Das Vereinsleben: Es ist die Möglichkeit, ein Projekt anzupacken und etwas zu bewirken oder sich einfach auszutoben und die gesellige Runde zu geniessen. Wenn man Glück hat, findet man da aber auch die Liebe fürs Leben.

Bald ist es 14 Jahre her, dass sich Monika Brunner und Beni Ledergerber kennen gelernt haben. Sie stiessen zum Musicalverein Mutschellen hinzu, sie angereist aus dem Zürcher Oberland und er aus Mülligen. Es war damals weit und breit der einzige Verein dieser Art.

Im Probelokal in Bremgarten erzählen sie, wie sie sich durch das gemeinsame Hobby immer näher kamen. An einer Wand voller Fotos von vergangenen Auftritten prangt ausgerechnet ein grosses Bild vom Musical «Ausbruch» – dem ersten, an dem sie gearbeitet haben. «Ich spielte da einen Polizisten», sagt Beni Ledergerber, «und ich eine Gefangene», fügt Monika Brunner hinzu. «Unsere ganze Geschichte hängt hier», sagt sie.

Liebe auf den ersten Blick sei es nicht gewesen, erzählt Beni, vielmehr wuchs die Vertrautheit zwischen ihnen durch die viele gemeinsame Zeit. 2005 am Probewochenende im Tessin dann habe es definitiv gefunkt. «Ich war Hals über Kopf verliebt», sagt Monika.

Im Verein hielten sie ihr Verhältnis aber vorerst bedeckt, das Outing als Paar kam erst später durch ein lustiges Versehen: Beni wollte Monika anrufen, um ihr am Telefon ein Lied vorzusingen. «Etwas von Billy Idol war es, glaube ich, nicht mal etwas mega Romantisches», erzählt er. Nur gibt es im Musicalverein aber zwei Monikas – und natürlich wählte er die Nummer der falschen.

Nach dem kleinen Missverständnis war dann die andere Monika als Erste im Verein eingeweiht. Kurz vor der Premiere fielen sie aber definitiv als Paar auf, als sie mit der Gruppe an der Reuss sassen. «Wir haben da den ‹Fehler› gemacht, mit der gleichen Salatgabel zu essen», sagt Monika. Eine Dame aus dem Verein bemerkte es und sagte vor allen: «Ihr seid ja sehr vertraut miteinander.» Von da an war der Fall klar.

Mutige Schritte nötig

Damit ihre Liebe aber weiterleben konnte, waren mutige Schritte nötig. Der Name des damaligen Musicals – «Ausbruch» – sollte für die beiden eine tiefere Bedeutung erlangen, standen damals doch noch beide in einer Beziehung. Es dauerte eine Weile, bis sie gemeinsam ihren Weg gehen konnten.

Er war damals 49 Jahre alt, sie 35. «In dem Moment, in dem man sich verliebt, ist man aber wieder wie 20», sagt Monika. Sie gab ihre Anstellung in der Gemeinde Pfäffikon ZH auf, um nach Mülligen zu Beni zu ziehen. Heute mag sie die Region sehr. «Der Aargau ist viel schöner, als ich es als nichtsahnende Zürcherin gemeint hatte», sagt sie.

Auf jeden Fall sei es ein grosser Einschnitt in das Leben von beiden gewesen. «Wir sind aber sehr froh, das war es wert», sagen sie. Die Leidenschaft für die Musik verbindet die beiden, so auch die gemeinsamen Freunde im Verein und die Projekte, die sie zusammen anpacken. Beide spielen zudem in Coverbands mit, sie in der Funk/Rock-Formation «2continue» und er in einer 60ies/70ies-Band namens «Chällerbuebe».

Hie und da wirken sie als Statisten oder Helfer mit bei anderen Produktionen, etwa im Zürcher Theater 11 oder früher in der Oper Schenkenberg. Beide lieben zudem den Hallwilersee, verbringen im Sommer viel Zeit im dortigen Bootshaus. Sie reisen gerne, träumen vom eigenen Wohnmobil und planen diesen Sommer eine grosse Reise nach Skandinavien.

Dieses Jahr kein neues Paar

Derzeit probt der Musicalverein Mutschellen dreimal pro Woche für das Stück «No nöd ganz 100!». Erst kürzlich sind sie aus dem Probewochenende im Schwarzwald zurückgekehrt. Dieses Mal hat sich da kein neues Paar gebildet? «Offenbar nicht», sagt Monika Brunner gut gelaunt, aber man wisse ja nie. Im neuen Stück spielt sie Erna, eine tollpatschige, 80-jährige Frau, die ständig in die falsche Richtung läuft und für viel herzhaftes Lachen beim Publikum sorgen dürfte. «Für die Rolle muss ich mich nicht mal gross umstellen, denn ich bin auch im wahren Leben etwas so», sagt sie.

Im Stück kehrt ein 50-Jähriger arbeitslos zum Haus seiner Mutter zurück und überredet diese dazu, dort eine Alters-Wohngemeinschaft zu eröffnen, um Geld einzubringen. Bald schon ziehen mehrere «Oldies» ein und es entsteht eine temporeiche Komödie, die auch die Tränendrüsen des Publikums anregen soll. Beni Ledergerber spielt dort den Fitnesstrainer Mike.

Derzeit arbeiten Monika und Beni voller Hingabe an den vielen Requisiten. Einiges stammt aus ihrem Haushalt und ihrem Lager in einer Scheune in Mülligen. «Dem Publikum fällt so was kaum auf, aber es sind tausend kleine Dinge, an die wir denken müssen», sagt Monika Brunner. Viele Gegenstände müssten etwa aus Plastik sein, damit sich niemand auf der Bühne verletzt, aber dennoch zum verwechseln echt aussehen.

Einige Dinge müssen sie noch kreativ dazubasteln, nebst den Kostümen auch etwa Smoothies und Torten aus Kunststoff. Letztes Wochenende haben sie ein grosses Flaschenkostüm sowie eine runde, leuchtende Kugel erstellt. «Ein über 300 000 Jahre alter Kraftstein ist das», sagt Beni humorvoll.

Derzeit arbeiten sie auch an den Perücken für die Darstellerinnen und Darsteller, die alle auf alt geschminkt werden müssen. Beim Besuch bei einer Probe in Bremgarten sah man sie aber noch ohne Kostüme singen und tanzen.

Premiere ist Ende März

18 Personen werden beim Musical auf der Bühne stehen, dazu kommen noch zehn Helfende. Die Premiere findet Ende März in Wohlen statt. «Das Projekt sind die Proben an sich. Die Aufführungen sind dann der Lohn dafür», sagt Monika Brunner. 2011 hatte sie noch das Drehbuch zum Stück «Hausgemacht» geschrieben. Heute ist sie neben den Requisiten auch im Chor, als Solistin und für den Ticketvorverkauf, das Sponsoring und die Werbung zuständig.

Der Musicalverein Mutschellen übrigens war der Initiant des Stücks «Space Dream», das 1994 in Berikon an der Gewerbeausstellung uraufgeführt wurde und später vom Verein abgekoppelt jahrelang in Baden und in Winterthur über die Bühne ging. Heute produziert der Verein alle zwei Jahre ein neues Musical.