Seit sich der Windischer Gemeindeschreiber Stefan Wagner und der Rumäne Marius Daniel Arsene vor über einem Jahr bei einem Online-Spiel kennen lernten, hat sich das Leben der beiden Männer komplett verändert. «Ich traf damals auf einen höchst depressiven jungen Mann. Heute hat Marius dank der Hilfe aus der Schweiz wieder eine Perspektive», sagt Wagner am Esszimmertisch. Die Familie Arsene sei im Moment daran, den Garten neu einzuzäunen und in die Tierzucht zu investieren.

Wagner gründete vor einem Jahr einen Hilfsfonds für Marius. Bevor er diesen Schritt wagte, liess er die Familie in Mihailesti – rund 20 Kilometer südlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest – von Leuten, die viel Erfahrung mit Entwicklungshilfe in diesem Land haben, durchleuchten. Seither wird Marius Arsene von rund 150 Personen aus der Region Brugg regelmässig unterstützt. Der 22-jährige Rumäne ist sehr dankbar: «Unser Leben ist viel einfacher geworden und es ist kein Stress mehr, die Stromrechnung zu bezahlen.»

Unterstützung aus Lupfig

Wagner spielte schon oft mit dem Gedanken, einen Hilfstransport nach Rumänien durchzuführen. Als er im April mit der Lupfiger Gemeinderätin Irene Ulmann an eine Sitzung fuhr, habe sie ihn ebenfalls auf dieses Thema angesprochen und ihm spontan angeboten, sich um den Transport zu kümmern. Dann ging alles ganz schnell.

Als Geschäftsleitungsmitglied der Brugg Lifting AG kennt sich Ulmann mit der Organisation von internationalen Transporten aus. Zu ihrem privaten Engagement, bei dem sie von den Konditionen ihres Arbeitgebers profitieren kann, sagt sie: «Uns geht es doch sehr gut und wenn ich Leuten im Ausland, die ich persönlich kenne, so helfen kann, mache ich das gerne. Für die Organisation spielt es nämlich keine Rolle, ob Drahtseile oder Hilfsgüter transportiert werden.»

An einem ersten Sammeltag wurden vor allem Kleider, Spielwaren, ein Bett sowie drei Schränke abgegeben. «Alles war wunderbar verpackt und angeschrieben», freut sich Irene Ulmann.

Stefan Wagner wird nach Pfingsten für vier Tage nach Rumänien reisen und den Lastwagen empfangen. «Das grösste Problem ist nicht der Zoll, sondern die Verteilung des Materials», sagt der Gemeindeschreiber.

Marius verteilt die Hilfsgüter

Marius habe bereits mit mehreren Familien gesprochen, die besonders auf Hilfe angewiesen sind. Als Beispiel schildert er die Situation einer Familie: Von drei Geschwistern ist der Älteste verheiratet und hat zwei Kinder. Alle sechs Personen wohnen unter einem Dach und leben von 100 Franken pro Monat, die ein Familienmitglied mit dem Job in einer Autowaschanlage verdient. «Als ich ihnen vom bevorstehenden Hilfstransport erzählte, trauten sie ihren Ohren nicht», erzählt Marius. «Alles, was wir nicht selber kaufen müssen, hilft uns sehr.»

Dem Gemeindeschreiber ist es ein Anliegen, dass jede Form der Hilfe vollumfänglich am Bestimmungsort ankommt. Deshalb bezahlt er seine Reisen stets aus dem eigenen Sack. Damit die Hilfe ja nicht in falsche Hände kommt, wird sich Marius vor Ort persönlich um die Verteilung kümmern und diese auch dokumentieren.

Im August wird Wagner, der in der Zwischenzeit Teil dieser rumänischen Familie ist, für zwei Wochen in die 7900-Seelen-Gemeinde Mihailesti reisen: «Was ich dort von den Leuten zurückbekomme, ist nicht in Worte zu fassen.» Um das Hilfswerk auf ein breiteres Fundament zu stellen, soll in den nächsten Monaten ein Förderverein gegründet werden.