Tonja Kaufmann sprüht vor Energie. Das Kribbeln sei mehr und mehr zu spüren, sagt die OK-Präsidentin des Husemer Fäscht 2019 mit einem strahlenden Lachen. Am kommenden Wochenende steigt der Grossanlass, der einmalig ist für das Dorf mit seinen rund 3650 Einwohnern.

Zum Gespräch an diesem sommerlich-warmen Nachmittag erscheint Tonja Kaufmann mit einer grossen, knallgelben Blume aus Holz, dem omnipräsenten Festlogo. Trotz proppenvollem Terminkalender wirkt die 32-jährige überhaupt nicht gestresst. «Ich bin grundsätzlich ein sehr organisierter Mensch.»

Gründe zum Feiern gibt es gleich mehrere in Hausen: die Einweihung der neuen Mehrzweckhalle mit dem Gemeindesaal, die 50-jährige Partnerschaft mit der Gemeinde Hausen im Wiesental D, das im 2-Jahres-Rhythmus stattfindende Jugendfest, das 50-jährige Bestehen der alten Mehrzweckhalle sowie der 765. Geburtstag der Gemeinde Hausen AG. «Wenn nicht jetzt, wann dann?», fragt Tonja Kaufmann.

Die Vereine betreiben die Beizen

«Wir bieten ein attraktives und abwechslungsreiches, kunterbuntes Rahmenprogramm», versichert die OK-Präsidentin. «Für alle, Mann oder Frau, jung oder alt, für jede Geschmacksrichtung ist das Passende dabei.» Zu erwarten seien musikalische, turnerische, tänzerische und humorvolle Darbietungen, dazu kulinarische Köstlichkeiten. Die Bars und Festbeizen werden durch insgesamt zehn Dorfvereine geführt, die bei der Gestaltung und dem Angebot grösstenteils selbstständig waren.

Auch die Schule wird sich präsentieren. «Wir sind in den letzten Jahren stetig gewachsen, mittlerweile zählen wir rund 280 Schülerinnen und Schüler», stellt die OK-Präsidentin fest. Diese seien mit grosser Begeisterung und Kreativität am Basteln sowie am Proben der Beiträge für die traditionelle Morgenfeier. Die bekannten Elemente vom Jugendfest dürften auch beim Husemer Fäscht 2019 nicht fehlen. «An den alten Traditionen halten wir fest», sagt Tonja Kaufmann und nennt die Stichworte Böllerschüsse, Umzug durchs Dorf mit zwei Musikgesellschaften, Verabschiedung und Begrüssung der Schüler oder Penaltyschiessen. «Ohne dieses geht es natürlich nicht.»

Dem OK Husemer Fäscht 2019 ist es ein grosses Anliegen, dass eine gemütliche, einladende und ungezwungene Atmosphäre herrscht und das Festgelände zum Flanieren und Verweilen einlädt, so Tonja Kaufmann. Alteingesessene wie auch Neuzuzüger, Freunde und Bekannte aus der ganzen Region sollen ein paar unbeschwerte Stunden verbringen können. «Alle sind willkommen.»

Zur Partnergemeinde Hausen im Wiesental seien in den letzten 50 Jahren freundschaftliche Beziehungen entstanden, die am Husemer Fäscht 2019 gepflegt werden können, fährt die OK-Präsidentin fort. «Es freut mich, dass wir an allen drei Festtagen verschiedene Vertreter aus der deutschen Partnergemeinde begrüssen dürfen, die Senioren anlässlich des Seniorentreffens am Sonntag, die Hebelmusik und die Gemeindevertreter am offiziellen Festakt am Freitag und am traditionellen Festumzug am Samstag.»

Ein weiterer Höhepunkt werde das grosse Klassentreffen der Jahrgänge 1928 bis 1978 sein, das am Samstagnachmittag stattfindet. Aufgrund von alten Schulchroniken und Klassenlisten wurden über 620 ehemalige Schülerinnen und Schüler eingeladen. «Dies erforderte viele Nachforschungen und Abklärungen. Es haben sich mittlerweile über 270 Personen für diesen Anlass angemeldet», erzählt Tonja Kaufmann. Sie schmunzelt und fügt an: «Wenn man die aktuellen Wohnorte der Eingeladenen betrachtet, scheint es, als ob kein Weg zu weit ist, um seine ehemaligen Klassengspändli zu treffen.»

Mit offenen Armen empfangen

Tonja Kaufmann selber hat die Schulen nicht in Hausen besucht, wohnt aber seit 2007 im Dorf, das ihr ans Herz gewachsen ist. 2014 schaffte sie als Vertreterin der SVP den Sprung in den Gemeinderat, 2016 wurde sie Vizeammann. Während acht Jahren leistete sie Feuerwehrdienst, gab dieses Amt aber ab, als sie in den Grossen Rat gewählt wurde. Sie schätzt die Lage des Orts mit dem Naherholungsgebiet samt Aare, Reuss und Wald, das Angebot mit Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants sowie das aktive Vereinsleben oder die Verkehrsanbindung mit dem Autobahnanschluss.

Das achtköpfige OK mit ihr an der Spitze hat die Planung des Dorffests Anfang des letzten Jahrs aufgenommen. «Es sind aufgestellte, bestens verankerte und engagierte Personen im OK. Wir passen zusammen, sind ein super Team», windet die Präsidentin ihren Kolleginnen und Kollegen ein Kränzchen – auch wenn ab und an harte Debatten geführt worden seien.

Die OK-Präsidentin freut sich darüber, dass das Dorf im Festfieber ist und sich alle mächtig ins Zeug legen. Das Engagement der Dorfvereine sei in jeglicher Hinsicht enorm. «Im Namen des gesamten Organisationskomitees möchte ich mich bei allen Personen und Firmen bedanken, die sich mit Ideen, Dienstleistungen, Sponsoring, Inseraten, Einsätzen oder in irgendeiner anderen Form am Fest beteiligen.»

Mittlerweile sind die Vorbereitungen soweit abgeschlossen. «Eigentlich warten wir nun nur noch auf die nächste Woche, damit wir mit dem Bau beginnen können», hält Tonja Kaufmann fest. Wird sie das Fest überhaupt geniessen können? Das werde sich zeigen. Es werde sicher die eine oder andere Sonderschicht geben, etwa für die Umbauarbeiten in den Mehrzweckhallen, ist sie sich bewusst.

Besucherzahl schwer zu schätzen

Angesprochen auf die erwartete Besucherzahl, zuckt sie mit den Schultern. «Das ist wie Kaffeesatz lesen, weil sie stark vom Wetter abhängig ist.» Beim Umzug am Samstagvormittag, lässt sie sich dann doch entlocken, könne bei den rund 300 Schulkindern, den Eltern, Lehrpersonen, sowie den beiden Musikgesellschaften mit rund 1500 Personen gerechnet werden. Wie viele Zuschauer jedoch durch das Rahmenprogramm angelockt werden, lasse sich nur schwer abschätzen. Apropos Wetter: «Am liebsten hätte ich 24 Grad bei bewölktem Himmel», sagt die OK-Präsidentin. «Das wäre genau richtig, um sich draussen aufzuhalten.»

Wie viele Stunden hat Tonja Kaufmann bereits in das Husemer Fäscht 2019 investiert? «Das möchte ich gar nicht wissen», antwortet sie mit einem Lachen. Aber sie würde es, sagt sie ohne zu zögern, trotz riesigem Aufwand sofort wieder machen. Sie sei überall herzlich willkommen geheissen worden, habe viel gelernt, mit tollen Leuten zu tun. «Das macht Riesenspass.»