Die Bilanzsumme der sechs Raiffeisenbanken der Region Baden Brugg ist Geschäftsjahr 2015 um 5,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Franken gewachsen. «Unsere Banken haben hervorragende Werte erzielt», sagt Daniel With. Die Bankleiter Daniel With (Rohrdorferberg-Fislisbach), Hanspeter Lüthi (Siggenthal-Würenlingen) und Patrick Binkert (Würenlos) präsentierten die Geschäftszahlen der sechs regionalen Finanzinstitute. Fast in allen Bereichen haben sie zugelegt, beim Geschäftserfolg sind es über 10 Prozent.

Die Raiffeisenbanken sind schwergewichtig Hypothekarbanken. «Die rege Bautätigkeit hat massgebend zum Erfolg beigetragen», sagt Lüthi. 2015 ist das Hypothekargeschäft um rund 5 Prozent gewachsen. Dabei achten sie auf die Qualität der Kunden. «Dank vorsichtiger Kreditpolitik liegen Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste auf sehr tiefem Niveau», sagt Lüthi. In diesem Jahr erwarten sie einen geringeren Zuwachs. «Beim Wohneigentumsmarkt stellen wir eine gewisse Beruhigung fest», sagt With. Vor allem im hohen Preissegment seien die Preise bereits zurückgegangen. Kritischer sehen sie die Situation bei Renditeobjekten wie Geschäfts- oder Mehrfamilienhäuser. Die Leerstände nehmen zu. Das tiefe Wirtschaftswachstum werde den Druck noch verstärken.

Über 90 Prozent der Ausleihungen können die Banken mit eigenem Geld refinanzieren. Denn gewachsen sind nicht nur die Ausleihungen, sondern auch die Kundengelder. Sie haben auf über 4,7 Milliarden Franken zugenommen. Wegen der geringen Zinsen besteht momentan ein gewisser Anlagenotstand. «Wie gross er ist, hängt vom Risikoprofil des Kunden ab», präzisiert With. Wer bereit sei, ein höheres Risiko auf sich zu nehmen, könne noch gute Renditen erzielen. With geht davon aus, dass diese Situation 2016 anhalten wird. Seit rund 30 Jahren würden die Zinsen tendenziell sinken, stellt Binkert fest. «Jetzt erwarten wir bei den Zinsen eher eine Trendwende.»

Handy wird zum Bankschalter

Vor einem Jahr gab die Schweizerische Nationalbank den Wechselkurs des Frankens frei. Das haben die Raiffeisenbanken gespürt. Viele Leute richteten Eurokonti ein und haben bei den Banken Euros eingetauscht. «Wir mussten mehr Euros bereithalten», sagt Binkert. Seither werden auch an den Bancomaten viel mehr Euros bezogen. Konkurrenziert wird der Bargeldverkehr mit neuen Varianten des Mobilebankings. «Mit dem Handy funktionieren Überweisungen einfach und schnell», sagt With. Es sind vor allem junge Kunden, die diese Zahlungsart nutzen. Lüthi bestätigt: «Wir Banken müssen diesen Trend mitmachen.» Raiffeisen habe ein Pilotprojekt mit Chat-Verbindung lanciert. «Der persönliche Kontakt mit dem Berater geniesse aber nach wie vor höchste Priorität», sagt With.

Die sechs Raiffeisenbanken gehören 54 920 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern. Das sind gegen ein Viertel der Einwohner in den beiden Bezirken. Erstmals ist die Mitgliederzahl im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Ursache liegt primär bei der Raiffeisenbank Lägern Baregg. Sie hat im 2015 den Anteilschein von 200 auf 500 Franken erhöht. «Dadurch konnten wir das Eigenkapital um das 2,5-Fache steigern», sagt deren Leiter Federico Hürsch. 450 Mitglieder hat die Bank mit verloren, sie machten die Kapitalerhöhung nicht mit. Ebenfalls einen leichten Rückgang musste die Raiffeisenbank Würenlos verzeichnen. «Es muss nicht mehr jeder Neukunde Mitglied werden», sagt Binkert.

Wettinger Projekt schubladisiert

Die Raiffeisenbank Lägern-Baregg, lange Jahre die grösste der Region, wird immer deutlicher von der Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach distanziert. Bankleiter Hürsch begründet dies mit der neuen Strategie: «Wir haben unseren Fokus auf qualitativ gute und ertragsbringende Finanzierungen gelegt, was sich im verlangsamten Wachstum niederschlägt.» Zudem habe sein Institut in den letzten Jahren hohe Abschreibungen vorgenommen, die nicht mehr in den Rechnungsabschluss einfliessen. Die Abschreibungen wurden im Hinblick auf einen neuen Hauptsitz in Wettingen getätigt. «Inzwischen sind die Pläne tief in einer Schublade verschwunden», sagt Hürsch. Bei der Raiffeisenbank Wasserschloss läuft dagegen ein intensives Bauprogramm. Die Geschäftsstellen werden modernisiert. Die Raiffeisenbank Aare-Reuss ist daran, einen neuen Hauptsitz an der Lenzburgerstrasse in Mellingen zu beziehen. Neue moderne Büroeinrichtungen können zur Effizienzsteigerung beitragen. «Im Neubau in Untersiggenthal konnten wir die Arbeitsprozesse vereinfachen und Kosten sparen», sagt Lüthi.