Diese Woche schreibt die 1700-Einwohner-Gemeinde Villnachern mit zwei Vertragsunterzeichnungen Geschichte. Ammann Roland König sprach am Montagabend im Sitzungszimmer des Gemeinderats von einem wichtigen Schritt für die Zukunft des Dorfs. In einem Prozess, der vor zwei Jahre begann, hat die privatrechtliche Elektrizitätsgenossenschaft Villnachern (EGV) den Verkauf der Anlagen für die Versorgung der Gemeinde mit elektrischer Energie an ein grösseres Unternehmen vorbereitet und im Mai dieses Jahres von den rund 65 Genossenschaftsmitgliedern absegnen lassen. Der Entscheid fiel zum Verkaufspreis von 6,9 Millionen Franken zugunsten der IBB Strom AG und gegen das AEW aus.

Die Gründe für den Verkauf seien die zunehmende Komplexität für den Betrieb des Stromnetzes sowie Nachfolgeschwierigkeiten im Vorstand der EGV, erklärte der 71-jährige Präsident Roland Meier. Mit der IBB setzt die EGV auf einen bewährten Partner, mit dem sie in der Vergangenheit schon für den Netzunterhalt gut zusammengearbeitet hat.

Volk hiess Konzessionsvertrag gut

Als Voraussetzung für diesen Verkauf per 1. Januar 2019 gab das Stimmvolk an der Sommergmeind im Juni dem Gemeinderat grünes Licht für das Unterzeichnen eines Konzessionsvertrags zwischen der IBB Strom AG und der Gemeinde Villnachern. Dieser Vertrag regelt «die Inanspruchnahme von öffentlichem Grund für den Leitungsbau, die Übertragung von elektrischer Energie und Daten, soweit die Stromversorgungsgesetzgebung und die damit verbundenen Ausführungsbestimmungen sowie das Raumplanungsgesetz hierfür Raum lassen». Das heisst: Mit der Unterzeichnung des Konzessionsvertrags fand am Montagabend die Umsetzung des Volkswillens statt. Anwesend waren neben Gemeindeammann König und EGV-Präsident Meier auch Gemeindeschreiber Benjamin Plüss, der zuständige Gemeinderat Richard Zickermann sowie von Seite der IBB Philippe Ramuz, Geschäftsleiter Netz-Dienstleistungen, und CEO Eugen Pfiffner.

Mit dem Verkauf des Stromnetzes gehe in Villnachern nach 104 Jahren eine äusserst erfolgreiche Geschichte zu Ende, hielt Roland König fest. Er lobte die hervorragende, präzise und seriöse Arbeit des EGV-Vorstands sowie dessen grosses Verantwortungsbewusstsein für die sichere und reibungslose Stromversorgung im Dorf. «Wir wollen uns deshalb bei der EGV bedanken, dass sie den Verkauf profimässig vorbereitet und einen zukunftsorientierten Entscheid getroffen hat», fuhr König fort.

Das eigentliche Hauptgeschäft, die Unterzeichnung des Verkaufsvertrags, fand gestern Donnerstagabend zwischen IBB- und EGV-Vertretern am Hauptsitz der IBB in Brugg statt. Der Verkaufserlös von 6,9 Millionen Franken (davon geht noch zirka 1 Million für Steuern an Bund, Kanton und Gemeinde weg) fliesst an die EGV und nicht etwa in die Gemeindekasse. Gemäss den revidierten Statuten erhält jedes Genossenschaftsmitglied bei einem Verkauf, sofern es der Erlös zulässt, 1000 Franken als Entschädigung für die eingegangene Haftung.

Geld für nachhaltige Projekte

Die alten Statuten hätten vorgesehen, den Verkaufserlös unter den Genossenschaftern aufzuteilen. Das heisst, in diesem Fall hätte jeder Genossenschafter zirka 100 000 Franken bekommen. Stattdessen steht jetzt in den Statuten: «Der Verkaufserlös wird in eine zu gründende Stiftung eingebracht.» Nach dem Beiziehen eines Rechtsberaters ist der EGV-Vorstand zum Schluss gekommen, dass anstelle einer Stiftung eine gemeinnützige Genossenschaft gebildet werden soll mit dem Zweck, das Kapital zu verwalten und für nachhaltige Projekte, die der Bevölkerung von Villnachern etwas bringen, einzusetzen.

«Das Ziel ist es, das Kapital bis zirka im Jahr 2030 aufzubrauchen», sagte EGV-Präsident Meier. Zur Neubildung der Genossenschaft und des Vorstands findet am 7. September eine ausserordentliche Generalversammlung statt. Die Gemeinde kann künftig bei der Genossenschaft Anträge einreichen, wenn sie Projekte hat, die sie mit dem IBB-Geld finanzieren möchte. Das letzte Wort haben die Genossenschafter.

Gemeinderat Richard Zickermann wies auf die Gründergeschichte der EGV hin und lobte die Risikobereitschaft der damaligen Pioniere. IBB-CEO Eugen Pfiffner, sprach von einem tollen Signal an die Dorfgemeinschaft, dass die EGV vorhabe, den Verkaufserlös der Bevölkerung zukommen zu lassen. Philippe Ramuz erwähnte den guten Zustand des Stromnetzes. Zum Abschluss versprachen die IBB-Vertreter, alles daran zu setzen, um die bisher erfolgreiche Stromversorgungsgeschichte in Villnachern fortzusetzen.