Veltheim
Hühnerfarm-Besitzerin nach Grossbrand: «Mein Lebenswerk ist zerstört»

Beim Flammeninferno am Dienstag starben 6300 Hühner. Im Färbebetrieb lief die Ostereier-Produktion auf Hochtouren. Nach dem Grossbrand ist alles nur noch Schutt und Asche. Susanne Blum ist am Ende. Die Abbrucharbeiten kann sie nicht mit ansehen.

Claudia Meier
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Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand
9 Bilder
Ein Tag nach dem Grossbrand bietet sich ein Bild der Zerstörung
Michael Maeder ist Kommandant der Feuerwehr Schenkenbergertal
Die Wände werden eingerissen
Die Hühnerfarm ist nur noch Schutt und Asche
Die Hühnerfarm wird abgebrochen
Der Sachschaden ist beträchtlich
Das Wohnhaus (vorne) konnte gerettet werden
Die Feuerwehrleute haben anstrengende Stunden hinter sich

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand

Tele M1

Susanne Blum wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Fassungslos steht sie am Mittwochvormittag am Strassenrand neben ihrer am Tag zuvor niedergebrannten Hühnerfarm an der Hohlgasse in Veltheim. «Mein Lebenswerk ist zerstört», sagt sie und schüttelt den Kopf.

Bis auf ein paar wenige Tiere verendeten alle 6300 Hühner im Flammeninferno. «Das Gebäude kann man ja wieder aufbauen. Doch der Verlust der Tiere ist sehr schmerzhaft.»

Ausgebrochen war der Brand offenbar im Eierfärbe-Betrieb im Erdgeschoss unterhalb des doppelstöckigen Hühnerstalls. Der benachbarte Wohnteil sowie die Nebengebäude konnten die Feuerwehrleute vor den Flammen retten.

Susanne Blum war starkem Rauch ausgesetzt und musste zur Kontrolle hospitalisiert werden. Sie konnte das Spital aber in der Nacht wieder verlassen. Blums Wohnung ist momentan nicht bewohnbar.

«Alles ist voller Russ. Aktuell lebe ich bei Freunden ausserhalb von Veltheim», so Blum, die froh ist, dass ihr geliebter Hund und die Vogelspinne des Sohnes gerettet werden konnten.

Ganzes Jahr Eier gefärbt

Während 32 Jahren lebten im hinteren Gebäudeteil Tausende Hühner in Bodenhaltung. Im Erdgeschoss befanden sich Lagerräume, Büro und der Eierfärbe-Betrieb. Mit einer eigens konstruierten Färbemaschine wurden das ganze Jahr Picnic- oder Ostereier gefärbt.

Bei den Ostereiern ist das Eigelb in der Mitte – im Gegensatz zu den Picnic-Eiern – noch leicht flüssig. Diese Produktion lief vor drei Wochen an. Bis zum Brandausbruch waren 5000 der insgesamt 35'000 geplanten Ostereier für den Verkauf bereit.

Blums Lebenspartner Ueli Siegrist half jeweils am Wochenende auf der Hühnerfarm mit und kümmerte sich um den Unterhalt sowie die Revision der Färbemaschine. Ein Drittel der Eier wurde direkt an Private verkauft. Der Rest ging über einen Grossisten in den Detailhandel.

Der Betrieb hatte sich über Jahrzehnte eine treue Stammkundschaft aufgebaut. Nun ist alles zerstört. Auf die Frage, ob sie die Hühnerfarm wieder aufbauen werde, kann Susanne Blum noch keine Antwort geben.

«Der Wunsch zum Weitermachen besteht ganz klar. Ich weiss allerdings nicht, ob ich die Kraft dazu aufbringen werde», sagt sie, kurz bevor die Versicherungsexperten auftauchen.

Abbruch um Glutnester herum

In Schichten à sechs Stunden stehen rund um die Uhr je 12 Mitglieder der Feuerwehr Schenkenbergertal im Einsatz. So ist es bis Mittwochabend geplant. «Es war ein schwieriger Einsatz bei enormer Hitze. Auch in der Nacht mussten immer wieder Glutnester gelöscht werden», sagt Kommandant Michael Maeder von der Regionalen Feuerwehr Schenkenbergertal.

«Die Brandruine ist stark einsturzgefährdet.» Mit einem Brand in diesem Ausmass habe die Feuerwehr Schenkenbergertal im Durchschnitt alle zwei Jahre zu tun.

In Veltheim bricht Dienstagnachmittag in einer Legehennenfarm ein Feuer aus.
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Die Feuerwehr rückt mit einem Grossaufgebot aus.
Viele Hühner verenden im Feuer.
Grossbrand zerstört Hühnerfarm in Veltheim AG
Zwei Personen werden vor Ort durch die aufgebotenen Ambulanzteams medizinisch betreut, da sie Rauch eingeatmet haben dürften. Eine Frau muss zur Kontrolle ins Spital gebracht werden.
Eine dicke Rauchsäule steigt vom brennenden Hühnerstall auf.
Die Löscharbeiten dauern mehrere Stunden.
Es entstand ein beträchtlicher Sachschaden, der noch nicht beziffert werden kann.
Die Autodrehleiter der Feuerwehr Brugg kommt zum Einsatz.
Dieses Huhn konnte sich retten.
Der Brand brach im hinteren Teil der Liegenschaft aus.

In Veltheim bricht Dienstagnachmittag in einer Legehennenfarm ein Feuer aus.

Kapo AG

Aus dem Brandschutt steigt immer wieder eine kleine Rauchwolke auf. Die Abbrucharbeiten haben nun gemäss Kommandant Maeder grösste Priorität. An der Hohlgasse wird am Mittwochmorgen ein grosser Bagger angeliefert. Kurz vor zwölf Uhr geht es los. Die verkohlten Holzbalken brechen unter der Kraft der Baggerzähne wie Streichhölzer.

Bereits nach wenigen Minuten ist ein Grossteil des Holzanbaus abgebrochen. Im Eiltempo fischt der Baggerführer die verbogenen Metallteile aus dem Schutt und stapelt sie auf einem Haufen. Dann kommen die Wände dran. Der Verputz spickte unter der starken Hitzeentwicklung teilweise schon während dem Brand weg.

Ziel ist zudem, möglichst schnell die verbrannten Hühner zu bergen. «Für uns ist der Einsatz erst abgeschlossen, wenn alle Glutnester gelöscht und die toten Tiere entsorgt sind», fasst Feuerwehr-Kommandant Michael Maeder die Ausgangslage zusammen. Susanne Blum kann diesen Anblick nicht ertragen. Sie hat den Ort kurz zuvor verlassen.

Mit einer eigens konstruierten Eierfärbemaschine werden auf der Farm von Susanne Blum und ihren Leuten vor Ostern viele Picnic-Eier in sechs verschiedenen Farben eingefärbt, dies zeigt ein Video auf der Plattform bauernfilme.ch.