«Ich bin etwas verwirrt», meinte der Beschuldigte zu Beginn der Befragung durch Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg vor dem Bezirksgericht in Brugg. «Ich bin ganz nervös.» Vorgeworfen wurden dem Mittvierziger Drohung, Beschimpfung, Tätlichkeiten sowie Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Dafür forderte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 60 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken.

Gemäss Anklage hatte der Beschuldigte seine getrennt lebende Ehefrau wiederholt als Schlampe bezeichnet und ihr gedroht, sie «totzumachen». Im Laufe der Auseinandersetzung, so die Anklage, habe er die Frau zudem geohrfeigt. Der Vorwurf des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage wurde erhoben, weil er der Frau im Laufe eines Tages nicht bloss zwischen 70 und 75 Nachrichten auf Facebook geschickt, sondern sie zudem im Halbstundentakt angerufen hatte. Das weil er sie dazu bringen wollte mit ihm zu reden. Allerdings befand sich die Frau zu dieser Zeit auf der Arbeit.

Die Frau hatte Strafanzeige erhoben. Sie war zwar als Auskunftsperson zur Gerichtsverhandlung vorgeladen, zog es aber vor, ohne Angabe von Gründen, nicht zu erscheinen.

Streit drehte sich um Geld

«Ich erinnere mich nicht an alles», erklärte der Beschuldigte, der wie er sagte, psychische Probleme hat. «Wir haben wegen Geld gestritten. Es hatte mit unserem Auto zu tun. Ich wollte das Auto verkaufen. Ich hatte die Kaufofferte einer Garage. Als ich die Offerte meiner Frau zeigte, sagte sie, dass ihr Cousin das Auto verkaufen würde. Sie hat dann das Auto hinter meinem Rücken verkauft und mir gesagt, dass sie mir meinen Anteil vor dem Anwalt übergeben werde. Sie hat mich in die Wangen gekniffen. Ich bin gesessen und habe sie abgewehrt. Wenn ich gestanden wäre, hätte sie nicht bloss ein rotes Ohr gehabt. Das war Selbstverteidigung.» Es stimme auch nicht, dass er die Frau als Schlampe bezeichnet habe. Er habe ihr in der gemeinsamen Muttersprache – Portugiesisch – bloss gesagt, dass sie zuhören und zu lügen aufhören solle. «Das hatte nichts mit Drohung oder Beschimpfung zu tun.»

Auf die Frage der Gerichtspräsidentin nach der Zahl der Telefonanrufe meinte der Beschuldigte: «Keine Ahnung. Ich wollte einfach mit ihr reden, um einen Weg zu finden. Aber sie gab keine Antwort. Es kann sein, dass ich alle 30 Minuten angerufen habe.» Zu den Facebook-Nachrichten sagte er: «Ja, ich habe Messages geschickt. Ich weiss nicht wie viele. Dass es 70 waren, glaube ich nicht. Das finde ich übertrieben.» In seinem letzten Wort versicherte er: «Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Daher würde ich gerne eine Chance bekommen.»

Drei Freisprüche

Diese Chance sollte er erhalten. Die Einzelrichterin sprach ihn von den Vorwürfen der Drohung, der Beschimpfung und der Tätlichkeiten frei, verurteilte ihn aber wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zu einer Busse von 200 Franken.

Wie die Gerichtspräsidentin bei der Begründung des Urteils sagte, habe sich für das Gericht die Frage gestellt, ob wegen der Abwesenheit der Klägerin und Auskunftsperson eine zweite Verhandlung durchzuführen sei. Das Gericht sei aber zum Schluss gekommen, dass eine Befragung der Auskunftsperson nicht notwendig sei. Die Aussagen des Beschuldigten seien in sich schlüssig. Damit würde Aussage gegen Aussage stehen. Beim Freispruch vom Vorwurf der Tätlichkeit wurde dem Beschuldigten die Abwehrbewegung als Notwehr zugestanden.

Zum Schuldspruch wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage stellte die Gerichtspräsidentin fest, dass die Häufigkeit der Anrufe und Nachrichten so gross sei, dass eine Persönlichkeitsverletzung der Klägerin vorliege. Der Beschuldigte habe mit Vorsatz und Mutwillen gehandelt. Der Tatbestand sei erfüllt. Das Verschulden sei jedoch eher gering. Daher sei eine Busse im unteren Bereich des Strafrahmens angemessen.