Brugg
Hilfe, wer erklärt mir Amtliches? Neun Freiwillige!

Wer Hilfe braucht in der Korrespondenz mit Ämtern und Behörden, kann sich ab sofort jeweils am Montagabend an den Schreibdienst in Brugg wenden. Neun Freiwillige des Schweizerischen Roten Kreuzes helfen ihnen dort mit ihren Deutschkenntnissen.

Rebecca Knoth
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Freiwillige werden in Brugg künftig Menschen helfen, die Mühe mit deutschsprachiger Korrespondenz haben. Rebecca Knoth

Freiwillige werden in Brugg künftig Menschen helfen, die Mühe mit deutschsprachiger Korrespondenz haben. Rebecca Knoth

Rebecca Knoth

Wer ist noch nie ratlos vor einem Paragrafen gesessen oder war unsicher, wie er auf ein amtliches Schreiben reagieren sollte? Für Migranten ist die Schweizer Bürokratie doppelt schwer zu bewältigen: Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache kumulieren sich mit kulturellen Missverständnissen.

Auch Schweizer fühlen sich einmal überfordert beim Erledigen des formellen Briefverkehrs, «diese holen sich aber eher Hilfe bei ihrem Kollegenkreis», sagt Ursula Kühne. Die Teamleiterin der Regionalstelle Aarau vom Schweizerischen Roten Kreuz Aargau: «Das Rote Kreuz bietet Unterstützung für Mitmenschen, die Hilfe benötigen.»

Platz im katholischen Kirchenzentrum

Am vergangenen Montag haben sich die neun Freiwilligen erstmals an der Bahnhofstrasse 4 getroffen. Das katholische Kirchenzentrum St. Nikolaus stellt dem Schreibdienst dort kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung.

Heidy Schmidt besichtigt interessiert die zwei Arbeitsplätze mit Laptop und Drucker. «Ich habe in den letzten Jahren für meine Eltern gesorgt. Dabei habe ich gemerkt, dass es Freude macht, wenn man anderen eine Freude bereitet», sagt die 60-jährige Architektin. Sie hofft, mit ihrer Hilfe etwas bewirken zu können. Genau wie sie ist das ganze Team gewandt im Umgang mit der deutschen Sprache und grundlegenden Computeranwendungen.

Egal ob bei Bewerbungsbriefen oder Formularen: Für den Inhalt der Texte ist der Klient verantwortlich. «Die Schreiben sollen auf eine einfache aber korrekte Art das ausdrücken, was der Klient meint», betont Ursula Kühne. Die Freiwilligen handeln neutral und werten nicht, persönliche Angaben werden vertraulich behandelt. Pro Besuch zahlt der Hilfesuchende einen Betrag von fünf Franken.

Der SRK Aargau ist der einzige Kantonalverband, der den Schreibdienst anbietet. In Baden startete das Projekt 2011. Inzwischen bilden sich dort manchmal Warteschlangen vor dem Lokal. In Brugg derweil, nehmen bereits am ersten Abend zwei Kunden das Angebot in Anspruch.

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