auf.

Claudia Meier
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Total 29 Wohnungen will die Bauherrschaft auf der Weiermatt realisieren. Die Visualisierung zeigt, wie sich die Überbauung dereinst präsentieren wird.

Total 29 Wohnungen will die Bauherrschaft auf der Weiermatt realisieren. Die Visualisierung zeigt, wie sich die Überbauung dereinst präsentieren wird.

cm (Lupfig, 27. Juni 2019) Bild: zvg/Nightnurse images

In Lupfig soll die Wiese im Einfamilienhausquartier zwischen Bachmattweg und Aermelgasse mit 29 Wohnungen überbaut werden. Das entsprechende Baugesuch der gemeinnützigen Wettinger Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern, kurz: Lägern Wohnen, lag im vergangenen Sommer öffentlich auf. Insgesamt 36 Einsprachen gingen bei der Gemeinde gegen das Bauvorhaben ein.

Davon entsprachen 35 Einsprachen dem von der IG Weiermatt, die das Projekt kritisiert, auf deren Website aufgeschalteten Musterbrief. Kritisiert wurde vor allem «der optisch geschlossene Gebäudekomplex, der in starkem Kontrast zur Feingliedrigkeit der umliegenden Gebäude steht». Eine Sammeleinwendung mehrerer Anwohner fiel umfangreicher aus. Im Herbst fanden die Einwendungsversammlungen statt.

Auf Nachfrage der AZ teilt der Vorstand der IG Weiermatt nun mit: «Der Gemeinderat Lupfig ist nicht auf die zahlreichen Einwendungen eingegangen.» Die Behörde habe der Überbauung in der Weiermatt die Bewilligung erteilt. «Wir von der IG Weiermatt und die anderen Einwender sind sehr überrascht, dass der Gemeinderat dieses Baugesuch in dieser Form bewilligt hat.» Die IG und ihr Baujurist schätzen die Chancen allerdings als gering ein, bei einem Weiterzug noch eine Projektanpassung erwirken zu können. «Wir haben uns entschlossen, diesen Schritt entsprechend nicht zu wagen, da mit relativ hohen Kostenfolgen bedingt durch die Grösse des Projekts zu rechnen ist», lautet die Bilanz des Vorstands.

IG Weiermatt zweifelt an Neutralität des Fachberichts

Dies sei sehr ärgerlich, «da weder der Gemeinderat noch die Bauherrschaft schlüssig aufzeigen konnten, dass der Fachbericht, der die Grundlage des Projekts bildet, neutral ist». Zwar geht der IG-Vorstand davon aus, dass ein zusätzlicher Fachbericht zu einem anderen Schluss kommen, dieser aber auf kantonaler Ebene trotzdem nicht zu einem Umdenken führen würde. «Es bleibt uns leider nichts anderes übrig, als den Entscheid des Gemeinderats zu akzeptieren», schreibt der Vorstand zum weiteren Vorgehen. Er ist weiter klar der Meinung, «dass es ein Fehlentscheid ist und das Quartier und Lupfig die Auswirkungen zu spüren bekommen werden». Damit meint die IG den städtebaulichen Wohncharakter sowie die Auswirkungen auf den Verkehr und die Belastung der Gemeindeinfrastruktur.

Lupfigs Gemeindeammann Richard Plüss bestätigt, dass der Gemeinderat die Bewilligung für die Wohnungsüberbauung Weiermatt erteilt hat. «Der Gemeinderat hat das Gesuch nach den baugesetzlichen Grundlagen beurteilt und nicht nach Emotionen», sagt Plüss. Nicht tangiert sei der bestehende öffentliche Fussweg dem Bach entlang. Dieser wird laut Plüss auch nicht verändert.

Die Kantonsarchäologie ist mit einem Bagger vor Ort

Vor zwei Wochen ist auf dem Grundstück bereits der erste Bagger aufgefahren. Aber nicht etwa für den Baustart, sondern weil die Kantonsarchäologie mittels Sondierfeldern herausfinden will, ob im Areal eine grossflächige archäologische Untersuchung eingeplant werden muss, bei der mit Überresten einer bronzezeitlichen Siedlung zu rechnen ist. «Dieses Gebiet ist in unserem Kataster als Verdachtsfläche eingetragen», sagt Leiter Georg Matter von der Kantonsarchäologie Aargau. Bei einer kleinen Sondierung vor einigen Monaten habe man hier Keramikstücke aus der Bronzezeit gefunden. Matter geht davon aus, dass der Bagger noch zwei, drei Wochen vor Ort sein und je nach Witterung tageweise in Lupfig gearbeitet wird. Bisher deute aber noch nichts auf eine vertiefte Untersuchung hin, sondern es werde vermutlich auf eine Begleitung des Bauprozesses hinauslaufen.

Zurück zum Bauvorhaben: Gehen keine Beschwerden ein, so wird die Baubewilligung in diesen Tagen rechtskräftig. Laut Geschäftsführer Christoph Bernet von Lägern Wohnen könnte diesen Herbst der Spatenstich erfolgen. Mit dem Bezug der 29 Wohnungen in den vier Gebäudekörpern ist ungefähr im Frühling 2022 zu rechnen.

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