Schinznach-Dorf
«Hirzen»-Wirtepaar hört auf: Traditionshaus steht zum Verkauf

Nach 28 Jahren als Wirtepaar im Restaurant «Hirzen» in Schinznach-Dorf hören Lisbeth und Dieter Keist auf. Jetzt steht das Traditionshaus Hirzen zum Verkauf und hat ab Januar kürzer geöffnet.

Hans Christof Wagner
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Dieter und Lisbeth Keist wollen sich vom «Hirzen» in Schinznach-Dorf trennen. HCW

Dieter und Lisbeth Keist wollen sich vom «Hirzen» in Schinznach-Dorf trennen. HCW

Hans Christof Wagner

Nach 28 Jahren als Wirtepaar im Restaurant «Hirzen» in Schinznach-Dorf hören Lisbeth und Dieter Keist auf. In einer Medienorientierung am Donnerstag informierten die beiden und Werner Fässler über den Schritt.

Fässler, ehemaliger Gemeindeammann von Umiken und Immobilienberater, soll den Verkauf abwickeln. Für 1,28 Millionen Franken wird er den «Hirzen» jetzt inserieren.

Dieter Keist antwortet auf die Frage nach dem Warum: «Wir wollen uns noch einmal verändern.» Er ist 53. Seine Frau aber, 10 Jahre älter, plant schon den Ruhestand. Und diesen will das Paar gemeinsam geniessen.

Zusammen wollen sie noch einmal neu starten, ohne die grosse Arbeitsbelastung in der Gastronomie, ohne einen 16-Stunden-Tag in der Küche und hinter dem Tresen.

Konzentration auf Blockzeiten

Dennoch bleiben die beiden vorerst ihren Gästen treu, zumindest solange bis ein Käufer gefunden ist. Der «Hirzen» bleibt geöffnet, doch ab Januar 2016 mit reduzierten Zeiten – statt wie bisher am Vormittag schon um 8.30 Uhr erst um 11 Uhr und statt wie jetzt um 16.30 Uhr erst eine Stunde später.

Dieter Keist: «Wir öffnen künftig erst, wenn es auch Leute hat.» Für die nur noch wenigen Znüni- und Zvieri-Gäste lohne es sich einfach nicht mehr, so das Wirtepaar. Jetzt wollen sich Beide auf die «Blockzeiten konzentrieren», das Mittags- und Abendgeschäft.

Sie sagen: «Das Gros unserer Gäste wird ab Januar zu jetzt gar keinen Unterschied bemerken.» Das heisst: Sie kommen erst gar nicht ausserhalb dieser Blockzeiten. Dann wird es aber nicht mehr so einfach sein, einen Tisch zu finden.

Denn die Keists planen mit Anfang Jahr, den Gastraum von momentan 40 auf 25 bis 30 Plätze zu reduzieren. Vereinen und grösseren Gesellschaften werde aber auch weiterhin der gewohnte Platz zur Verfügung stehen, beteuern sie.

Personal wird reduziert

Die zeitliche Reduktion und das geringere Platzangebot machen das Personal, das Elisabeth und Dieter Keist derzeit noch beschäftigen, weitgehend entbehrlich. Sind im Hirzen momentan fünf Mitarbeiter verteilt auf 300 Stellenprozent tätig, werden ab Januar die Inhaber Küche und Service grösstenteils selbst übernehmen, nur noch unterstützt von einer 50-Prozent-Kraft plus Servicekräfte auf Abruf.

Elisabeth und Dieter Keist hängen an ihrem «Hirzen», in den sie viel Herzblut gesteckt haben. Deshalb wollen sie ihn auch nicht von heute auf morgen zusperren.

Aber eines ist für sie auch klar: Hat jemand wirklich Kaufinteresse, wird der Verkauf besiegelt, auch wenn es sich um keine gastronomische Folgenutzung handelt.

Auch Fässler ist sich darüber klar: «Ich möchte beim Verkauf schon auf Qualität achten, aber grosse Bedingungen kann ich keine stellen.»

Man müsse schon froh sein, wenn die 300-jährige Geschichte des «Hirzen» als Gasthaus fortgeschrieben werde. Gleichwohl, das beteuerten die Protagonisten an der Medienorientierung auch: Umsatz und Gewinn stimmen nach wie vor. Und: Wer den Hirzen übernimmt, kann von heute auf morgen anfangen. Das Haus sei in Top-Zustand, grosse Investitionen in Küche und Gastraum brauche es keine.