«Lüt usem Aargau»
«Ich dachte, das sei das Januarloch»: Im Winter ahnte die «Grotto»-Wirtin nichts vom drohenden Aus

Für unsere Video-Serie «Lüt usem Aargau» haben wir Brigit Gerber im Februar in ihrem «Grotto» zu einem Video-Interview getroffen. Angst kenne sie nicht, sagte sie damals. Und das ist auch jetzt noch so, auch wenn ihr Restaurant Ende August schliessen muss.

Simone Morger
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Es war gerade nicht so viel los, als ich an jenem Februarvormittag spontan in Brigit Gerbers «Grotto» schneite. Die Wirtin sagte sofort zu, mir fünf persönliche Fragen für unsere Video-Serie «Lüt usem Aargau» zu beantworten.

Eine gut gelaunte, optimistische Frau habe ich in Erinnerung. Zum Glücklich-sein reiche ihr ein sonniger Tag, sagte sie. Dass sie ihr «Grotto» schliessen muss, daran dachte sie damals nicht im Traum. Auch nicht, weil gerade Flaute herrschte.

«Ich dachte, das sei das Januarloch», sagt Brigit Gerber heute am Telefon. Für die Wirtin nichts Beunruhigendes. Im Februar habe sie diese Flaute dann mit den Skiferien gerechtfertigt. «Doch im März ist es dann schon etwas schwierig geworden.» Und irgendwann haben die Erklärungen ganz gefehlt.

Am 31. August schliesst Brigit Gerber ihr Restaurant beim Bahnhof Brugg. Den Schlussstrich habe sie ziehen müssen. «Ich bin jemand, der eine Entscheidung treffen muss – und dann ist es auch so.»

Video-Serie «Lüt usem Aargau»

Wir wollen den Menschen im Aargau eine Stimme geben – und so dem Kanton ein Gesicht. Den verschiedensten Interviewpartnern stellen wir dieselben Fragen zum Leben – und zwar dort, wo sie ihren Tag verbringen. Es geht um Heimat, Glück oder Angst. Kultureller oder geografischer Hintergrund spielt keine Rolle, die Interviewpartner sollten einzig im Kanton wohnen.

Hören Sie sich an, was die Aargauer zu sagen haben: in unserem Dossier zur Serie.

Ein 30 Jahre lang gehegter Traum

Auf die Frage, was das Beste sei, das ihr in ihrem Leben passiert ist, antwortete gelernte Lebensmittelingenieurin im Februar: «Dass ich einen Traum verwirklichen konnte – wer kann das schon?»

Brigit Gerber meint damit ihr Restaurant, das sie 2005 zusammen mit Irma Huber eröffnet hatte. Lange hat sie diesen Traum durchs Leben getragen, 30 Jahre lang. Gerade mal 20 war sie, als sie zum ersten Mal vom eigenen Restaurant träumte. «Ich habe keine Minute bereut», sagt sie heute, zwölf Jahre später.

Die Sorge um die Mitarbeiter

Ihren beiden Mitarbeitern habe sie bei der Stellensuche unter die Arme greifen können, für beide zeichne sich eine Lösung ab. Die Sorge um die Mitarbeiter, «das war eigentlich das Schwierigste für mich», sagt Gerber.

Und sie selbst? «Ich habe meine Flügel bereits ausgestreckt», sagt sie. Korrigiert dann zwar – «die Fühler ausgestreckt». Aber die Flügel, die passen ganz gut zu dieser Frau. Brigit Gerber setzt sich hinweg über ein allfälliges Jammertal und sagt: «Es kommt wieder etwas Neues.»

«Ein paar Hirngespinste»

Vielleicht wird sie dereinst wieder ihren gelernten Beruf ausüben und als Lebensmittelingenieurin tätig sein.Etwas kürzer treten will die 60-Jährige auch. Ein 100-Prozent-Pensum kann sie sich nicht mehr vorstellen. Denn es gibt da auch noch ein paar «Hirngespinste», die sie umsetzen möchte. Neue Träume eben.

«Angst kenne ich nicht», sagte Brigit Gerber im Interview im Februar. Und das ist auch jetzt noch so.

Weitere «Lüt usem Aargau» im Video-Interview: