Brugg

Hospiz Aargau ist nicht mehr alleine: Auch die Spitex bietet jetzt Palliative Care an

Menschen möchten in vertrauter Umgebung sterben. Dem kommt die Spitex Region Brugg AG mit ihrer Palliative Care nach. Key/symbolbild

Menschen möchten in vertrauter Umgebung sterben. Dem kommt die Spitex Region Brugg AG mit ihrer Palliative Care nach. Key/symbolbild

Neu bietet auch die Spitex Palliative Care an und ist damit im gleichen Segment wie das Hospiz Aargau tätig.

Immer mehr Menschen wollen zu Hause sterben. Diese brauchen eine spezielle Betreuung. Hier ist die Palliative Care gefragt – also Pflege mit allen Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen. In der Region Brugg ist das Hospiz dafür bekannt (ambulant und stationär).

Jetzt taucht vermeintlich Konkurrenz für das Hospiz Aargau auf. Denn im Bereich Palliative Care fasst nun auch die Spitex Region Brugg AG Fuss. Im Newsletter heisst es, das entsprechende Palliative-Care-Team sei aufgebaut. «Die Spitex hat schon immer Menschen bis zum Tod zu Hause gepflegt», sagt Spitex-Geschäftsführerin Rebekka Hansmann. «Dies gehört zu ihrem Auftrag, der mit der Auflösung der Onko-Spitex im Verlaufe 2017 zusätzlich erweitert wird.» Zudem habe sich die Palliative Care in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt und in der Gesellschaft einen wichtigen Stellenwert erhalten. Dem Bedürfnis der Menschen, in der gewohnten Umgebung zu sterben, kann die Spitex mit dem neuen Angebot nun entsprechen und damit auch den Auftrag der nationalen Strategie von Bund beziehungsweise Kanton erfüllen.

Vier Fachpersonen

Die Spitex Region Brugg AG verfügt über vier Fachpersonen mit 270 Stellenprozenten. Sie sind in der somatischen Pflege tätig und werden je nach Nachfrage kurzfristig in der Palliative Care eingesetzt. Alle haben eine Ausbildung, die sie befähigt, spezialisierte Palliative Care zu leisten.

Trotz des neuen Angebots der Spitex wollen weder Rebekka Hansmann (Geschäftsführung Spitex Region Brugg AG) noch Dieter Hermann (Geschäftsführung Hospiz Aargau) von einer Konkurrenzsituation reden. Im Gegenteil: Beide betonen, dass das jeweilige Angebot eine Ergänzung sei.

«Aktuell wird das Wort Palliative Care sehr strapaziert und marketingtechnisch ausgeschlachtet», sagt Dieter Hermann. «Im Prinzip ändert sich an der aktuellen Betreuungs- und Pflegesituation nicht viel, auch ist das ambulante Angebot für entsprechend kranke Menschen durch den Zusatz Palliative Care nicht wesentlich erweitert, sondern fachlich fundierter und professioneller geworden.»

Nachtarbeit

Dieter Hermann ist überzeugt, dass das Angebot der Spitex ergänzend zu jenem des Hospiz zu verstehen ist: «Wir arbeiten mit unseren Freiwilligen hauptsächlich in der Nacht, decken Betreuungszeiten ab, die eine Spitex (noch) nicht anbietet. Dies ist also ein passendes Miteinander, keine Konkurrenzsituation.» Oft werde das Hospiz von der Spitex für solche Einsätze angefragt. «Der Unterschied ist, dass die Spitex-Leistungen Gemeinkosten (Krankenkasse) aufwerfen, unsere Leistungen für Gemeinschaft und Patienten kostenfrei sind, denn die tragen wir als Verein.»

Hansmann bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit dem Hospiz eng und gut ist. «Es darf in der Palliative Care kein Konkurrenzkampf entstehen. Denn wir alle haben dasselbe Ziel: Den Betroffenen und ihren Angehörigen zu ermöglichen, ohne Schmerzen, in Ruhe und mit Würde zu sterben, wenn immer möglich so, wie sie es sich vorstellen.» Ein Wechsel in eine stationäre Institution wie das Hospiz dürfe kein Tabu-Thema sein.

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