Brugg
Hohe Erwartungen an Barbara Horlacher: «Die Verwaltung fit trimmen»

Die Gemeindefusion mit Windisch vorantreiben, Brugg für Unternehmen attraktiver machen und die Kleinkariertheit loswerden: Das sind die Erwartungen der Parteien an die neue Frau Stadtammann Barbara Horlacher.

Claudia Meier
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Barbara Horlacher (Mitte) feierte ihre Wahl am Sonntagabend im «Odeon». Asp

Barbara Horlacher (Mitte) feierte ihre Wahl am Sonntagabend im «Odeon». Asp

Alex Spichale

Barbara Horlacher, Bruggs neue Frau Stadtammann, ist auch am Tag nach ihrer historischen Wahl noch völlig überwältigt von den vielen Gratulationen und emotionalen Begegnungen nach dem Sieg über Titus Meier (FDP). Sie habe sich den Montagmorgen freigenommen, sagt die Grüne auf Anfrage. Eine gute Gelegenheit, um mit ihren Eltern einen Kaffee zu trinken und schon einige Gratulationen zu beantworten.
Am Flughafen Basel-Mulhouse, wo Horlacher seit 2014 die Abteilung Umwelt leitet, muss sie nun ihre Stelle kündigen. Die ordentliche Frist von drei Monaten kann sie nicht mehr einhalten. «Ich habe meine Kandidatur natürlich vorgängig mit meinem Arbeitgeber besprochen. Dieser ermöglicht mir, das neue Amt anzutreten», sagt Barbara Horlacher. Damit sie ihre Arbeit am Flughafen sauber abschliessen kann, wird sie für die Übergabe noch zur Verfügung stehen. Die Details werden derzeit besprochen, sagt die 46-Jährige.

Das Ende der Kleinkariertheit

An Arbeit wird es der Frau Stadtammann auch in Brugg nicht fehlen. Wähler und Ortsparteien haben hohe Erwartungen. Wichtig sei sicher, dass man Horlacher genügend Zeit gebe, sich im neuen Amt zurechtzufinden und relevante Kontakte zu knüpfen, betont die CVP. Sie könnte Gespräche wieder aufnehmen, die zuvor etwas ins Stocken geraten sind. Die CVP hofft, dass Horlacher festgefahrene Strukturen aufbrechen kann und «der Stadt Brugg die gewisse Sturheit und Kleinkariertheit abhandenkommt und man als offene und frische Stadt auftritt und wahrgenommen wird».

Wichtig sei auch, dass sie die Kostenbrille vernünftig einsetzt und gut mit CVP-Finanzminister und Vizeammann Leo Geissmann zusammenarbeitet.

Die FDP erwartet von der Frau Stadtammann, dass «der immer wieder versprochene, aber keineswegs klar bezeichnete Wandel in den kommenden Monaten konkretisiert und fassbar definiert wird». Aufgezeigt werden sollen Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung für Unternehmen und Lösungen für die Durchgangsverkehrsproblematik. Die Stadtkasse dürfe nicht für «nice to have»-Projekte geleert werden. Dass der Einwohnerrat vermehrt frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen wird, ist eine weitere Erwartung der FDP, die in den letzten Jahrzehnten den Stadtammann stellte. Zudem soll die angestrebte aktive Kommunikationspolitik auch wirklich gelebt werden.

Dem schliesst sich die GLP an. Sie erwartet von Horlacher wie auch vom Stadtrat als Ganzes transparente Kommunikation, klare Perspektiven wie auch die konsequente Umsetzung von Projekten. Konkret erwartet die GLP beispielsweise, dass die neue Frau Stadtammann Gemeindefusionen vor allem mit Windisch partnerschaftlich und rasch vorantreibt, eine aktivere Energiepolitik betreibt, die Entwicklung des Bahnhofareals ganzheitlich und in Absprache mit Windisch anpackt. Die Partei wünscht sich greifbare Resultate nach vier Jahren, eine positive Bilanz und die Erkenntnis, dass sich tatsächlich etwas bewegt hat.

Die Führung der Stadt werde etwas grüner werden, der Stadtrat sei aber eine Kollegialbehörde, in der die wichtigen Entscheide miteinander gefällt und vertreten werden, stellt die EVP klar. Soziales Handeln für die Bevölkerung ist für diese Partei ein Muss.
Die SVP erwartet von Horlacher ein nachhaltiges und sich an den konkreten Bedürfnissen der Bürger orientiertes Handeln, das transparent kommuniziert wird: «Wir werden die versprochene Führungserfahrung der neuen Frau Stadtammann beobachten und schauen, wie fit sie die Verwaltung trimmen kann und welche Einsparungen daraus resultieren.» Der SP ist eine klare strategische Führung mit klaren Vorgaben für die operative Ebene wichtig. «Als oberste Chefin des Personals erwarten wir von ihr Verantwortung und Führung in der Personalpolitik», schreibt die SP. Insbesondere mit Windisch soll ein offener Umgang gepflegt werden.

Heidi Ammon (SVP) freut sich

Auch in Windisch steht eine Frau an der Spitze. Gemeindepräsidentin Heidi Ammon sagt, dass sie sich bei Anlässen schon oft mit Einwohnerratspräsidentin Barbara Horlacher austauschen konnte. Sie spricht von einer guten Basis für die nun folgende Zusammenarbeit und die Pflege eines regelmässigen Austauschs: «Ich freue mich darauf.»

Mit dem Projekt Vision Mitte haben Brugg und Windisch gemeinsam und mit vereinten Kräften einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Zentrums gesetzt. Nach einer ruhigeren Phase – Verschnaufpausen brauche es – ist es laut Ammon nun Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und so interpretiere sie Horlachers Wahl. Dazu brauche es die Bereitschaft der Politik und der Bevölkerung, sich zum Wohle des Zentrums einzubringen.

Barbara Horlachers erste Amtshandlung wird der Neujahrsempfang am 1. Januar für die Bevölkerung sein. «Diesen Termin habe ich mir wie in den letzten Jahren freigehalten.» Sie freue sich darauf, bei dieser Gelegenheit ihr noch unbekannte Leute kennen zu lernen.