Brugg
Hunde-Rauferei endete vor dem Bezirksgericht Brugg

Weil sie ihren Hund nicht im Griff hatte, ist eine Hundehalterin vom Bezirksgericht Brugg der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz schuldig gesprochen worden. Von einer Bestrafung wurde jedoch abgesehen.

Louis Probst
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Hunderauferei endete vor dem Bezirksgericht (Symbolbild)

Hunderauferei endete vor dem Bezirksgericht (Symbolbild)

Keystone

«Für mich war das eine Bagatelle – einfach eine Rauferei unter Hunden», erklärte die Zeugin vor Gericht.

Sie hatte sich mit einer Bekannten und deren Hund auf einem Spaziergang befunden, als es zur «Begegnung» mit dem Hund der Beschuldigten kam.

Der Zeugin war es schliesslich auch gelungen, die Hunde zu trennen, indem sie dem Hund der Angeklagten ihre Lederjacke über den Kopf warf und ihn wegzerrte.

«Der Hund der Angeklagten hatte einfach nicht losgelassen, obwohl der andere auf dem Rücken lag», sagte sie. «Die Halterin schien mir unter Schock zu stehen.»

«Es hat mir den Deckel gelupft»

Ihr Hund hätte zwei kleine Bisswunden am Ohr davongetragen, sagte die Klägerin, die als Auskunftsperson vorgeladen war.

«Ich wollte erst gar nicht weitere Schritte unternehmen. Ich habe der Halterin des andern Hundes die Rechnung für die Verarztung meines Hundes geschickt. Und ich habe eine Reaktion erwartet. Stattdessen erhielt ich den Einschreibebrief einer Juristin. Darauf habe ich Anzeige erstattet. Es hatte mir auch den Deckel gelupft, als ich vernahm, dass die Geschichte ganz anders herumgeboten wurde.»

In der Folge war die Beschuldigte wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzverordnung zu einer Busse von 250 Franken und zur Übernahme von Kosten von 191.20 Franken verurteilt worden. Weil sie Einsprache erhob, hatte sich Gerichtspräsidentin Franziska Roth als Einzelrichterin mit dem Vorfall zu befassen.

«Nichts falsch gemacht»

«Mein Hund ist nicht aggressiv», erklärte die Beschuldigte vor Gericht. «Der andere Hund ist auf meinen losgegangen und hat ihn gebissen. Mein Hund blutete. Und ich war sehr aufgeregt.»

Sie machte aber auch geltend, dass gar nicht die beiden Frauen – die Zeugin und die Klägerin – beim Vorfall zugegen gewesen seien, sondern zwei Mädchen.

«Ich finde nicht, dass ich schuldig bin oder einen Fehler gemacht habe», betonte sie.

«Anlass gibt eigentlich eine Bagatelle», stellte der Verteidiger fest. «Es geht um zwei Rüden, die ein Problem miteinander hatten. Es stehen aber nicht die Hunde vor Gericht.»

Der Verteidiger machte geltend, dass der Anklagevorwurf in keiner Weise den Voraussetzungen genüge. «Es wird nicht klar, was die Staatsanwaltschaft der Beschuldigten vorwerfen wollte», sagte er.

«Meine Mandantin hat alles getan, was sie als Tierhalterin tun musste.» Der Verteidiger beantragte Freispruch und Abweisung der Zivilforderung im Betrag von 300 Franken.

Aussage gegen Aussage

Die Gerichtspräsidentin sprach die Beschuldigte jedoch der fahrlässigen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzverordnung schuldig.

Zwar stehe Aussage gegen Aussage. Die Darstellungen der Zeugin und der Auskunftsperson seien aber glaubhafter.

Dem Einwand des Verteidigers, dass der Anklagevorwurf nicht genüge, hielt die Gerichtspräsidentin entgegen, dass der Vorfall deutlich aufgezeigt habe, dass die Beschuldigte nicht in der Lage gewesen sei, angemessen reagieren zu können.

Unter dem Eindruck, dass die Beschuldigte durch den Vorfall und das Verfahren sehr belastet ist, hielt es die Gerichtspräsidentin aber für angebracht, von einer Bestrafung abzusehen, die Zivilforderung jedoch als Schadenersatz gutzuheissen.