Windisch

«Hochhäuser sind nicht zwingend urban»: Ein Windischer erklärt, warum er gegenüber Hochhausplänen kritisch ist

Der Centurion Tower im Hintergrund passt ihm gar nicht.

Wolfgang Hafner

Der Centurion Tower im Hintergrund passt ihm gar nicht.

Der Historiker Wolfgang Hafner bezeichnet den Centurion Tower gerne als Panzerturm. Auch sonst kritisiert er die Hochhauspläne in der Region. Im Interview erzählt er, was dahinter steckt.

Als Panzerturm bezeichnet der Windischer Wolfgang Hafner den zurzeit entstehenden Centurion Tower beim Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch. Sowieso äusserte er sich in den letzten Jahren immer wieder sehr kritisch zu den Hochhausplänen in der Region. Doch was steckt dahinter? Die AZ hat Wolfgang Hafner getroffen und im Campus Café, gleich neben der Centurion-Tower-Baustelle, mit ihm über Hochhäuser gesprochen.

Herr Hafner, was haben Sie gegen Hochhäuser?

Wolfgang Hafner: Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Hochhäuser. Es gibt durchaus gelungene Beispiele von Bauten, die in die Umgebung eingebettet sind, wie beispielsweise das Hochhaus Allianz auf dem Richti-Areal in Wallisellen.

Warum äussern Sie sich denn immer wieder so dezidiert gegen den Hochhausbau in der Region?

Ich will damit provozieren, eine Diskussion anstossen. Wir müssen darüber sprechen, wie das Wohnen in unserer Gemeinde aussehen soll. Ich bin mir nicht so sicher, ob das Bauen von Hochhäusern tatsächlich eine Verdichtung von Wohnraum bringt, es sei denn, sie würden dicht gesetzt wie in der Europaallee in Zürich.

Wie meinen Sie das?

Hochhäuser sind nicht zwingend urban und führen auch nicht zwingend zu einer Verdichtung. Zudem ist es sehr aufwendig, sie zu bauen. Hochhäuser sind eine konservative Art der Siedlungsentwicklung.

Wie sieht denn urbanes Wohnen aus Ihrer Sicht aus?

Urbanes Wohnen ist kreativ und bietet Begegnungsmöglichkeiten. Das fördert die Entwicklung der Gesellschaft und damit auch einer Gemeinde. Es braucht erfahrene Profis, um beispielsweise alte Industrieareale in Wohnraum zu verwandeln. Die Hiag hat mit dem Kunz-Areal in Unterwindisch bewiesen, dass sie das kann. Die Verantwortlichen in der Gemeinde sollten also nicht diesem Hochhaus-Hype hintennachrennen, sondern Varianten prüfen. Daher bin ich auch gegen die Einrichtung einer Hochhauszone.

Was ist denn das Problem mit dem Centurion Tower, den sie als Panzerturm bezeichnen?

Centurion heisst ja ein Panzertyp in der Schweizer Armee. Dazu ist der Tower unästhetisch, zerstört die Harmonie des schön gestalteten Campus-Platzes und ist absolut unsensibel gebaut. Ich hätte nichts gegen dieses Hochhaus gehabt, wenn es höher, dafür schlanker gebaut worden wäre.

So kommt es jetzt zu einem grossen Schattenwurf auf den Platz vor dem Campus Café. Weil dieser Bau nun verwirklicht wird, mache ich mir Sorgen, dass in der Region weitere solcher Hochhäuser bewilligt werden.

Welche Bedingungen müssen für Sie erfüllt sein, dass ein Hochhaus in Ordnung geht?

Der Bau muss in das grosse Ganze passen. Es braucht von den Architekten und den Baubehörden eine genaue Vorstellung davon, wie sich das Hochhaus in die Umgebung einpassen soll. Dabei müsste auch das Gemeindewohl in den Vordergrund gestellt werden. Auf jeden Fall soll es in einem solchen Bau auch Platz haben für gesellschaftliches Leben mit Ateliers, Läden, einem Café.

Welche Art von Siedlungsentwicklung wünschen Sie sich denn?

Es braucht Wohnformen, in denen die Menschen mit einbezogen werden. Blockrandbebauung macht aus meiner Sicht mehr Sinn. Ein gutes Beispiel ist das oben erwähnte Richti-Areal in Wallisellen. Oder auch Genossenschaftssiedlungen.

Diese sind lebensnah, dicht entwickelt und lebendig. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Kommunikation zwischen Menschen immer horizontal läuft und nicht vertikal. Entsprechend herrscht in Hochhäusern Anonymität. Die Menschen begegnen sich hier nicht.

Aufgrund der hohen Mobilität hat aber nicht jeder das Bedürfnis nach sozialen Kontakten an seinem Wohnort.

Das mag sein. Dennoch ist das schlecht für eine Gemeinde. Es bringt der Gesellschaft nichts, wenn die Leute anonym wohnen. Solche Bauten tragen dazu bei, dass das gesellschaftliche Leben nicht mehr funktioniert. Zudem besteht die Gefahr, dass sich in solchen anonymen Hochhausbauten Expats einquartieren oder Airbnb-Wohnungen entstehen.

Die Eigentumswohnungen im Centurion Tower wurden aber sehr schnell verkauft. Das zeigt doch, dass das Wohnen in einem Hochhaus beliebt ist.

Die Frage ist, was dann mit diesen Wohnungen tatsächlich passiert. Die oberen Stockwerke sind teuer. Für viele ist es eine Investition, klassisches Betongold. Es können sich also hauptsächlich reichere Menschen diese Wohnungen leisten. Bei diesem Bau geht es rein um die Rendite – und er fördert die Gentrifizierung.

Kürzlich wurde an einer Medienkonferenz zum Projekt Oase bekannt gegeben, dass die Region Brugg-Baden-Zurzibiet in den nächsten 20 Jahren massiv wachsen wird. Von 30 Prozent mehr Einwohnern und Arbeitsplätzen geht der Kanton aus. Wo sollen denn Ihrer Meinung nach all die Leute wohnen?

Solche Prognosen haben noch selten gestimmt. Aber klar, es braucht eine Verdichtung und eine Verbindung von Wohnen und Arbeiten.

Meistgesehen

Artboard 1