Sie jagte Mörder, brachte Kriegsverbrecher hinter Gitter, vertrat die Schweiz als Botschafterin in Argentinien und war zuletzt in der UNO-Untersuchungskommission zu Syrien tätig. Carlita la pesta – Carlita, die Pest – wurde sie genannt. Wegen ihres kompromisslosen Vorgehens gegen Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und Wirtschaftskriminalität.

Am 23. Mai referiert Carla Del Ponte (71) nun an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch zu ihrer letzten Aufgabe als Mitglied der UNO-Untersuchungskommission zu Syrien. Die Tessinerin reist auf Einladung von FHNW-Dozent Andreas Petersen nach Brugg-Windisch. Sie referiert im Rahmen der Vortragsreihe «CampusGlobal». Diese ist öffentlich zugänglich und kostenlos.

Hochrangige Gäste zu Besuch

Carla Del Ponte war von 2011 bis 2017 Mitglied der UNO-Menschenrechtskommission, die Menschenrechtsverletzungen im syrischen Bürgerkrieg untersucht. Im August 2017 trat sie als Sonderermittlerin wegen fehlender politischer Unterstützung zurück und warf der UN vor, keine Lösung zu wollen. Sie sei «resigniert», liess sich Carla Del Ponte damals zitieren. Sie sei zur Erkenntnis gekommen, dass ihre Teilnahme an der UNO-Untersuchungskommission nicht mehr als ein «Alibi» gewesen sei. Noch mehr: «Ich habe keine Einflussmöglichkeiten, wenn der UNO-Sicherheitsrat nichts macht», sagte sie. «Wir sind machtlos, in Syrien gibt es keine Gerechtigkeit.»

Noch vor ihrem Vortrag an der FHNW erscheint am 8. Mai ihr neues Buch «Im Namen der Opfer: Das Versagen der UN und der internationalen Politik in Syrien». In der Buchvorschau sagt Carla Del Ponte: «Syrien ist ein Land ohne Zukunft. Sie zerstören alles, was irgendwie menschlich ist. Es ist unfassbar. Es gibt keine Schulen mehr, nur noch wenige Spitäler, kaum etwas zu essen und keine Institutionen. So schlimme Verbrechen wie in Syrien begangen werden, habe ich weder in Ruanda noch in Ex-Jugoslawien gesehen. Die Regierung Assad, die schreckliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt und Chemiewaffen einsetzt. Doch keiner hilft. Die internationale Politik schaut weg und die UNO resigniert.»

Unkomplizierter Umgang

Andreas Petersen freut sich, dass Carla Del Ponte ihr Buch an der FHNW erstmals öffentlich vorstellen wird. Sowieso gestalte sich die Zusammenarbeit mit der ehemaligen UNO-Chefanklägerin im Vorfeld sehr unkompliziert. «Ich freue mich, sie persönlich kennenzulernen», sagt Petersen. «Ihre Rolle beim Tribunal, der ganze Jugoslawienkrieg, das hat mich sehr beschäftigt.»

«CampusGlobal» ist eine öffentliche Veranstaltung an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch in der Aula. Thematisiert wird jeweils die internationale oder europäische Zeitgeschichte – mit Journalisten, Experten oder Zeitzeugen. Organisiert wird die Vortragsreihe von Andreas Petersen, Historiker und Dozent für Zeitgeschichte an der Hochschule für Wirtschaft der FHNW Brugg-Windisch sowie Leiter von zeit & zeugen, einer Agentur für Geschichte in Berlin und Zürich.

Zwischen 60 bis 200 Studierende, Ehemalige, Leute aus Gewerbe und Wirtschaft sowie Interessierte sind an den Vorträgen jeweils anzutreffen. Die Aula fasst gemäss Andreas Petersen 250 Personen. Gut möglich, dass der Platz am 23. Mai etwas knapper werden dürfte als auch schon. Auch darum bittet die Fachhochschule um Anmeldung.