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«Ich fühle mich nicht in die Provinz versetzt»

Thomas F. Hauser, CEO Brugg Cables (Kabelwerke Brugg AG Holding)

Thomas F. Hauser, CEO Brugg Cables (Kabelwerke Brugg AG Holding)

Thomas F. Hauser, CEO von Brugg Cables AG, sagt, weshalb die lokal verankerte Traditionsfirma global agiert und weiss, was es zwingend braucht, konkurrenzfähig zu sein.

Thomas Hauser, die jüngste Ausgabe des KMU-Barometers zeichnet ein schwieriges Bild für KMU in der Schweiz. Wie geht es der Firma Brugg Cables AG?

Thomas Hauser: Sie schloss 2012 leicht besser ab als erwartet. Wir konnten einige Projekte im Hochspannungsbereich realisieren. Zudem lief der Bereich der Mittel- und Niederspannung in der Schweiz und in den umliegenden Ländern wie Deutschland, Italien oder Österreich ganz ordentlich. Doch wegen der weltweiten Überkapazität in der Kabelproduktion sind die Margen enorm unter Druck geraten und wir müssen bei jedem Projekt zwischen der tiefen Marge und der Produktionsauslastung abwägen.

Wie steht es mit anderen Ländern?

Die Situation hat sich zugespitzt. Einerseits gehen die Projekte zu Spottpreisen weg, andererseits versuchen gewisse internationale Kunden alles, um die Bezahlung der offenen Rechnungen herauszuzögern.

Wie das?

Das Debitorenmanagement wird nun auch in einem derart technischen Betrieb wie dem unsrigen immer wichtiger. Zudem sind die Energieversorgungsunternehmen am Sparen, weshalb der Preis enorm wichtig geworden ist. Qualität und Lieferbereitschaft sind sekundär geworden.

Also ist die Schweiz und die damit assoziierte Qualität kein ausschlaggebendes Kriterium mehr für die Kunden?

«Schweiz» und «Qualität» ist zwar nach wie vor ein Label, aber es spielt nicht mehr jene Rolle wie noch vor einigen Jahren. Da uns am Verhandlungstisch nicht mehr die technischen Leute, sondern Einkäufer gegenübersitzen, sind Preis und Verfügbarkeit das Mass aller Dinge.

Wenn Sie einen Auftrag an Land ziehen wollen . . .

. . . dann müssen wir auf jeden Fall unter den ersten drei Anbietern sein.

Was ist zwingend, um konkurrenzfähig zu sein?

Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und uns kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern. Das heisst, die Prozesse der Zusammenarbeit müssen überarbeitet und entschlackt werden. Weiter braucht es ein klares Rollenverständnis und nicht zuletzt innovative Produkte und Dienstleistungen.

Brugg Cables AG hat vor fünf Jahren 20 Prozent des Umsatzes in Dubai erwirtschaftet. Dubai galt als Märchenland. Dann kam der wirtschaftliche Einbruch. Hat sich die Firma aus Dubai verabschiedet?

Nein. Wir sind jedoch vermehrt nach Abu Dhabi und Kuwait ausgewichen. Zudem gibt es in der Region noch einige Länder, die in Zukunft für das Projektgeschäft interessant werden könnten. Aber generell ist es so, dass diese Länder ein hartes Pflaster sind.

Wollen Sie dennoch im Mittleren Osten bleiben?

Ja, denn der Mittlere Osten bleibt auch noch in naher Zukunft ein wichtiger Markt, vor allem wenn man Indien und Irak dazu zählt. Zusätzlich wollen wir auch in Europa unsere Vertriebsaktivitäten weiter ausbauen und den Ausbau der Energienetzwerke vorantreiben.

Welche Länder gelten als verlässliche Partner?

Die Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien.

Sie haben aber auch Standbeine in Osteuropa?

Ja. In Polen konfektionieren wir in unserem Produktionsbetrieb Kabel für die Industrie. In der Tschechischen Republik und in Russland unterhalten wir Vertriebsstandorte.

Wie laufen die Geschäfte dort ab?

Entweder über eine eigene Tochtergesellschaft oder über Partnerfirmen, die vor Ort präsent sind.

Was ist mit Russland?

Die boomenden Regionen sind um Moskau und St. Petersburg situiert. Dort tätigen wir Projektgeschäfte – alle aufgrund von öffentlichen Ausschreibungen. Ganz im Osten von Russland haben wir erst kürzlich ein Sensorkabelprojekt zur Pipelineüberwachung abgeschlossen. Die Anlage steht auf der Insel Sachalin . . .

. . . der einstigen Sträflingskolonie, die schon der russische Schriftsteller Anton Tschechow aufgesucht und beschrieben hat.

Genau, nur waren wir freiwillig dort.

Was ist mit dem wirtschaftlich rasant wachsenden China?

Dem tragen wir auch Rechnung. Wir sind seit einigen Jahren in Schanghai und Suzhou vor Ort tätig. Im letzten Jahr haben wir in Suzhou eine Produktionsstätte für Hochspannungszubehör aufgebaut. Suzhou ist ein aufstrebender Bezirk und hat heute neben Schanghai den grössten Energiebedarf in China.

In welchem Bereich ist Brugg Cables AG in China tätig?

Vor einigen Jahren konnten wir noch regelmässig Energiesysteme nach China liefern. In der Zwischenzeit haben die Chinesen mächtig in diese Technologie investiert, um den riesigen Bedarf für den rasanten Netzausbau abzudecken. In der Stadt Yixing, einem einstigen Keramikzentrum, steht heute eine Kabelfabrik nach der anderen. Alle diese Fabriken produzieren Kabelsysteme bis 245kV.

Worauf konzentriert sich Brugg Cables in China primär?

Das oberste Ende des Hochspannungsbereiches. Wir liefern vor allem Zubehör und sporadisch auch ganze Kabelsysteme. Zusätzlich produzieren wir in Suzhou für einen Industriekunden in China sogenannte Belts.

Was ist darunter zu verstehen?

Eine Art Flachriemen für die Liftindustrie, die anstelle von Zugseilen installiert werden. Diese stahlseilverstärkten Flachriemen sind viel flexibler und robuster als die Stahlseile. Zudem können die kleineren Radien gefahren werden.

Spielt das eine Rolle?

O ja. Das bringt Einsparungen und Vereinfachungen beim Aufzugshersteller.

Ist die Brugger Firma auch in den USA verankert?

Ja, obgleich der Markt im Bereich Hochspannungsanlagen nicht einmal besonders gross ist. Trotzdem ist dieser Markt interessant, weshalb wir in den letzten Monaten in die Modernisierung der Produktionsanlagen investiert haben. Ich freue mich sehr, dass wir heute in Rome, im Bundesstaat Giorgia, mit unserem Team von 10 Mitarbeitern eine topmoderne Produktionsinfrastruktur einweihen können.

Was wird in Rome hergestellt?

Erdseile mit Glasfaser. Dies sind Stahlseile, die bei Freileitungen von Mastspitz zu Mastspitz gespannt werden – so vor Blitzen schützen und dabei gleichzeitig Daten übertragen.

Brugg Cables ist global tätig, aber lokal verankert. Lokal gleich Provinz?

Ich fühle mich nicht in die Provinz versetzt. Gerade von hier aus lässt es sich international sehr gut wirken.

Auf was kommt es vor allem an?

Auf Mitarbeitende mit guten Fachkenntnissen und dem Willen, die Firma weiter zu bringen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Prozesse, die Effizienzsteigerung und das Entwickeln von innovativen Produkten und Dienstleistungen sind entscheidende Kriterien, um in einem so hart umkämpften Markt zu bestehen. Und die Basis dafür haben wir in Brugg gelegt, deshalb ist der Standort Brugg wichtig.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Die permanente Weiterentwicklung des Unternehmens und die damit verbundenen Investitionen. Im Juni dieses Jahres werden wir unser neues Hochspannungslabor eröffnen, das uns die Prüfungen von Kabeln und Zubehör im eigenen Haus in den höchsten Spannungsbereichen erlaubt. Zudem können wir das Labor auch externen Interessenten anbieten.

Welche Investitionen haben Sie noch in Angriff genommen?

Die Produktionsanlagen für den Hochspannungsbereich werden erweitert, womit wir dem steigenden Bedürfnis nach grösseren Kabellängen nachkommen. Damit sind wir ideal für den künftigen Netzausbau in der Schweiz und Deutschland gerüstet.

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