Standortwahl
Hochule für Technik: Dank Brugg bekam Windisch den Zuschlag

Gleich drei Gemeinden – Brugg, Lenzburg und Windisch – wollten das Aargauische Technikum zu sich holen. Der definitive Entscheid fiel ziemlich knapp aus.

Titus J. Meier*
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Die sieben Kegel von Herbert Distel wurden ab 1969 das Kennzeichen der HTL Brugg-Windisch
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zvg

Die Gründung des Aargauischen Technikums fällt in eine Zeit, in der die Industrie florierte. Der Brugger Stadtrat befasste sich erstmals 1956 mit den Diskussionen um eine Schaffung, als von verschiedenen Seiten die Idee herangetragen wurde, ein solches Technikum in den Liegenschaften der Landwirtschaftlichen Winterschule unterzubringen. Der Stadtrat befand jedoch, dass die vorgeschlagenen Gebäude nicht zweckmässig seien. Wenige Monate später fand in Aarau eine Konferenz statt, an der die Errichtung eines kantonalen Technikums am Standort Brugg diskutiert wurde. Diese Frage und der Raumbedarf sollten durch eine Studienkommission unter dem Vorsitz von Rudolf Wartmann, Unternehmer und Präsident des Aargauischen Industriellenverbands, vertieft untersucht werden. Am 25. April 1957 konnte der Brugger Stadtammann Arthur Müller seine Kollegen über eine Besprechung im kleinen Kreis orientieren, an der Karl Rütschi, Gründer der K. Rütschi AG Pumpenbau in Brugg, angekündigt hatte, an der nächsten Gemeindeversammlung eine Resolution einzureichen und darin den Stadtrat aufzufordern, «alle möglichen Schritte für die Gewinnung des Technikums für Brugg zu unternehmen».

Der Stadtrat beschloss, sich um den Standort zu bewerben und dafür eine Parzelle neben dem Bezirksspital anzubieten. Ausser Brugg bewarben sich auch noch Lenzburg und Windisch um den zukünftigen Schulstandort. Es setzte ein bis dahin beispielloser Wettstreit unter den drei Bewerbern ein, in dem man sich gegenseitig vorhielt, welche kantonalen Einrichtungen beim jeweiligen Mitbewerber bereits ansässig waren.

Während Brugg und Lenzburg bereit waren, ihre Bauparzellen dem Kanton gratis zur Verfügung zu stellen, war dies im Fall von Windisch nicht nötig, da das Land bereits dem Kanton gehörte. Stattdessen offerierte die Gemeinde Strom und Wasser zu Sonderkonditionen und einen Betrag von 60 000 Franken als Schenkung. Im Frühling 1958 trat ein Brugger Aktionskomitee auf den Plan, das durch die beiden Brugger Industrieunternehmer Karl Rütschi und Rudolf Wartmann angeführt wurde. Sie überzeugten die beiden Gemeinden, auf den Wettbewerb untereinander zu verzichten und stattdessen gemeinsam für den Platz Brugg-Windisch zu werben. Die beiden Exekutiven überliessen den definitiven Standortentscheid einer neutralen Fachkommission. Die Gemeinde Windisch sicherte zu, das Technikum mit «Brugg-Windisch» zu bezeichnen. Nach einem Augenschein vor Ort kam die Studienkommission des Kantons zum Schluss, dass dem Standort Windisch der Vorzug vor Brugg und Lenzburg zu geben sei.

Dieser Haltung schloss sich der Regierungsrat an. Die vorberatende Grossratskommission sprach sich mehrheitlich für Brugg aus. Als Brugg und Windisch während der Grossratsdebatte am 29. Juni 1959 realisierten, dass Lenzburg das Rennen machen könnte, zog Brugg seine Bewerbung zurück und unterstützte jene von Windisch. In der entscheidenden Abstimmung votierten 90 Grossräte für Windisch gegenüber 78 für Lenzburg.

Titus J. Meier ist Historiker und lebt in Brugg. Der Text stammt aus dem Buch «Visionmitte» und wurde gekürzt.