Sex-Sadist vor Gericht
«Ich habe mich entschlossen, mich nicht zu entschuldigen»

Heute stand der Mann aus Hendschiken, der mehrere Afrikanerinnen betäubt und missbraucht hat, zum zweiten Prozesstag vor dem Bezirksgericht Brugg. Die Staatsanwältin fordert elf Jahre Haft, der Verteidiger einen Teil-Freispruch.

Noemi Lea Landolt
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Der Sex-Sadist aus Hendschiken kommt beim Bezirksgericht Brugg an.

Der Sex-Sadist aus Hendschiken kommt beim Bezirksgericht Brugg an.

Screenshot

"Ich habe mich entschlossen, mich nicht zu entschuldigen", sagte der 63-jährige Mann aus Hendschiken am zweiten Prozesstag vor dem Bezirksgericht Brugg.

Er wird beschuldigt, sieben Frauen betäubt, geschändet und sie dabei gefilmt zu haben. Bevor sich die Richter zur Urteilsberatung zurückgezogen haben, hatte er das letzte Wort. In geschliffenem Hochdeutsch führte er aus, dass er sich nicht entschuldige, weil er das, wofür er angeklagt sei, nicht getan habe. "Ich habe nichts anderes gemacht, als andere Männer, die sich eine Nutte, eine Prostituierte oder eine Hure nehmen."

Er bereue jedoch zutiefst, dass er die Videos gemacht habe. "Ohne Videos wären wir nicht hier. Es wäre niemandem etwas passiert. Ich hätte meinen Spass gehabt, die Frauen ihr Geld."

Manipulativ und redegewandt

Staatsanwältin Flavia Roy sieht das anders. Sie fordert elf Jahre Haft und eine begleitende ambulante Massnahme für den Beschuldigten. Unter anderem wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher Gefährdung des Lebens und mehrfacher versuchter, schwerer Körperverletzung. Dank der Videos hätten sieben Frauen ermittelt werden können. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es noch weitere Opfer gebe.

Den Frauen sei erst bewusst geworden, was der Beschuldigte mit ihnen gemacht habe, als ihnen die Videos in der Einvernahme gezeigt wurden. "Keine von ihnen hätte sich, auch nicht für Geld, auf solche Spiele eingelassen", sagt Roy. Der Beschuldigte sei rücksichtslos und grausam vorgegangen: "Es ging ihm nur um seine Befriedigung und jede Einsicht fehlt", sagt Roy.

Ganz am Anfang der Ermittlungen habe er gesagt, er habe die Frauen nicht über sein Vorhaben aufgeklärt, "weil es hätte sein können, dass das Mädchen dann etwas nicht gewollt hätte". Das psychiatrische Gutachten zeige zudem, dass der Beschuldigte eine ausgeprägte Manipulationstendenz besitze und sehr redegewandt sei.

"Gewöhnlicher BDSM-Sex"

Paul Hofer, der Verteidiger des Beschuldigten, führt in seinem Plädoyer aus, die Frauen hätten das Medikament alle freiwillig eingenommen und seien von seinem Mandanten aufgeklärt worden, dass es schläfrig mache. Auch hätten die sexuellen Handlungen in gegenseitigem Einvernehmen stattgefunden. «Was auf den Videos zu sehen ist, ist nicht mehr oder weniger als gewöhnlicher BDSM-Sex», sagte Hofer.

Dass sich die Frauen auf den Videos wehrten oder «Nein» sagten, bedeute nicht, dass sie das nicht gewollt hätten. «Es ist Teil des Spiels, dass man sich wehrt», sagt Hofer. Er verlangt, seinen Mandanten unter anderem von der sexuellen Nötigung, der Gefährdung des Lebens und der versuchten, schweren Körperverletzung freizusprechen.

Er beantragt eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für den Straftatbestand der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Auch in diesem Punkt ist der Beschuldigte angeklagt und geständig. Er hatte in Dottikon und in Hausen eine Hanfanlage betrieben.

Zwei der Frauen klagen auch zivil: Sie fordern über zehntausend Franken Genugtuung und Schadenersatz. Die Zivilklagen seien abzulehnen, fordert Verteidiger Paul Hofer. Das Urteil wird nächste Woche verkündet.

Unseren Bericht zum ersten Prozesstag lesen Sie hier.